ein Meister ist über alle Ritter deutschen volkes. Ich habe der edlen Frau meine Obhut zugesagt in diesem schloss, das der Bischof vom Reich zu Lehen trägt, und vertraue sie Eurem absonderlichen Schirm, so dass Ihr keinen Menschen in ihre Nähe lasset, der ihr Unheil bringen könnte."
"Das Vertrauen meines kaiserlichen Herrn zu rechtfertigen, wird mein Bestreben sein;" versicherte Bilger von der Rhön. – "Heute noch wird das würdige Frauenbild hier eintreffen," fuhr der Kaiser fort: "Ich verbiete ausdrücklich nach ihrem Namen und Stand zu forschen. Ich habe ohnedies das Missgeschick, meine Huld gegen ehrenwerte Frauen häufig verkannt zu sehen; ich will nicht ihre Namen der Verläumdung Preis geben. Es ist nichts Zarteres, als des Weibes Leumund. Wie gesagt jedoch: Euerm Schirm vertraue ich die Freundin, und empfehle sie der Dienstfertigkeit Eurer Ehewirtin, da sie, wie ich vermute, ihre Leute zu Costnitz lassen wird, bis die böse Conjunktur vorüber." – "Es soll geschehen, wie kaiserl. Majestät befiehlt;" erwiderte Bilger unterwürfig, und der Kaiser wurde durch solche Bereitwilligkeit dergestalt in gute Laune versetzt, dass er den Becher, den ihm Frau Katarine kredenzte, in einem zug auf das Wohlsein des Hauses von der Rhön leerte. – "Traun!" lächelte der Wildmeister: "es ist hohe Zeit. Ich bin der einzige und Letzte meines Stammes, seit mein Vater vor einem Jahre zur Grube fuhr, und mir wird das Wappenbild nachgeworfen, wenn meine gute Hausfrau mich nicht mit einem Sohne erfreut." – "Tröstet Euch mit Kaisern und Königen, denen es dann und wann um nichts besser geht;" versetzte Sigmund: "und freut Euch, in dem Alter zu sein, das eine Hoffnung noch zulässt. Nun aber, lieber Wirt, lasst uns zu Ross steigen, um eurem holden gast entgegenzureiten. Er kann nicht mehr lange säumen." – Der Kaiser umarmte zum Abschiede Frau Katarinen auf das Zierlichste, drückte einen Kuss auf ihre Stirn und Wange, liess die goldne Kette von seinem Halse auf das Bettlein des schlummernden Kindes gleiten, und schied. Der Wildmeister ritt zu seiner Linken, und sie waren noch nicht weit vor das Städtlein hinausgekommen, als schon in der Ferne eine Sänfte sichtbar wurde, von einigen Reisigen geleitet. Der Anführer derselben, – ein buntgekleideter Rittersmann, – stolzirte selbstgenügsam voran. – "In dem Wiedehopfe erkenne ich meinen Mann!" sprach der Kaiser lächelnd zu seinem Begleiter, und winkte den Scheckigen heran, der auch dienstfertig herzusprengte, während die Sänfte zögernd folgte. drei Schritte von dem Kaiser entfernt, warf sich der Reiter vom Gaule, und nahte dem Fürsten mit allen Zeichen betroffner Ehrfurcht. "Sieh da, mein Herr von Königseck!" redete ihn Sigmund, sich verwundert stellend, an: "Unverhofft kommt oft." "Bei des heil. Stephans Krone! Wie kommt es, dass Ihr Euch aus der warmen stube in den Frost wagt? Wer ist die Schönheit, die Ihr in jener festverschlossnen Sänfte zu geleiten scheint?" – "Meine Braut, gnädigster Herr;" versicherte der Geck wohlgefällig: "sie hat den Wunsch geäussert, einige Tage in dem haus des Wildmeisters zu Mörsburg zuzubringen, dessen Gattin ihr sehr nah befreundet ist, und ich hielt's für meine Pflicht, ihr unterwegs meinen Arm zum Schutz zu leihen." – "Ein kräftiger Schirm allerdings;" versetzte Sigmund mit leisem Spott: "um so unangenehmer wird es mir, Euch in der Erfüllung süsser Pflicht zu hemmen. Ich bedarf Eurer; noch in dieser Nacht sende ich Euch von hinnen in einem wichtigen Auftrage, den ich nur Eurer Klugheit anvertrauen darf. Säumt also nicht, sogleich in meinem Gefolge gegen Costnitz umzukehren." – "Der edle Herr stand verblüfft neben seinem Pferde, und wusste nur mit einem Bückling, und einer verlegnen Hinweisung nach der Sänfte zu antworten." – "Die Wohlfahrt Eurer Zukünftigen sei Eure geringste sorge;" versicherte ihm der Kaiser: "der Zufall will, dass der Wildmeister sich gerade hier befindet. Er wird für die Sicherheit der Freundin seines Hauses stehen. Nicht wahr, mein wackrer Herr von der Rhön?" – "Wie für mein eigen Haupt;" entgegnete Bilger, der aus Unterwürfigkeit in eine Sache einging, deren Zusammenhang er nicht begriff. – Königseck verharrte indessen noch immer in Unschlüssigkeit. Die Sänfte kam immer näher. "Nun denn aber auch, beim Erlöser! steigt doch auf!" rief der Kaiser dem Zaudernden heftig zu: "Des Königs Wille geht vor der Minne. Ihr wisst, wie ich Euch begünstige; seid indessen auch meiner Gnade wert. Frisch zu Gaule! Da die Zucht mir nicht erlaubt, die Dame Eurer Wahl auf offner Heerstrasse, in der Dämmerung des Abends, zu begrüssen, so folgt mir unverzüglich. Der Wildmeister wird die seinem Schutz Befohlne begrüssen, und Euch, wegen Eures schnellen Abschieds, mit meinem Gebote entschuldigen." – Der Königsekker neigte sich verlegen, und stieg langsam in die Vügel. "Seht doch den faulen Knecht!" sprach Sigmund, seinen langen Bart streichelnd: "Ich hätte Euch mir nicht so saumselig gedacht. Da war der Montfort flinker, da ich ihm heute befehlen liess, in meinen Geschäften nach Frankfurt zu reiten. Kaum nahm er sich die Zeit, noch eine Messe zu hören, und fort war er, wie ein Irrlicht