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. Ich aber bin einer ihrer schlimmsten Zahler, und mein Trachten geht darauf aus, die ungestüme Mahnerin ganz aus meinem haus zu werfen. Schätzt Euch darum nicht geringer, mich nicht höher als von nöten. Ihr seid noch lange nicht der lodernde Brand, den Euch die wilde Empfindung vorspiegelt, ich noch lange keine Eisscholle. Ester ist aber viel zu gut, und zu edel, als dass ich ihr für kurze Wonne eine ewige Reue verkaufen möchte. Gute Nacht!

Fünfzehntes Kapitel.

Hei! wie freut mich der Herrenstand,

Auf hohem Ross, das Schwert zur Hand!

Gewappnet vor dem Liebchen stehen,

Und neben Fürst' und Grafen gehen!

Du grobes Bürgerpack, vorbei!

Nur für den Adel ist Turnei!

Das Spiel vom hoffärtigen Junker.

Wohl noch nie hat eine Stadt, so weit in deutschen Landen der Lauf des Rhein- und Donaustroms nicht, einen lustigern und gastlichern Anblick gewährt, als Costnitz ihn am zwanzigsten Tage des Monats März darstellte. Geraume Zeit vorher hatte man gewusst, Herzog Friedrich von Österreich-Tyrol werde, das Frühlingsfest zu verherrlichen, ein Kampf- und Ritterspiel geben, wie es selten noch irgendwo geschaut worden. Die Zubereitungen, die jedoch in den letzten Tagen getroffen worden waren, übertrafen durch ihre Pracht Alles, was die gespannte Neugier erwarten durfte. Und am Morgen des anberaumten Feiertags stand das Werk vollendet da, ein wundersames Schauspiel für Costnitzs Bewohner, und weit herbeigeströmte Gäste. Den weiten Rennplatz umgaben zierliche Schranken, getaucht in die weisse und rote Farbe. In blinkenden Angeln drehten sich die Pforten, durch welche die Kreiswärtel gingen; mit blanken Schildern, Ketten und Hacken waren die Schlagbäume geziert, durch welche die Kämpfer einreiten sollten. Rings um den mit Sand und Kies geebneten Platz flatterten in geringen Zwischenräumen die Banner von Österreich-Tyrol, dem Argäu, dem Turgäu und andern, Friedrichs herrschaft unterworfnen Städten und Landen. Hoch aber über diesen Bildern und Fahnen der Macht erhoben sich im Halbkreis die leicht und geschmackvoll gebauten Emporbühnen und Schaugerüste, von welchen der Kaiser mit feines Reichs Fürsten, die Väter des Conciliums, und die Blumen der Gesellschaft und Volksversammlung, die reizenden Frauen, den Spielen zusehen sollten. Des Kaisers Tribune, von goldnem Stück gleich wie ein Feldherrnzelt erbaut, überragte mit ihrem Silberdach, umwallt von wehende Reiherbüschen und Federsträussen, alle Nachbarbühnen, von deren Geländer prachtvolle Sammetdecken mit Wappen, Sinnsprüchen und Tierbildern übersät, zu den Schranken hinabhingen. Die nieder gelegenen Sitze der Kampfrichter und Bankspender, die Trompetergänglein in jeder Ecke des Platzes, die kleinen Hütten der Kreiswärtel und Stechknechte sogar, schlossen sich würdig durch ihr glänzend einfaches Äussre an die Plätze der vornehmern Leute. Jeder Eingang zu dem platz, jede Treppe zu den Bühnen wurde von Trabanten des Herzogs bewacht, teils zu Fuss, auf ihren Partisanen lehnend, teils zu Ross, im Silberkürass, den Morgenstern an die Faust geknüpft. Die Turniervögte fassen bereits mit ihren Stäben hinter den vor ihren Schirmdächern aufgepflanzten Hellebarden. Die Rennknechte in ihren glatt anliegenden Lederkleidern und Kappen, das Strickmesser am Gürtel hängend, hatten schon die Seile gespannt, und sich dabei gelagert. Am fuss der, zu den Stühlen der Kampfrichter führenden Stufen hielt in glänzender Rüstung und buntem Wappenscapulier, der Turnierherold, umgeben von seinen Dienern, die rings an den Brüstungen-Schrauben die Schilde der turnierlustigen Herren aufzuhängen beschäftigt waren, so wie diese nach und nach herbeigebracht wurden. Die Fechtpreisse, in silbernen und goldnen Kleinodien, kostbarem Stechgezeug, auserlesenen Waffen und Tigerfellen bestehend, waren in einem eigens dazu bestimmten raum prahlend ausgestellt. Auch die Spielleute waren schon an ihren angewiesenen Stellen, und so oft ein neues Wappenschild feierlich herzugetragen wurde, um geprüft und neben den übrigen aufgehängt zu werden, ertönte, von Pauken, Trompeten und Zinken geweckt, ein fröhlicher Turnierruf. Zu all dieser Pracht, die ein noch herrlicheres Schauspiel verhiess, hatte der Himmel den klarsten Tag geschenkt, der sich nur je im Bodensee gespiegelt. Die Sonne, warm und lieblich strahlend, streute ihr Gold freigebig auf Land und Flut, und blau hatte sich Himmel, See und Gebirgsferne geschmückt. Lustig und leicht tanzten die schwankenden Kähne, angefüllt von schaulustigen Leuten, vom jenseitigen Ufer herüber, die Strassen rings um die Stadt waren bedeckt mit herzueilenden Rossen und Fussgängern, und vom frühen Morgen an lebten die Gassen der Stadt. Während jedoch Tausende von Gaffern die Schranken des Rennplatzes summend und durcheinander wimmelnd umgaben, und in den gedrängt vollen Schenkhäusern häufig die Gesundheit des prachtliebenden Herzogs ausgebracht wurde, war Erder Geber all dieser Festlichkeit und Freudedaheim, missmutig in sein innerstes Gemach zurückgezogen, wo er bald unruhig auf- und niederging, bald eine Last von Schriften der Flamme seines Kamins opferte, bald mit heimlichem lachen ein Schnippchen in die freie Luft schlug, mit dem Finger vor sich hindrohte, und sein Tyroler Liedlein jodelte, mit dem klirrenden Sporn den Takt dazu tretend. Er konnte auch wohl unmöglich zu einer ebenen Stimmung gelangen, denn der Geschäfte hatte er nebenbei viele. Jetzt war es der Stallmeister, der seine Befehle einholte, dann der Haushofmeister, welcher wegen der zu reichenden Erfrischungen, und der dem volk zugedachten Spenden sich Rats erholen mochte, hierauf der Turniermarschall, der neuen Geldvorrats bedurfte, und zu diesem Endzwecke eine Weisung des Herzogs an den Schatzmeister verlangte; zuletzt war es der Seckelmeister selbst, der sich neuen Zufluss aus dein Beutel Seiner fürstlichen Gnaden erbat. Alle diese dringenden Mahner und Bittsteller befriedigte der Fürst