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Bist du doch gegangen!

Wär mein Lieb nur blieben treu,

Blieben treu,

Sollte mir nicht bangen.

In der Ernte wohlgemut

Wohlgemut,

Schnitterinnen singen;

Aber ach, mir kranken Blut,

Mir kranken Blut,

Will nichts mehr gelingen.

Schleiche so durchs Wiesental,

So durchs Tal,

Als im Traum verloren

Nach dem Berg, da tausendmal,

Tausendmal,

Er mir Treu geschworen.

Oben auf des Hügels Rand,

Abgewandt

Wein ich bei der Linde:

An dem Hut mein Rosenband,

Von seiner Hand,

Spielet in dem Winde.

Agnesen hatte der Ton zuletzt vor Bewegung fast versagt; jetzt warf sie das Instrument weg und stürzte heftig an die Brust des Geliebten. "Treu! Treu!" stammelte sie unter unendlichen Tränen, indem ihr ganzer Leib zuckte und zitterte, "du bist mir's, ich bin dir's geblieben!" – "Ich bleibe dir's!" mehr konnte Teobald, mehr durfte er nicht sagen. An einem der folgenden schönen Tage wollte man den schon mehrmals zur Sprache gekommenen Ausflug nach Halmedorf zu den jungen Pfarrleutchen machen, denen man sich bereits hatte ansagen lassen. Die beiden alten Herren, der Förster und der Baron, versprachen im Wagen des letzteren zu fahren; denn immerhin war es drei Stunden dahin. Die Jugend, nämlich unser Paar, ein Sohn und zwei Töchter des Pastors, welche man trotz einigen Einwendungen Noltens zuletzt auf Agnesens beharrliche Vorstellungen hinzubitten müssen, diese wollten zu fuss gehen; die eine Partie sollte morgens bei guter Tageszeit sich auf den Weg machen, die Fahrenden erst nach Tische. Leider aber war der Baron indessen bedeutend unpass geworden, er musste, was in langer Zeit nicht erhört worden, das Bett hüten, die Reise hatte ihm zugesetzt, wie er nun selber eingestand. Also beschloss auch der Förster zurückzubleiben, dem verehrten Freunde zur Gesellschaft.

So wanderte denn der kleine Zug und gelangte bald aus dem Tälchen auf die fruchtbare höher gelegene Ebene, die sich abermals um ein weniges senkte, wo ihnen denn der reinliche, etwas steil heraufgebaute Ort entgegensah. Lange zuvor hatte man den Hügel vor sich, der unter dem Namen Geigenspiel bekannt, an seinem fuss unbedeutend anzusehn, oben mit einer ausserordentlichen Aussicht überrascht.

"Schön! schön! das heiss ich doch die Stunde eingehalten!" rief der Pfarrer, der sie hatte kommen sehen und bis an die nächsten Äcker entgegengegangen war. "Seht da, mein Dachs will den Gruss vor mir wegschnappen! Der Narre kennt dich noch von vier Jahren her; aber sein Herr fürwahr hätte dich bald nicht wiedererkanntKomm an mein Herz, alter Kamerad! Ad pectus manum, sagte der Rektor, wenn wir gelogen hatten: manum ad pectus, ich liebe dich und habe nicht gelogen. O ich möchte schreien, dass die Berge aufhüpften, möchte alle Glocken zusammenläuten lassen, durchs ganze Ort möchte ich posaunen und duten, wäre ich just nicht der Seelenhirt, der sich im Respekt erhalten muss, sondern ein anderer."

In diesem Tone fuhr Amandus fort, eins nach dem andern zu salutieren, und noch als man bereits vor dem Pfarrhause stand, war er nicht fertig. Jetzt sprang, so leicht und zierlich wie ein achtzehnjähriges Mädchen unter der Haube, die Pastorin entgegen, aber auch sie konnte über dem Mutwillen ihres Manns nicht zum Worte kommen. Mit jubel betritt man endlich die stube, die hell und neu, recht eigentlich ein Bild ihrer Bewohner darstellte. Kaum über die Schwelle getreten, kann man sogleich bemerken, wie der Pfarrer in eiliger Verlegenheit einen grünen Uniformrock, der an der Wand hing, zu entfernen sucht; er bleibt jedoch, da er seine Absicht verraten sieht, mitten auf dem Wege stehen: "Dass dich!" rief er, gegen Nolten gewendet – "nun Freundchen, ist mir's herzlich leid, da du eine Heimlichkeit doch einmal gewittert hast, so will ich lieber gar mit der sonderbaren geschichte herausrücken." (Er zupfte heimlich seine Frau und fuhr mit verstelltem Ernst und vieler Gutmütigkeit fort.) "Seit gestern haben wir einen fremden Offizier einen Obrist, im haus, der eigentlich bloss dich hier erwartet, er ist nur eben ausgeritten, wird aber nicht bis Abend ausbleiben. Er langte gestern spät hier an, und weil wir kein anständiges Wirtshaus im Dorf haben, lud er sich auf das höflichste bei mir zu gast, das mir denn um so grössere Ehre war, als ich einen Freund von dir in ihm vermutete. Allein ich merkte bald, dass es mit der Freundschaft nicht so recht sein müsse; er nannte deinen Namen kaum, und verstummte nachdenklich, beinahe finster, wenn ich von dir anfing; im übrigen zeigte sein Gespräch viel Welterfahrung und alle die Anmut, die man bei gebildeten Militärs zuweilen findet. Meine Frau zwar gab mir gleich bei seinem Empfang nicht undeutlich zu verstehen, er habe ihr so ein visage de contrebande, und in der Tat, ich weiss nichtdas Geheimnisvolle in Beziehung auf dicher könntewenn er dir nur nichts anhaben will –"

"Wie heisst er denn?"

"Ja, gehorsamer Diener, das hat er mir nicht gesagt."

"Woher denn? in welchen Diensten?" fragte Nolten dringender und nicht ohne einige Bewegung, denn augenblicklich, er wusste nicht warum, fiel ihm ein Bruder Constanzens ein, der noch in der letzten Zeit von des Malers Aufentalt in jener Residenz, bei