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alleweil noch sonderlich zumut, wenn man so des Nachts noch durch eine von den leeren Gassen geht und es tut, als klopfte man an hohle Fässer an. KNABE. Aber warum doch wohnen wir neuen Leute fast alle wie ein Häuflein so am Ende der Stadt und nicht oben in den weitläuftigen schönen Gebäuden? SUNTRARD. Weiss selber nicht so recht; ist so herkommen von unsern Eltern. Auch wäre dort nicht so vertraut zusammennisten. LÖWENER. Wo wir wohnen, das heisst die untere Stadt, hier waren vor alters wahrscheinlich die Buden der Krämer und Handwerker. Die ganze Stadt aber beträgt wohl sechs Stunden im Ring. SUNTRARD. Wenn der Mond vollends oben ist, lasst uns noch eine Strecke aufwärts gehen, bis wo die Sonnenkeile1 ist. Nachbar, als ein kleiner Junge, wenn wir Buben noch abends spät durch die unheimlichen Plätze streiften bis zur Sonnenkeile, so trieb und plagte mich's immer, den Stein mit dem Finger zu berühren, weil ein Glauben in mir war, dass er den warmen Strahl der Sonne angeschluckt, wie ein Schwamm, und Funken fahren lasse, welches im Mondschein so wunderlich aussehen müsse. LÖWENER. Hört, was weiss man denn auch neuerdings von dem Königsgespenst, das an der Nordküste umgeht? SUNTRARD. Kein Gespenst! wie ich dir schon oft versicherte. Es ist der tausendjährige König, welcher dieser Insel einst gesetz gab. Der Tod ging ihn vorbei; man sagt, die Götter wollten ihn in dieser langen Probezeit und Einsamkeit geschickt machen, dass er nachher ihrer einer würde, wegen seiner sonstigen grossen Tugend und Tapferkeit. Ich weiss das nicht; doch er ist Fleisch und Bein, wie wir. LÖWENER. glaube das nicht, Fischer. SUNTRARD. Ich hab es sicher und gewiss, dass ihn der Kollmer, der Richter ist in Elnedorf, jeweilig insgeheim besucht; sonst sieht ihn kein sterblicher Mensch. KNABE. Gelt, Vater, er trägt einen Mantel und trägt ein eisern spitzig Krönlein in den Haaren? SUNTRARD. Ganz recht, und seine Locken sind noch braun, sie welken nicht. LÖWENER. Lasst's gut sein! ist schon spät. Das Licht dort in der äussersten Ecke vom Schloss ist auch schon aus. Dort wohnt Herr Harry, der bleibt am längsten auf. Will noch eine Weile in die Schenke. Gut Nacht! SUNTRARD. Schlaf wohl, Freund Löwener. Komm Knabe, gehen zur Mutter.

Zweite Szene

Öder Strand. Im Norden.

KOLLMER allein. Hier pflegt er umzugehn, dies ist der Strand. Den er einförmig mit den Schritten misst.

Mich wundert, wo er bleiben mag. Vielleicht Trieb ihn sein irrer Sinn auf andre Pfade, Denn oft konnte ich gewahren, dass sein Geist Und Körper auf verschiedner Fährte gehen.

O wunderbar! mich jammert sein Geschick, denke ich daran, was doch kaum glaublich scheint, Dass die natur in einem Sterblichen Sich um Jahrhunderte selbst überlebtWie? tausend Jahre? – tausendja nun wird mir Zum ersten Male plötzlich angst und enge, Als müsst ich's zählen auf der Stell, durchleben In e i n e m Atemzughinweg! man wird zum Narren!

Hm, tausend Jahr; ein König einst! – o eine Zeit So langsam, als man sagt, dass Steine wachsen. Vergangenheit und Gegenwart und ZukunftGäb es für die Vernunft ein drittes noch, So müsst er dort verweilen in Gedanken.

Sind's aber einmal tausend, ja, so können

Unzählige noch kommen; sagt man nicht

Dass auch ein Ball, geworfen über die Grenze

Der Luft, bis wo der Erde Atem nicht mehr hin

reicht,

Nicht wieder rückwärts fallen könne, nein

Er müsse kreisen, ewig, wie ein Stern.

So, fürcht ich, ist es hier.

Auch spricht man von der Inselgöttin Weila,

Dass sie ein Blümlein liebgewann von seltner

Und nie gesehner Art, ein einzig Wunder,

Dies schloss die Göttin in das klare wasser

Des härtsten Diamants ein, dass es daure

Mit Farben und Gestalt; wahrhaftig nein,

Ich möchte so geliebt nicht sein von Weila,

Doch diesem König hat sie's angetan.

Oft ahnte mir, er selber sei ein Gott,

So anmutsvoll ist sein verfinstert Antlitz;

Das ist sein grösstes Unglück, darum ward,

Wie ich wohl deutlich merke, eine Fee

Von heisser Liebe gegen ihn entzündet,

Und er kann ihrem Dienste nicht entgehn,

Sie hat die Macht schon über ihn, dass er,

Sooft sich ihr Gedanke nach ihm sehnt,

Tag oder Nacht, und aus der fernsten Gegend,

Nach ihrem Wohnsitz plötzlich eilen muss.

Wenn dieser Ruf an ihn ergeht, so reisst

Der Faden seines jetzigen Gedankens

Auf e i n m a l voneinander, ganz verändert

Erscheint sein Wesen, hellres Licht durchwittert

Des Geistes Nacht, der längst verschüttete Brunn

Der rauhen und gedämpften Rede klingt

Mit e i n m a l hell und sanft, sogar die Miene

Scheint jugendlicher, doch auch schmerzlicher:

Denn greulich ist verhasster Liebe Qual.

Drum sinnt er sicherlich in schwerem Gram,

Wie er sich ledig mache dieser Pein;

Dahin auch deut ich jene Worte mir,

Die er einst fallenlassen gegen mich:

"Willst du mir dienstbar sein, so gehe hin

Zur Stadt, dort liegt in einem unerforschten Winkel

Ein längst verloren Buch von seltner Schrill,

Das ist geschrieben auf die breiten Blätter

Der Tranuspflanze, so man göttlich nennt,

Das suche du ohn