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. Dennoch ist er dem Tyroler zugetan, mehr, denn Ihr es m i r zu sein scheint." – Diese Neuigkeit belebte auf einmal den zwischen Pflicht, Minne und Eifersucht Schwankenden. "Gott erhalte Euch, kaiserlicher Herr!" rief er hochaufatmend: "so der Montfort von Costnitz gewichen, will ich ja gerne für Euch reiten, denn nun weiss ich meine Lieb vor seinen Drohungen sicher. Doch ein Wort des Abschieds mögt Ihr mir wohl gönnen, Herr König!" – Sigmund winkte ihm kurz, aber billigend; und, nachdem er dem Wildmeister den Befehl zugeflüstert, keiner Seele, – ihn, den Kaiser ausgenommenZutritt zu der Fremden zu gestatten, zog er mit seinen Stallmeistern seines weges, ohne auch nur den Kopf nach der Sänfte zu drehen, die indessen in des Wildmeisters und Königseck's Nähe anlangte. Der Letztere öffnete zierlich und geschmeidig die Vorhänge, hinter welchen eine dichtverschleierte Frau sass, – sprach mit glatten Worten von des Kaisers Willen, seinem Gehorsam, und dem Schmerz, den er empfinde, sie nicht gänzlich an Ort und Stelle geleiten zu können. Zugleich stellte er ihr den Herrn von der Rhön vor, als ihren weitern Schirm und Beschützer. "So lebt denn wohl, und nehmt meinen Dank, Herr von Königseck!" erwiderte eine gleichgültige stimme, die dem Wildmeister bekannt und drohend in die Ohren klang: "Ich bin mit meinem neuen Geleitsmann völlig zufrieden, setzte sie hinzu, und aus dem gelüfteten Schleier blickte ein Antlitz, das Bilger's Herz mit starrem Entsetzen erfüllte." Er schwankte auf seinem Rosse, da er in Wallradens Züge schaute. Das fräulein grüsste ihn unbefangen, reichte dem scheidenden Bräutigam die Hand, und verschloss wieder sorgfältig die Vorhänge ihres Tragsessels, da Königseck von dannen sprengte, und der Zug sich gegen Mörsburg weiter bewegte. Bilger war zu Stein geworden, während im innersten Busen sein Herz tobte und hämmerte, wie das eines flüchtigen Verbrechers. Erschüttert ritt er der Sänfte nach, und blickte vergebens zum Himmel nach Trost und Fassung auf. Sein Geschick lag schwer auf ihm, und schwarz war ihm wieder plötzlich die Zukunft geworden, dunkel wie die Nacht und der Nebelschleier des Firmaments, der nur so viel Mondstrahl durchliess, als nötig war, um die fürchterliche Pracht der kämpfenden Wolkengebirge bewundern zu können. "Das ist kein gut Zusammentreffen!" seufzte er vor sich hin: "Was soll daraus werden? O ich Unglücklicher! Ich selbst muss das Unheil in mein Haus führen, ... mein eigenes Verderben an der Flamme meines Herdes niedersitzen lassen! Wehe mir!" –

Des Wildmeisters Hausfrau empfing die Kommenden auf der Schwelle des Schlosses mit gastlicher Freundlichkeit. Wallrade erwiderte ihren Gruss auf dieselbe Weise, und wandelte an Katarinens Hand zu der Wohnstube, woselbst ein einfaches Mahl bereitet war. "Fürwahr;" sprach das fräulein mit zuvorkommender Sanftmut, die den Herrn von der Rhön wohltätig anregte: "Ich weiss nicht, edle Frau, wie ich zu einer genügenden Entschuldigung gelangen soll; dass ich mich so störend in Eure Hauswesen dränge. Wahrscheinlich verdanke ich nur der auserlesensten Fürsprache den biedern Willkomm, der mich in Euerm kleinen Familienkreise schon im Augenblick meines Eintritts heimisch macht. Vergebt daher der Überlästigen." – Bilger's Ehewirtin antwortete auf diese bescheidnen Worte aus der Fülle ihres guten Herzens, und ein gutes Verständniss, wie es öfters zwischen Frauen sich befestigt, – wenn auch nur durch luftgewebte Bandespann sich auch hier an. Die Fremde wusste durch alle kleine Künste, die sich unbemerkt in Gespräch und Tun entfalten, das Vertrauen der Hausfrau zu erringen, und sich über das Gemüt derselben in's Klare zu setzen. Katarine, diess einfach herzlichgute Wesen, schlicht, wie das Kleid, das sie trug, aber auch rein wie dieses, verhüllte nicht lange den Spiegel ihrer Seele, ohne dass sie daran gedacht hätte, einen blick unbescheidner Neugier in die Augen des Gastes zu werfen. Die von dem Kaiser und ihrem Gatten ihr Anvertraute nahm nun die erste Stelle in ihrem Hauswesen ein. Sie war das Ziel aller kleinen Sorgen und Rücksichten geworden. Zart und anspruchslos bot ihr Katarine ihre dienstfertige Freundschaft, empfahl sie ihrer Güte das aus dem Schlummer erwachte Kind. Bilger sah diess Alles mit an, und freute sich der Milde seines gefürchteten Besuchs; aber diese Freude war im grund nur die scheue Hoffnung auf einen bessern Ausgang. So unbefangen und heiter auch seine Züge schienen, wenn der Wohlstand verlangte, dem gast einige Worte der Teilnahme zu schenken, oder auf irgend eine gleichgültige Frage desselben zu antworten, so finster wurde sein Auge, so sturmbewegt sein Herz, wenn er sein Kind in den Armen der Fremden sah; wenn er vernahm mit welchen Schmeicheltönen sie das Mägdlein kirrte, – mit welcher Bereitwilligkeit das Kind ihre Liebkosungen erwiderte. Ihm war, als müsse er dazwischen treten, sein Eigentum an seine Brust drücken, um es vor bösem Zauber zu retten; aber kraftlos sank der aufgerichtete Nacken, und die ausgestreckte Hand, so bald Wallradens Blicke auf ihn fielen, und seine Gattin in ihrer unschuldigen Fröhlichkeit beteuerte, ihre Tochter habe sich ausser den Eltern noch Niemand so liebevoll genähert, als ihrer werten Gastfreundin. – Erst spät trennte man sich. Katarine geleitete das fräulein auf ihr Gemach, und verrichtete den Zofendienst bei ihr, während der Wildmeister im weiten Armsessel bei düstrer Lampe Schimmer einsam und unruhig sich bald hin und her warf