nur entfernt von grosser Ähnlichkeit mit einem früheren Bekannten sprach, um ihm auf den Fall er sein Geheimnis lieber bewahren wollte, den Vorteil der Verleugnung ohne weiteres zu lassen. Hier aber erkannte man nun erst den wahren Meister! Eine solche köstliche Zunftmiene, so eine rechtfertige Zähheit – kein Flamänder malt diesen Ausdruck mit solcher Wahrheit. Man glaubte einen Burschen zu sehen, auf dessen Stirne sich bereits die Behaglichkeit zeichne, womit er am ruhigen Abend beim Bierkrug und schlechten Tabak den Auftritt seinen Kameraden auftischen wollte, nachdem er ihre Neugierde durch etwas unnötig längeres Feuerschlagen gehörig zu schärfen für dienlich erachtet. Wie hätte ich nun nach allem diesen es noch übers Herz bringen können, dem unvergleichlichen Mann sein Spiel zu verderben oder länger in ihn zu dringen? Ich entliess ihn also, konnte aber freilich nicht ganz ohne lachenden Mund mein 'Adieu, guter Freund, und nehm Er's nicht übel!' hervorbringen. Er sah mir's um die Lippen zucken, kehrte sich unter der Tür noch einmal um und sagte im liebenswürdigsten Ton 'Ich sehe wohl, der Schulmeister von neulich hat mir einen Streich gespielt, ich bitte, Euer Exz. mögen diese meine gegenwärtige Figur noch zur verkehrten Welt schlagen. Dürft ich aber vollends hoffen, dass dieser Auftritt unter uns bliebe, so würde ich Ew. Exz. sehr verpflichtet sein, und Sie haben hiemit mein Ehrenwort, dass mein Geheimnis ohne das mindeste Arge ist; aber für jetzt liegt mir alles dran, das zu scheinen, was ich lieber gar sein möchte.' Jetzt nahm ich länger keinen Anstand, ihn bei seinem Namen herzlich willkommen zu heissen. Da er natürlich geniert war, in seinem gegenwärtigen Aufzuge einen Diskurs fortzusetzen, und doch mein Interesse ihm nicht entging, so hiess er mich Zeit und Ort bestimmen, wo wir uns gelegener sprechen könnten, und so verabschiedete er sich mit einem unwillkürlichen Anstande, der ihm selbst in diesen Kleidern trefflich liess.
Um mir nun die ganze sonderbare Erscheinung einigermassen zu erklären, lag freilich der Gedanke am nächsten, es habe dem Künstler gefallen, die niedrige natur eine Zeitlang an der Quelle selbst zu studieren, wiewohl derselbe Zweck gewiss auf andre Art bequemer zu erreichen war. Als wir kurz nachher auf meinem Gute zusammenkamen, schien er mich auch wirklich auf meinem Glauben lassen zu wollen; doch dachte er zu redlich, um nicht die wahre Absicht, deren er sich vielleicht schämen mochte, wenigstens als ein Nebenmotiv bemerklich zu machen, und da überdies eine hypochondrische Seite in seinem gespräche mehrmals anklang, so erriet ich leicht, dass dies wohl der einzige Beweggrund sein müsse. Ich vermied natürlich von nun an die Materie gerne, aber auffallend war es mir, dass Larkens, wenn ich das Gespräch auf Kunst und dergleichen hinlenkte, nur einen zerstreuten und beinahe erzwungenen Anteil zeigte. Er zog praktische oder ökonomische Gegenstände, auch die unbedeutendsten, jedesmal vor. Mit wahrer Freude untersuchte er meine Baumschule und jede Art von Feldwerkzeug, zugleich suchte er sich beim Gärtner über alle diese Dinge gelegentlich zu unterrichten und gab mitunter die sinnreichsten Vorteile an, die ihm weder Handbuch noch Erfahrung, sondern nur sein glücklicher blick gezeigt haben kann. übrigens waren unserer Zusammenkünfte leider nicht mehr als drei; vor sechs Tagen speiste er das letzte Mal bei mir."
Der Präsident war fertig. Eine tiefe Wehmut war auf alle Gesichter ausgegossen und keines wollte reden. Hatte man während dieser Erzählung, wenigstens in der Mitte derselben, nur das rege Bild eines Mannes vor sich gehabt, welcher, obgleich nicht im reinsten und glücklichsten Sinne, doch durch die feurige Art, wie er die höchsten Glanzerscheinungen des Lebens und der Kunst in sich aufnehmen konnte, mit Leib und Seele dieser Welt anzugehören schien, und konnte man also auf Augenblicke völlig vergessen, es sei hier von einem Verstorbenen die Rede, so überfiel nun der Gedanke, dass man in wenig Stunden werde seinen Sarg in die Erde senken sehen, alle Gemüter mit einer unerträglichen Pein, mit einer ganz eigenen Angst, und unsern Freund durchdrang ein nie gefühlter brennender Schmerz der ungeduldigsten sehnsucht. Sekundenlang konnte er sich einbilden, sogleich werde die tür sich auftun, es werde jemand hereinkommen, mit freundlichem Gesicht erklären, es sei alles ein Irrtum, Larkens komme frisch, und gesund unverzüglich hieher. Aber ach! kein Wunder gibt es und keine Allmacht, um Geschehenes ungeschehen zu machen.
Der Präsident trat stille auf Teobald zu, legte die Hand auf seine Schulter und sprach: "Mein Lieber! es ist nun Zeit, dass ich eine Bitte, eine rechte Herzensbitte an Sie bringe, mit der ich seit gestern abend umgehe und welche Sie mir ja nicht abschlagen müssen. Bleiben Sie einige Tage bei uns. Es ist uns beiden unerlässliches Bedürfnis, des teuren Freundes Gedächtnis eine Zeitlang miteinander zu tragen und zu feiern. Wir werden, indem wir uns beruhigen, auch seinen Geist mit sich selber zu versöhnen glauben. Wir müssen, wenn ich so sprechen darf, dem Boden, welchem er seine unglückliche Asche aufdrang, die fromme Weihe erst erteilen, damit diese Erde den Fremdling mütterlich einschliessen könne. Wenn Sie uns verlassen haben, so ist hier keine Seele ausser mir, die Ihren Larkens kennte und schätzte wie er es verdient, und doch sollen zum wenigsten stets ihrer zwei beisammen sein, um das Andenken eines Abgeschiedenen zu heiligen. Ja, geben Sie meiner Bitte nach, überlegen Sie nicht – Ihre Hand! Morgen reisen wir alle aufs Gut