Wählt gleich den jetzigen Augenblick, in dem ich der Erheiterung bedarf." – "So entrunzelt Eure Stirne! Dem mann, der liebt, und sich der heftigsten Gegenliebe erfreut, ziemt der düstre Unmut nicht." – "Gutes Mühmchen! Ihr wisst um meine seltsame Liebschaft; es ist wahr. Was soll diese aber hier? Ihr Gedächtniss könnte meinen Unmut mehren." – "Nicht so finster!" äusserte Fiorilla, neckend drohend: "Der Liebende hört ja doch sonst mit voller Seele den Wert seines Liebchens von fremden Zungen preisen. Machtet Ihr hier eine Ausnahme? Ich glaube nicht. So wisst denn, dass ich Euch belobe ob der Wahl, die Ihr getroffen." – "Ihr?" fragte Dagobert befremdet: "Wie könnt ihr wissen?" – "Erinnert Ihr Euch noch jener Nacht, in der Ihr, des Bedürfnisses voll, eine Vertraute Eurer kleinen Geheimnisse zu haben, unter mein Fenster kamt, und mir mit überströmender Freude erzähltet, Euer Lieb von Frankfurt befinde sich zu Costnitz, ... Ihr hättet sie gesehen ... gesprochen? ..." – "Recht wohl entsinne ich mich des Abends, von dem Ihr sprecht; denn kaum der Wochen dreie sind seitdem verstrichen; wie aber jene Kunde sich mit dem Beginn Eurer Rede reimt ....." – "Das begreift ihr nicht? Kurzsichtiger! Ihr kennt die Wissbegier der Frauen nicht. Diejenige zu schauen, deren Reize Euch unempfindlich gemacht hatten gegen meine Freundlichkeit, liess ich mich die Mühe nicht verdriessen, das holde Judenkind aufzusuchen. Bald entdeckte ich dessen Aufentalt. Der Vorwand, italienisch Geld gegen deutsche Münze umzutauschen, führte mich beim Vater ein; meine Jugend und Schmeichelei machte mich der Tochter angenehm, – das Vorgeben: ich sei noch, was ich einst war, – ihre Glaubensverwandte – machte dem Vater meinen öftern Besuch bei der einsamen Tochter wünschenswert; und mein offnes Bekenntniss von meinem Übertritt und meinen ziemlich nahen Beziehungen zu Euch, gewann mir das unumschränkte Vertrauen Esters!" – "ist es möglich?" rief Dagobert: "und ich ahnte nicht? ...." –
"Warum kamt Ihr nicht mehr in Ben Davids Haus?" fragte Fiorilla: "Oft schlich ich mich von hier weg, um Euch an Esters Seite zu erwarten. Oft harrte ich auf einen abermaligen Abendbesuch unter meinem Kammerfenster, um Euch von dem Gesagten in Kenntniss zu setzen. Ester und ich, wir harrten umsonst. Grausamer! wer wollte kalt an solchem Schatze vorübergehen, und seiner nicht begehren, nicht um ihn sich bewerben? Welch eine Fülle von Reizen, die ich neidisch bewundre, aber auch welch ein Reichtum von Tugenden, liegt in diesem Wundermädchen verborgen! Ihr kennt die Blüte nicht, nach welcher Euer Auge lüstern sah, von welcher sich jedoch die Hand scheu entfernte. Das Vorurteil ist in Euer Herz eingewachsen, wie sich der stumpfe Splitter öfters in der Wunde vernarbt. Ihr liebt in dem reizenden Geschöpfe sein Geschlecht; Ihr hasst in ihm sein Volk. Welch unendliche Liebe fühlt Ester für Euch! wie lohnt Ihr dieselbe durch schroffes Verschmähen! Ich habe des Mädchens leidenschaft durchschaut; ich bewundere schaudernd den Abgrund dieser stammenden Neigung, wie sie nur die glühende Sonne des Mittags erzeugt. Ester gleicht dem lodernden Brande; Ihr der abreisenden Eisklippe. Ester könnte Jahrelang für Euch sterben ... Ihr wagt es nicht nur einen Augenblick für sie zu leben!" –
Erschüttert schwieg Dagobert, als Fiorilla geendet hatte. "Eure Gleichnisse sind übel gewählt;" begann er kurz darauf, mit so viel Gleichmut, als ihm zu Gebote stand: "Und dennoch – ein seltner Fall – treffend in ihrer übeln Auswahl. Sie sprechen das richtigste Urteil. Brand und Eis sollen nimmer sich verbinden. Der Augenblick, der sie vereint, ist zugleich der Augenblick des Todes für Beide. Müht Euch darum nicht, gutes Mühmchen. Und wäre auch endlich – was ich behaupte – die sittsame, züchtige Ester nicht die Flamme aus der Nachbarschaft der Wüste, und ich, Dagobert Frosch, nicht der eiskalte Sumpfbewohner, den mein Name verkündet, sondern wir beide ganz gewöhnliche Menschen von gemässigter und gegenseitiger leidenschaft; – dennoch würde nichts aus Eurer Ehestiftung. Mich fordert der Altar, wie ihr wohl wisst, holde Freundin." –
"Müsst Ihr denn, einem blinden Wahne gehorchend, zwei Herzen brechen?" eiferte Fiorilla: "Gibt es nicht land, wo man vom törichten Gelübde Eurer Mutter nichts weiss? Flieht dortin. Ester, ich schwör's Euch zu, wird nach kurzem Widerstande folgen, ohne Kampf die Lehre lassen, die ihr Herz nicht liebt; zu dem Glauben sich bekennen, der ihr jetzt schon teuer, weil es der Eurige ist. Eure Wissenschaft, und adlich Gewerbe sichert den Wohlstand Eurer Hütte. Wagt es glücklich zu sein, entflieht der Welt, um ihre Freuden ungestört zu geniessen. Bedürft ihr des Beistands, des Rats? wählt mich. Durch Überredung, Tat und Anschlag fördre ich Euern Zweck. Ester wird glücklich, Euer Herz versteinert nicht unter dem Scapulier, und ein blühend Geschlecht wird Euren Freisinn, Euren Mut segnen und verehren."
"Und rechnet Ihr für Nichts die Verwünschungen eines glaubenseifrigen, betrognen Vaters, mit welchen belastet Ester fliehen würde? für Nichts den Fluch des Meinigen? Das Urteil der Welt, den Bann der Kirche, unser eigenes streng richtendes