im Rosengarten sich zutranken. Die rotwangige Tochter des Hauses kredenzte den feurigen Wein, und entzückte durch ihre Liebenswürdigkeit den jungen Mann dergestalt, dass er den Arm um ihren schlanken Leib legte, und sich teuer vermass, er wolle ihrer selbst im Getümmel der Feste zu Costnitz eingedenk sein.
"Ei, seht doch!" schäckerte die erfahrne Dirne: "Der Junker will wohl gar noch läugnen, dass er in Frankfurt eine schöne Amrie zurückgelassen, dass vielleicht in Costnitz eine zweite seiner harrt."
Der Junker fuhr sich unmutig über die Stirne. "Was schwatzest Du da für Zeug, tolles Mädel!" rief er: "Man muss Deine Schönheit schätzen, wie ich, um Dir Deine Unverschämteit so hingehen zu lassen!"
"Nur nicht böse, lieber Herr!" bat Dorotea: "Es ziemt mir freilich nicht, also mit ritterlichen Leuten zu scherzen, allein dem willkommnen Mund verzeiht man öfters eine unwillkommne Rede." – Sie bot dem Jüngling die frischen Lippen zum Kuss, der auch nicht verweigert wurde. – "Ihr dürft Euch übrigens," fuhr sie fort, "im Ernste darauf gefasst machen, Euer Herz in Costnitz zu verlieren, wäre es auch ganz allein an die schöne Fremde, die gestern einen Augenblick hier still hielt auf ihrer Reise nach Costnitz, und trotz der stark einbrechenden Nacht alsobald weiter fuhr. Sie darf Euch dort begegnen, und Ihr seid unwiederbringlich verloren."
"Eine schöne Fremde?" fragte der Jüngling begierig. "Jungfrau oder ..."
"Ein fräulein ist sie wohl nicht, denke ich;" erwiderte das schlau lächelnde Mädchen: "aber eine Wittib ganz gewiss, eine junge schöne Wittib, der das schwarze Trauergewand unvergleichlich zu den dunkeln Augen steht."
"Eine Frau in Trauer?" fragte Gerhard begierig: "die nur einen Augenblick halten liess?"
"Ja; sie liess sich nur einen Trunk Weins belieben, und fuhr schnell von dannen. Ein Fuhrknecht und eine junge Gürtelmagd waren ihre ganze Begleitung."
"Sie ist's! ohne Zweifel!" schrie Gerhard. "Der Zufall hilft uns auf die Sprünge!"
Dorotea staunte. "Auf welche?" fragte der junge Mann; und gab dem vorlauten Fechtbruder einen derben Rippenstoss, als dieser von dem gefundenen und verkauften Knaben anheben wollte. Gerhard schwieg bestürzt, und folgte ohne Widerrede dem Junkherr, denn, – nachdem er in Kürze von Dorotea erfragt, dass die trauernde Fremde in der Tat den Weg gegen Costnitz genommen, und vermutlich eine jener fahrenden Frauen sei, die des Gewinns halber die Kirchenversammlung mitzufeiern gedachten, – rasch zu Gaule stieg, und nebst seinem Begleiter Worms bald im rücken hatte.
"Sage mir aber ums Himmelswillen," begann der Jüngling nach einer Weile unmutig, "sage mir, ob Du rein des Satans bist, Du küpfriges Gefäss? Erst verhandelst Du eine unmündige Seele an den Moloch, und hinterher willst Du durch Dein abgeschmacktes Gerede uns in den Mund der plauderhaften Dirne, vielleicht auf den Scheiterhaufen bringen?"
"Nun, nun," fiel Gerhard begütigend ein: "Nur nicht böse; meine Offenherzigkeit ist allzugross, und wenn die Frau wirklich die Frau wäre ..."
"Schweig!" brummte der junge Mann: "Du wärst noch im stand, der Nächstbesten auf den Kopf zuzusagen, dass sie ihr Kind ausgesetzt; bloss weil sie ein schwarzes Kleid trägt. Ich sollte mich billig aufs Neue gegen Dich erzürnen, Du Seelenverkäufer."
"Lasst's sein," meinte Gerhard. "Es kommt bei dem Zanke nichts heraus, als viel Geschwätz, viel Galle, und am Ende Blut, wenn die Galle überläuft. Der heilige Martin wird die Sünde von mir nehmen, und damit genug. Lasst uns lieber von Eurem Herzlieb reden, das Ihr in Frankfurt zurückgelassen; denn ohne Grund wurdet Ihr nicht rot, da das Kellerdirnel Euch auf das Kapitel brachte."
"Pah! Schnurren und Flausen!" lachte der Jüngling. "Jede Dirne träumt nur von Minne, und jeder gewäschige Hagestolz von unziemlicher Buhlschaft. Ich antworte Dir darauf Nichts, als dass ich zum Dienst des Herrn bestimmt bin, und also an kein Lieb zu denken habe."
Gerhard hielt plötzlich seinen Gaul an, stemmte beide arme in die Seiten, und brach in ein unmenschliches Gelächter aus. "Ho ho!" stammelte er unter demselben, und wischte sich die Lachzähren aus den Augen: "Erlaubt mir, dass ich lachend sterbe bei dem Gedanken, Euch dereinst im Chorrock mit geschorner Platte zu erblicken."
"Stirb zu, alter Pickelhäring!" entgegnete ihm der Begleiter lustig: "Jetzt hast Du die beste Zeit dazu, denn ich erteile Dir die Absolution in aller Form, und einen so nachgiebigen Beichtvater findest Du gewiss in Deinem ganzen Leben nicht mehr. – Was meinst Du aber mit Deinem Narrengelächter eigentlich. Denkst Du, ich würde mich schlecht ausnehmen im Messgewand oder gar, wenn das Glück will, in der Inful?"
"Bewahre!" versetzte der Hülshofen: "Ick bedaure vielmehr alle Dirnen und Frauen, die das Unglück haben, den Ort zu bewohnen, wo Ihr Chor singt, oder den Hirtenstab regiert. Es macht mir indessen Spass, Euch mir im Pfaffengewand zu denken, da Ihr doch augenfällig in den Panzer gehört, – mit dem Rauchfass bewaffnet, da Ihr doch den Flamberg führen solltet von