, bald mit verschränkten Armen wehmütig und kummervoll vor sich hinsah. Die kurze Viertelstunde, binnen welcher sein Weib abwesend war, dünkte ihm eine Ewigkeit, und mit einer besonderen Ängstlichkeit, schlecht verhehlt, um desto auffallender jedoch, suchte er in den Augen der Zurückkehrenden zu lesen. Katarine konnte nicht Ausdrücke genug finden, um die sanfte Herablassung und Bescheidenheit des Fräuleins zu beloben, und machte schliesslich dem Gatten kund, dass die Fremde ihn morgen auf ihrem Gemache erwarten werde, um ihm einen Auftrag von hoher Wichtigkeit anzuvertrauen. Flammen schlugen nun aus dem bisher bleichen gesicht des Herrn von der Rhön, und Katarinens Unbefangenheit konnte nicht umhin, diesen schnellen Farbenwechsel zu bemerken. – "Was ist Dir, guter Rudolf?" fragte sie besorgt: "bist Du krank? Dein Antlitz ist bald Glut, bald Asche. Du fieberst. Rede doch; – reisse mich aus meiner Angst." – Der Wildmeister lächelte verlegen, und versuchte es, ihrer Besorgniss zu spotten. "Ei, lieb Weib, wo denkst Du hin?" erwiderte er, so gefasst als möglich: "Mir ist wohl, trotz Einem, und Du wirst mir's glauben, wenn ich Dir sage, dass ich jetzt noch nach den Fallen sehen will, die ich im Zwinger stellte. Ich vernahm vorhin einen laut, wie das Gebelle eines Fuchses. Gewiss hat der Feind unsers Hühnerstalles, dem ich so lange nachgestellt, die Schnauze oder eine Klaue in der Falle gelassen. Geh indessen zu Bette; ich komme bald zurück." – Katarine wollte ihn von diesem späten Rundgange abwendig machen, allein er blieb unbeugsam bei seinem Vorhaben. Ihm ward leichter, da er in der freien Luft stand, und der Nachtfrost kühlte wie ein weicher Balsam seine glühenden Pulse. Er löschte die Leuchte, die des Mondes Schein entbehrlich machte, und wandelte in dem Mauerschatten des schmalen Zwingers nachdenkend und überlegend dahin, bis ihn endlich im Dahinlaufen auch die Bewegung verliess, und er sich unwillkürlich fest in die dunkle Ecke schmiegte, welche das vorspringende Marienbild am Brunnen bildete. Während er nun sich in unbeweglicher Fühllosigkeit seinen trüben Gedanken überliess, hörte er jenseits des Verhau's am Graben einen leisen Werdaruf, und das Gesumme zweier Männerstimmen, das im Anfang unverständlich, dem aufmerksamen Zuhörer in der stillen Nacht bald vernehmlich wurde. "Ei so rede, Bertram," sprach die eine stimme: "überall verschlossen, sagst Du?" – "Wie ein Kloster;" erwiderte der andre Mann: "Der grimmige Torhüter berichtete mir, dass in der Nacht niemals ein Pförtchen geöffnet werde." – "Sie ist aber doch im schloss?" fragte der Erste weiter. "Ohne Zweifel," antwortete der Zweite: "man hat sie ja in der Dämmerung einreiten gesehen. Der Wildmeister hatte sie eingeholt." – "Teufel! wenn ich genarrt wäre!" brummte der Erste: "Ihr Brieflein lautet so honigsüss, aber auch Gift kann man mit Honig würzen." – "Ja wohl, Herr Graf;" meinte der Andre: "'s wäre nicht die Erste, die einen biedern Rittersmann Meilenweit am Faden gezogen hat." – "Wenn das wäre, – wehe ihr!" sprach der Herr mit entschlossnem Tone: "Morgen wird sich's finden. Bleibt mir auch noch dann der Zugang zu ihr versperrt, so weiss ich, was davon zu halten sei, und kann das Schwert wetzen nach Lust und Rache. Ha; wäre der Kaiser nicht zurückgeritten nach der Stadt, ich würde glauben, das Weib lasse sich gefallen, mit uns den Fasching zu verlängern, aber der Himmel verdamme mich, wenn ich ......" Die Worte verklangen; weil der Sprechende sich vom Graben entfernte, und auch die Fusstritte der beiden Nachtwandrer verhallten bald in den nächsten Gassen. Der Wildmeister machte sich aus seinem Versteck hervor, und schlich nach seinem Wohngebäude. Bitter lächelnd schüttelte er den Kopf, schlug er die arme übereinander. "Vor einem solchen weib muss ich schweigen?" seufzte er: "Sie, die mit Jedem ihr Spiel treibt, wie ich ververmute, – sie muss ich scheuen! Hartes Verhängniss, das mich in Fesseln schlug, die nur der Tod zu lösen vermag! Rette nur Weib und Kind von Gefahr. Nur sie verschone!"
Wohl streckte er sich auf das weiche Lager, wohl schloss er die Augen zum Schlummer, aber das Bette wurde ihm zur Dornenhecke; ein qualvolles Wachen, nur dann und wann in Fieberträume ausartend, machte ihm die Nacht zu einer Ewigkeit von Pein. Und dennoch bangte ihm, da der Morgen graute, vor dem Tage. Zögernd entwich er seiner Lagerstätte, und ängstlich zählte er die Stunden, bis endlich diejenige herankam, die ihn zu seinem gast beschied. Erst nach wiederholter Aufforderung von Seiten seiner Gattin trat er den sauren Weg an, und klopfte mit zagendem Finger an die tür von Wallradens Gemach. Das fräulein sass mit weiblicher Arbeit beschäftigt unfern von dem Ofen des weitläufigen Zimmers, und nickte kaum mit dem haupt auf Bilger's geziemenden Gruss. Der Wildmeister fragte, näher tretend, mit unsichrer stimme nach der Herrin Begehr. Wallrade heftete einen langen blick auf den Schüchternen, einen blick, in dem der Triumph eines entschiednen Übergewichts lag, und sprach, von der Frage abweichend, mit der Freundlichkeit, die den Scorpionstachel führt: "Zuvörderst meine Entschuldigung,