herrschte, während die Musik in den Zweigen von neuem begann und der unsichtbare Spielmann mit lebhafter stimme Folgendes sang:
Jung Volker das ist der Räuberhauptmann
Mit Fiedel und mit Flinte,
Damit er geigen und schiessen kann
Nachdem just Wetter und Winde,
Ja Winde!
Fiedel oder Flint,
Fiedel oder Flint,
Volker spielt auf!
Ich sah ihn hoch im Sonnenschein
Auf seinem Hügel sitzen;
Da spielt er die Geig und schluckt roten Wein,
Seine blauen Augen ihm blitzen,
Ja blitzen!
Fiedel oder Flint,
Fiedel oder Flint,
Volker spielt auf!
Ich sah ihn schleudern die Geig in die Luft,
Ich sah ihn sich werfen zu Pferde,
Da hörten wir alle wie er ruft:
Brecht los wie der Wolf in die Herde!
Ja Herde!
Fiedel oder Flint,
Fiedel oder Flint,
Volker spielt auf!
Die saiten klangen aus. Es war ein allgemeines Schweigen. Die Gesellschaft sah sich lächelnd an, und schon während des Gesangs verkündigten einige schlaue Gesichter eine angenehme Überraschung, wobei es mit ganz natürlichen Dingen zugehen dürfte. Es rauschte jetzt und knackte in den Zweigen, zwischen denen jemand behutsam herunterzusteigen schien. Ein Fuss stand bereits auf dem letzten Aste; ein kecker Sprung noch, und, wen man am wenigsten erwartete, den auch die wenigsten kannten – Raymund, der Bildhauer, stand mit der Ziter, sich tief verneigend, vor der verblüfft-erfreuten Versammlung. Amandus und der Obrist klatschten, Bravo rufend, in die hände. Raymund sprang auf den Maler zu, der wie aus den Wolken gefallen dastand; die übrigen hörten inzwischen von der Pfarrerin, wer der Herr wäre. Agnes hatte den Schauspieler Larkens vermutet, ja Nolten selbst, als die Musik anfing, bebte das Herz bei dem gleichen Gedanken, und es dauerte eine ganze Zeit, bis er sich wieder fassen konnte.
Man nahm nun ordentlich am runden Tisch unter dem Schirme Platz; mit dem bester Weine füllten die Gläser sich frisch, und während die Frauenzimmer das Strickzeug vornahmen, begann der Bildhauer: "Zuvörderst ist es meine Pflicht, mit wenig Worten den Schein des Greulichen und Ungeheuren von meiner Hieherkunft zu entfernen, besonders um der Damen willen, denen der Schreck noch nicht ganz aus den Gliedern gewichen sein muss, weil bis jetzt keine sich getraute, mich auch ein wenig freundlich anzuschauen. Nun also: zwei Tage, bevor Sie, lieber Nolten, die Rückkehr in ihr Vaterland antraten, die ich mir so nahe gar nicht vermutend sein konnte, war ich genötigt, in nicht sehr erfreulichen Angelegenheiten eines Bruders nach K* zu reisen, was kaum sechs Meilen von hier liegt. Ich wusste damals noch nichts von Ihren Verbindungen in dieser Gegend, und weder ein Neuburg noch ein Halmedorf existierte für mich in der Welt, sonst hätt ich wohl um Aufträge bei Ihnen angefragt und wäre vielleicht nicht so schmählich um Ihren Abschied gekommen Doch wider Hoffen und Vermuten sollt ich um vieles glücklicher werden. Ich war bereits acht Tage in K*, so kommt ein Brief, pressant, an mich dortin – (von wem? das raten Sie wohl nicht!) mit dem dringenden Auftrage, im Rückweg einen kleinen Abstecher zu Ihnen zu machen und ein beigelegtes Schreiben eigens in Ihre hände zu überliefern." (Er gab Teobalden den Brief und wandte sich gegen die andern.) "Dem schönen Zufall muss ich noch besonders lobpreisende Gerechtigkeit widerfahren lassen, der mich zwei Stunden von hier mit dem Herrn Obrist zusammenführte; wir gesellten uns als fremde Passagiere zueinander und wären beinahe ebenso wieder geschieden, als kaum noch zu rechter Zeit sich entdeckte, dass wir die gleiche Absicht hätten. Wer weiss mir eine artigere Fügung? Ich war's zufrieden, sogleich nach Halmedorf mitzureiten. Dort hiess man mich denn freundlich bleiben, und Herr Pastor war ganz glückselig, eine doppelte Überraschung veranstalten zu können. Der Plan zu diesen Spässen ward heute früh entworfen, und gerne liess ich mir's gefallen, mein Mittagsmahl hier unter freiem Himmel zu verzehren, von Volkers rotem Wein zu trinken und meine Rolle einzuüben. Auch hab ich, wenn man Lust hätte, den Geiger zu malen, diesem Hügel vorläufig eine Ansicht abgemerkt, wo er sich als ein Hintergrund ganz unvergleichlich ausnehmen müsste."
Indessen spiegelte sich auf Noltens Angesicht die erhaltene Botschaft mit leserlicher Freude: ja so mächtig ergriffen war er, dass er Agnesen das Blatt nur still hinbieten und Raymunden die Hand nur mit einem leuchtenden Blicke des Dankes über den Tisch reichen konnte. "Nun", sagte jener, "ich darf der erste sein, der Ihnen Glück wünscht." "So sind wir nicht die letzten!" rief der Obrist mit dem Pfarrer, indem man die Gläser erhob. Agnesen stürzte eine Träne aus den schönen Augen und auch sie hob ihr Glas. Es wurde sofort erklärt: dass Nolten und Raymund einen sehr vorteilhaften Ruf in die Dienste eines hochgebildeten und verehrten Fürsten des nördlichen Deutschlands erhalten haben, zunächst um bei einer gewissen Privatunternehmung des kunstliebenden Regenten verwendet zu werden, doch sollte die Anstellung auf zeitlebens sein. Die Sache ging durch den Maler Tillsen und den alten Hofrat, deren Empfehlung man, wie es schien, das Ganze eigentlich zu danken hatte. Etwas Geheimnisvolles war immer dabei, und Nolten hatte Ursache zu glauben, dass noch ganz andere Hebel gewirkt haben müssten. Jenes Schreiben selbst war von dem Hofrat. Er gibt sich alle Mühe, dem Freunde dies Offert so einleuchtend als möglich zu schildern, er hatte zum