Frevel; nicht länger will ich vor den Drohungen eines Weibes, zittern, das ich verabscheue. Zu Deinem Wächter wurde ich bestellt, nicht zu Deinem Mordknechte. Das will der Kaiser nicht, der getäuschte Kaiser, der nicht ahnt, was Deine glänzende Hülle birgt. Aber, er wird meine stimme hören; zu seinen Füssen will ich Alles bekennen; er wird verzeihen, mir die Ritterhand reichen!" – "Verzeihen? retten?" lachte Wallrade tückisch: "Tor! vergesst Ihr, dass Sigmund zu meinen Füssen liegt; dass er seine Pflichten hintansetzt, um mir hier in stiller Abgeschiedenheit seine Huldigung darzubringen? Ein Wort nur kostet's mir, und Ihr steht auf dem Rabensteine, .. Katarine wandert zum Spittel, und Eure Kinder – hört Ihr? – Eure Kinder, Blödsinniger, sind schmachbedeckte Bettler!" – Mit einem laut aufzuckender Verzweiflung taumelte Bilger zur tür, die jedoch im selben Augenblick von einem rasch Daherstürmenden aufgerissen wurde. Der Graf von Montfort stand vor den Staunenden. "Ich will doch sehen," sprach er in ungestümer Jast: "ich will doch sehen, ob eine tür hier im schloss dem Geschlechte Montfort verboten sein kann, das in Habsburg's Vesten frei aus- und eingeht. Ihr habt unhöfliche Wächter zu Euren Toren bestellt, Herr von der Rhön. Die Bursche wagten es, einem mann von meinem Ansehen den Einritt streitig zu machen, obwohlen mich Ehre und Minne hieher berufen." – "Sie taten nach meinem Gebot;" erwiderte Rudolph, der in dem Trotz des Fremdlings seine Fassung wieder gefunden hatte. – "Desto schlimmer!" brauste der Graf auf: "Ich werde, sobald ich diese Dame hier gesprochen, auch mit Euch ein Wort reden, wie es waffenfähigen Mannen zukömmt. Bis dahin verlasst uns!" – Bilger gab nichts auf die wegweisende Geberde, und versetzte kalt und bestimmt: "Ich bin der Hüter dieser Edelfrau; befugt, zudringliche Gäste von ihr abzuhalten. Ihr seid ein solcher, und sie fürchtet von Euch Gefahr. Darum geht in Gutem, ehe ich vergesse, welches Wappen Ihr führt." – "Montfort's Heerschild war seinen Gegnern immer schrecklich;" antwortete der Graf mit blitzendem Auge: "ich muss mich wundern, in Euch einen hartnäckigen Feind zu treffen, da Euch Niemand aufgefordert, mir die Spitze zu bieten. Das fräulein von Baldergrün ist von keinem mann abhängig, und als die Freundin Eures Ehgemahls nicht Eure Magd geworden. Ihr Wunsch berief mich hieher; ich begreife desshalb nicht, wie Ihr es wagen mögt, zwischen mich und meine Braut zu treten." – "Eure Braut?" lachte Bilger bitter: "Gleichviel; ich muss Euch bitten, ausser diesem schloss den Freiwerber zu machen; so lange fräulein Wallrade in dem haus wohnt, das ich bewache, treibe ich die Überlästigen von meiner Schwelle." – Ein blick, zermalmend wie der Blitz, flammte aus Montfort's Auge über den kühnen Wächter, und zornschnaubend wendete sich der Graf zu Wallraden. "So sprecht doch Ihr, fräulein;" stammelte er: "sprecht doch selbst. Duldet es nicht, dass Euer Bräutigam, ein Werdenberg, von einem Dienstmanne beleidigt werde, wie man einem unverschämten Possenreisser zu tun pflegt. Redet: bin ich nicht hier mit Eurer Genehmigung, in Folge Eures Begehrs?" – Unverwandten Blicks betrachteten die beiden Männer Wallraden, die, gleich einer verschämten Braut, die Augen niederschlug, und endlich zögernd begann: "Was uns bindet, was uns verknüpft, edler Montfort – gehört es wohl vor den Richterstuhl des harten Mannes, der ohne meine Zustimmung den Meister über mich zu spielen wagt? Der Gewalt des Augenblicks untertan, darf ich nicht reden, wie mein Herz es verlangt. Wenn Freiheit wieder mir geworden – nur dann fragt mich wieder." – "Bei des Erlösers Geburt!" antwortete Montfort, den Kopf schüttelnd: "Eure Reden sind mir dunkel wie die sybillinischen Bücher. Das Eine nur ersieht mein Verstand daraus, dass Ihr weniger ein Gast in dieser Burg seid, denn eine Gefangene, und wenn ich mir alles zusammenreime ...... so steckt Lüzelburgsche List hier unter der Decke. Darum sollt' ich gegen Frankfurt reiten? Höll' und Teufel! weiche aus dem Gemache, königlicher Kuppelknecht!"
Die schwere Beleidigung entrüstete den Wildmeister dermassen, dass er wütend nach der Klinge fasste, aber eine rasche Geberde Wallradens, die ihm über die Schulter des vertretenden Grafen ein Zeichen gab, denselben nicht zu schonen, bändigte das Gefühl gereizter Ehre, um nur der unbegränztesten Verachtung Raum zu lassen. Bilger hielt den Arm des streitlustigen Montfort auf, und sprach zu dem Staunenden: "Lasst die Waffen ruhen, Herr Graf, und scheltet mich nicht feige, ob solcher Aufforderung. Schön ist's, für die Ehre einer tugendhaften Frau das Leben auf das Spiel zu setzen; aber allzukostbar ist das Blut zweier Biedermänner, wenn es dem Verrat zum Opfer fliessen soll!" – "Was bedeuten diese Worte?" fuhr der Graf auf: "Hinter Euch lauscht der Verrat, der mich verderben soll, und meines einst'gegen Weibes Ehre." – "Wünscht Euch das Ungeheuer nicht zum weib!" brach Bilger los von Wallradens Trotz empört: "Nicht ich legte Euch Schlingen; – die Grässliche hat selbst Euch verlockt, und mich zu einem Henkerdienste