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haben, und was des tollen Zeugs mehr ist. Ich spielte jedoch den Klugen, schwieg fein und säuberlich, und leugnete wie ein Heide. Zum Glück hatte ich vor der abscheulichen Verhaftung den wilden Jäger in Eure Obhut gebracht, und konnte mich herzhaft auf den langen Christoph berufen. Das drang denn endlich allgemach durch; ich bekannte mich selbst nicht schuldig, leugnete daher auch alle Mitschuldigen, und heute bin ich denn auf Befehl des Kaisers, der den heutigen Tag als einen grossen zu feiern gedenkt, nebst einer Menge von Leuten, die entweder einem Fastnachtsstreich oder einem minniglichen Abenteuer oder auch einem harten Gläubiger ihre Haft verdankten, in Freiheit gesetzt worden. Mein gutes Glück liess mich alsobald auf Euch stossen, von dem ich wenigstens als billige Entschädigung einen Imbis erwarte, wie er lange meinen Gaumen nicht gekitzelt." – "Was meint Ihr zu gefalznen Hechten mit Peterlein, und einem Römer Weins aus der Marggrafschaft?" "Sollst haben, was Dein Herz begehrt," versicherte ihm der Jüngling freundlich: "Du bist der bravste Edelknecht in deutschen Landen, wie der verschwiegenste. Freilich trug auch die magre Kost im Gewahrsam viel zu dieser letzteren Tugend bei; indessen." ... – "Indessen ist's doch immer lobenswert;" unterbrach ihn Gerhard fast grob: "Wie viele Leute gibt's, die selbst beim Wasserkrug das Maul nicht halten können? Wunderbarer ist's, dass der alte Schneider Velsner, der die Larven hergeliehen, meine Verschwiegenheit teilte." – "Das ging sehr natürlich zu, mein guter Altgeselle;" erwiderte Dagobert halb scherzend, halb ernst: "der Tod tanzte mit ihm den Kehraus in der Dienstagsnacht." – "Das haben sie beide brav gemacht;" sprach Gerhard, andächtig ein Kreuz schlagend: "der weisse Tänzer, dass er kam, und der graue Schneider, dass er sich nicht sperrte, wie eine blöde Dirne. Ich wünsche dem wackern Meister die beste Kundschaft dort oben, obgleich ich ihn wieder bedauern muss, dass er gerade in Aschermittwochs Hungertuch gefallen ist." – "Ei du armer Schelm!" lächelte Dagobert: "siehst Du doch selbst aus, als ob Du dem Hungertuche gerade entschlüpft wärest. Zum Glück stehen wir, just vor der Herberge. Komm herein; lass Dir's schmecken; aus Dankbarkeit will ich Dein Küchenmeister und Mundschenk sein. He da! Wirt und Wirtin herbei! Ihr Mägde und Kellerbuben spitzt das Ohr, denn der wackerste Kämpfer am Rheinstrome will tafeln, wie sich's gebührt, und Eure sparsame Fastenküche es erlaubt." – Gerhard nahm mit wichtiger Feierlichleit an dem Tische Platz, und Leuchter, Wein und Becher standen flugs vor ihm aufgepflanzt. – Dagobert machte sich ein fest daraus, dem ausgehungerten Schlemmer selbst den würzigen Trunk von Badens Rebhügeln zu kredenzen. – Die Wirtin schleppte Teller und Pfannen herbei. – "So, mein alter Kämpe;" scherzte Dagobert, während er ihm das Tellertuch um den Hals befestigte: "da sitzest Du wie der Kaiser am Krönungsbankett. Dein Bart könnte zwar saubrer geschoren, Dein Wamms reinlicher sein, allein Dein guter Wille, der sich in der Art und Weise offenbart, wie Du nach dem Essgeräte langst, hilft allen übrigen Mängeln ab. Du wirst zwar den gewünschten Hecht vermissen, aber dieser nerrige Stockfisch mit Öl und süssen Rosinen ist auch nicht zu verachten, und solltest Du es für nötig erachten, Deinen Durst erst zu reizen, so versehen jene gerösteten Picklinge, gewürzt vom scharfen Leipziger Senf, vollkommen den Dienst. So, mein Junge. Frisch in's Handgemenge! ich will Dich kräftig unterstützen." – Gerhard nahm sich des Verfechteramts eifrig an, und arbeitete bald mit vollen Backen, bald mit dem klingenden Messer, bald mit dem schäumenden Becher, auf dessen grund er dreimal ein Goldstück mit dem Gepräge des Freistaats Benegia fand. Dankbar drückte er dem Geber und Gastfreund die Hand und sprach: Solchen Bodensatz im Wein zu finden, lasse ich mir gefallen. Zu viel aber ist's der Freigebigkeit, da ich weiss, dass durch Eure Zwistigkeit mit dem wälschen oheim Euer Geldseckel in Abnahme geraten ist. – "Der Herzog Friedrich hat mir erlaubt, dann und wann aus seinem Beutel zu schöpfen, wenn ichs bedarf;" antwortete Dagobert: "Bei seiner milden Hand magst Du Dich demnach für diess Geschenk bedanken." –

"Ei, vor dem Herzog alle erdenkliche Ehrfurcht!" sprach Gerhard mit einem Sonnenblicke der Behaglichkeit: "Es gab zwar eine Zeit, wo wir Beide nicht auf dem besten fuss zusammen standen, allein diese Zeit ist nicht mehr. Was konnte ich in der Tat auch dafür, dass der wackre Herr damals in ein Reiterwamms zu kriechen beliebt hatte? Am Kragen kennt man den Mann, lautet ein wahres und liebes Sprichwort. Wenn unser Vater Adam nicht die Kleider erfunden hätte, wären die vornehmen Herren übel daran, und nebenbei auch die gemeinen Leute, die am Ende nicht wissen würden, ob sie einem Andern oder sich selbst den Reverenz zu machen haben. Dem sei nun indessen, wie ihm wolle; ich bin mit dem Herzog versöhnt, und empfange um so lieber die Goldpfenninge, die mir aus seinem Schatze durch Eure Freigebigkeit zufliessen."

"Versöhnt?" lachte Dagobert: "Altes Sieb, wie kömmst Du mit dem Habsburger zusammen, der Dich, – gerade heraus gesagtungefähr so leiden