Herr von der Rhön. Ich konnte mir jedoch die Lust nicht versagen, Euch in Eurem haus heimzusuchen. Meine Ankunft kam Euch überraschend, fürchte ich." – "Ich läugne es nicht;" antwortete Bilger mit Ruhe: "welches indessen auch der Beweggrund sei; lasst mich ihn vernehmen." – "Ich stelle Euren Scharfsinn auf die probe;" fuhr Wallrade nach einer kleinen Überlegung fort: "Erratet, was mich zu Euch führt." – "Dürfte ich," sprach Bilger gemessen: "dürfte ich Euerm mund glauben, was er gestern Abend sprach zu mir, zu Katarinen und dem kind, so möchte ich fast hoffen, dass Friede in Euerm Gefolge kommt. War jene Freundlichkeit nur Larve, so fürchte ich um so mehr für meine Ruhe." – "Das böse Gewissen pocht wieder an die Pforte;" entgegnete schlau lächelnd das fräulein: "ich bin indessen nicht so böse, als Ihr glaubt, Bilger. Ich komme, Euch gelegenheit zu geben Eurer Sünden quitt zu werden, mit einemmale. Es gilt die Erfüllung eines geringen Wunsches, und ich verspreche Euch," – sie begleitete diese Verheissung mit einem verächtlich niedergleitenden Blicke – "mich ferner weder um Euch zu bekümmern, noch um diejenige, die Ihr Euer Weib nennt." – "O sprecht, .. was ist's?" fiel der von der Rhön lebhaft ein: "Sprecht, wodurch werde ich Eurer Verachtung würdig? womit erkaufe ich das Glück, mich von Euch vergessen zu sehen?" – "Es gab eine Zeit," versetzte Wallrade beissend: "wo alle Schätze der Welt Euch nicht über meine Gleichgültigkeit hätten trösten können. Die Jahre wechseln jedoch: mit ihnen des Menschen Sinnesart. Wohlfeiler kauft Ihr übrigens keine Lust auf Erden, als meine Verachtung, wenn Euer Arm noch nicht verlernte, das Schwert zu führen, oder Euch noch ein Keller zu Gebote steht, in dem sich's allenfalls sterben lässt, ohne von der neugierigen Mitwelt zu grab geleitet zu werden." – "Eure Worte sind mir eben so viele Rätsel," erwiderte Bilger: "spannt meine Erwartung länger nicht auf die Folter. Hat jemals Mitleid Eure Brust bewegt, – o so versetzt Euch in meine Lage. Ein der Hölle Verfallner dürstet nach der Möglichkeit, wieder den Frieden zu gewinnen. Sprecht, ... wie erringt er das verlorne Kleinod?" – "Euer häuslich Glück hat Euch zum kind gemacht;" spöttelte Wallrade. "Indessen, ohne lange zu grübeln oder zu zögern, vernehmt, was ich von Euch begehre. Ein Mann wird sich heute oder morgen an den Toren dieses Schlosses zeigen, und den Zutritt zu mir begehren; er wird sich auf eine Aufforderung von meiner Hand stützen. Ein kühner blick, ein braunes Antlitz und eine hohe Schulter zeichnen ihn aus. Mit einem Worte: der Graf von Montfort ist's, den ich zu fürchten Grund habe. Der Eitle warb um meine Gunst, bildete sich ein, in deren Sonnenhöhe zu stehen, und hat mir entsetzliche Rache geschworen, da er seinen Irrtum einsah. Ich, ein schwaches unverteidigt Weib, müsste früh oder spät seiner Unversöhnlichkeit zum Opfer fallen; darum hab ich's vorgezogen, den Eisenkopf durch List in eine Schlinge zu ziehen, der er nicht entrinnen soll, sobald Ihr mir die Hand reicht. Der Kaiser hat mich Euch vertraut; ich weiss es, denn ich halte die Fäden des Gewebes. Verseht Euer Amt; der zudringliche Frauenschreck finde an Euerm Schwerte seinen letzten Augenblick, oder verkümmre auf ewig in Euerm Verliesse. So nur sättigt sich mein beleidigt Ehrgefühl, so nur beruhigt sich mein Herz." – Bilger schwieg betroffen eine lange Weile; darauf wandte er sein kummertrübes Auge zu Wallraden, und sprach: "Ist es denn nicht genug, Wallrade, dass Deine grausame Arglist gerade m e i n Haus ausgesucht zum Schauplatze Deiner trügerischen Ränke? Gerade m e i n e Obhut angesprochen zum Schutze gegen betrogne Freier, zum Deckmantel eines unwürdigen Verhältnisses, das eine Königskrone selbst nicht zu adeln vermag? Muss denn auch meine Hand es sein, die Du aufforderst in unritterlichem Tun?" – "Und wessen Hand sonst?" fragte Wallrade kurz und herrisch: "Ist sie nicht m e i n ? Ich dinge keine Mietlingsfaust, so lange ich einer Leibeigenen zu befehlen habe. Auf Euch kommt's an, ob Ihr meinem Recht im Stillen huldigen wollt durch Gehorsam, oder ob ich mein Eigentum vor dem Reiche zurückzufordern habe." – "Welch einen Preiss verlangt Ihr, Unbarmherzige!" wendete Bilger seufzend ein: "Um ein Vergehen zu sühnen, soll ich ein doppelter Verbrecher werden!" – "Wählt!" rief Wallrade streng: "Der, der mir Rache schwur, darf nicht mehr atmen unter den Lebendigen. Schafft ihn hinweg, und Vergessenheit des Vergangnen, die Ruhe Eurer Zukunft sei Euer Lohn. Weigert Euch hingegen, und a u s sei das Gaukelspiel. Ich werde reden, wo Ihr verstummt, und aus meinem mund sprudle ich Schande auf Euer zerbrochnes Wappenschild, Schande und Tod auf Euer Haupt, Zeter und Schmach auf Alle, die Euch angehören." – "Halt ein! giftgeschwollner Wurm, der meines Lebens Blüte zernagte!" unterbrach Bilger ungestüm die Zürnende: "Die tiefste Erniedrigung hat eine Gränze. Zehnfach schon büsste ich für den mir abgedrungnen