ein Manuskript hervor, blätterte und sagte: "In Absicht auf die Art und Weise, wie die Tableaux den Text begleiten, versteht sich von selbst, dass der Schauplatz zuweilen, wiewohl nur selten, leer bleiben wird, dass für den Maler nicht jede Szene gleich brauchbar sein konnte, dass er von einer Szene meist nur einen Moment, eine hervorstechende Gruppe darstellen konnte, dass jedoch so viel Varietät als nur immer möglich in die Bilder gebracht wurde. Nun hab ich nur noch eine Bitte, den Vortrag des Dialogs betreffend. Ich werde zwar sämtliche männliche Personen aus meinem mund mit abwechselnder stimme unter sich sprechen lassen, für die weiblichen aber und für die Kinderkehlen sollte mir doch eins und das andre der fräulein zur Seite stehen und mit mir aus der Rolle lesen. Welche von den Damen würde wohl die gefälligkeit haben? Sie, fräulein von R. und von G. erfreuten uns schon auf dem Liebhaberteater, an Sie richt ich meine Bitte im Namen aller."
Die Schönen mussten sich's gefallen lassen, sie traten mit dem dargereichten Hefte beiseit, es vorläufig zu durchsehen, während Larkens sich von der Gräfin einen geheizten Saal mit weissen Wänden ausbat und seine Einrichtung traf.
Nach kurzer Zeit ertönte sein Glöckchen, das die Gesellschaft hinüber lud in den verdunkelten Saal. Hinter einer spanischen Wand, die nach einer Seite offen war, befanden sich Larkens und seine Gehülfinnen neben der magischen Laterne, welche inzwischen nur einen runden hellen Schein an die Zimmerdecke warf. Man nahm im Halbkreise Platz, und Nolten hatte sich so gesetzt, dass er Constanzen ins Auge fassen konnte.
Nachdem alles stille geworden, begann hinter der Gardine eine einleitende Symphonie auf dem Klavier von einem Mitgliede der Gesellschaft gespielt und von Larkens mit dem Violoncello begleitet. Unter den letzten Akkorden erschien an der breitesten, völlig freien Wandseite des Saales in bedeutender Grösse die Ansicht einer fremdartigen Stadt und Burg, im Mondschein, vom See bespült, links im Vorgrund drei sitzende Personen und der Dialog nahm seinen Anfang.
Wir bedenken uns nicht, den Leser an dem Spiele teilnehmen zu lassen, da es nachher in den gang unserer geschichte einschlägt und die wichtigsten Folgen hat. Zugleich mag es einen lebhaften Begriff von dem inneren Leben jenes Schauspielers geben, welcher bereits unsere Aufmerksamkeit erregte und noch mehr künftig unsere Teilnahme gewinnen wird.
Der letzte König von Orplid
Ein phantasmagorisches Zwischenspiel
Erste Szene
Anblick der Stadt Orplid mit dem schloss; vorn
noch ein teil vom See. Es wird eben Nacht. drei
Einwohner sitzen vor einem Haus der unteren Stadt
auf einer Bank im Gespräch. Suntrard, der Fischer,
mit seinem Knaben, und Löwener, der Schmied.
SUNTRARD. Lasset uns hieher sitzen, so werden wir nach einer kleinen Weile den Mond dort zwischen den zwei Dächern heraufkommen sehen. KNABE. Vater, haben denn vor alters in all den vielen Häusern dort hinauf auch Menschen gewohnt? SUNTRARD. Jawohl. Als unsere Väter, vom Meersturm verschlagen, vor sechzig Jahren zufälligerweise an dem Ufer dieser Insel, was das Einhorn heisst, anlangten, und tiefer landeinwärts dringend sich rings umschauten, da trafen sie nur eine leere steinerne Stadt an; das Volk und das Menschengeschlecht, welches diese Wohnungen und Keller für sich gebauet, ist wohl schon bald tausend Jahr ausgestorben, durch ein besonderes Gerichte der Götter, meint man, denn weder Hungersnot noch allzu schwere Krankheit entsteht auf dieser Insel. LÖWENER. Tausend Jahr, sagst du, Suntrard? Gedenk ich so an diese alten Einwohner, so wird mir's, mein Seel, nicht anders, als wie wenn man das Klingen kriegt im linken Ohr. SUNTRARD. Mein Vater erzählt, wie er, ein Knabe damals noch, mit wenigen Leuten, fünfundsiebzig an der Zahl, auf einem zerbrochenen Schiffe angelangt, und wie er sich mit den Genossen verwunderte über eine solche Schönheit von Gebirgen, Tälern, Flüssen und Wachstum, wie sie darauf fünf, sechs Tage herumgezogen, bis von ferne sich auf einem blanken, spiegelklaren See etwas Dunkeles gezeigt, welches etwa ausgesehen, wie ein steinernes Wundergewächs, oder auch wie die Krone der grauen Zackenblume. Als sie aber mit zweien Kähnen darauf zugefahren, war es eine felsige Stadt von fremder und grosser Bauart. KNABE. Eine Stadt, Vater? SUNTRARD. Wie fragst du, Kind? Ebendiese, in der du wohnest. – Des erschraken sie nicht wenig, vermeinend, man käme übel an; lagen auch die ganze Nacht, wo es in einem fort regnete, vor den Mauern ruhig, denn sie getrauten sich nicht. Nun es aber gegen Morgen dämmerte, kam sie beinahe noch ein ärger Grauen an; es kräheten keine Hähne, kein Wagen liess sich hören, kein Bäcker schlug den Laden auf, es stieg kein Rauch aus dem Schornstein. Es brauchte dazumal jemand das Gleichnis, der Himmel habe über der Stadt gelegen, wie eine graue Augbraun über einem erstarrten und toten Auge. Endlich traten sie alle durch die Wölbung der offenen Tore; man vernahm keinen Sterbenslaut als den des eigenen Fusstritts und den Regen, der von den Dächern niederstrollte, obgleich nunmehr die Sonne schon hell und goldig in den Strassen lag. Nichts regte sich auch im inneren der Häuser. KNABE. Nicht einmal Mäuse? SUNTRARD. Nun, Mäuse wohl vielleicht, mein Kind. Er küsst den Knaben. LÖWENER. Ja, aber Nachbar, ich bin zwar, wie du, geboren hier und gross geworden, allein es wird einem doch