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hast, und ihm zur Fastnacht ein wohlgemeint Geschenk zu bringen." – "So! so!" erwiderte der Pförtner, sich bedächtig im Kreise umschauend, und das Käpplein lüftend: "Der Ketzer verdient's gar nicht, dass wackre Leute ihn heimsuchen. Et pro rege et pro papa ...." – "Macht voran!" drängte Einer von den Andern: "Den Lohn habt Ihr empfangen. – An der tür des Gewölbs könnt Ihr unsrer harren; in einer halben Viertelstunde ist's abgetan, und Ihr habt das Geld verdientwir unser Gelübde gelöst. Zaudert nicht. Es ist keine Gefahr dabei. Eure Vorgesetzten ...." – "Bibunt vinum sine aqua!" tremulirte Dominikus dazwischen, und griff nach der Lampe: "Ihr habt jedoch den besten Augenblick erwählt ..." stammelte er fortfahrend: "Der Prior und die meisten Herren sind draussen in der Stadt, und die Übrigenhm! sie sitzen oben am Spiel und Trunk, und haben mehr zu tun, als sich um den verdammten Ketzer zu bekümmern, dem Ihr eine unverdiente Ehre erweisen wollt." – "Lasst uns aufbrechen!" mahnte Dagobert inständig, schob dem Pförtner das gewaltige Schlüsselgebund in die fehltappende schwammige Faust, und ihn selbst vor sich her zur tür. "Et pro papa et pro rege!" intonirte der Mensch mit einer Löwenstimme, da sie in den Kreuzgang traten. "Um des Himmelswillen! schweigt!" flüsterten ihm die Nachschleichenden unter ängstlichen Rippenstössen zu; er liess sich jedoch nicht irre machen, schlurfte in seinem Elephantenschritte fort, und von seinem: Bibunt omnes sine lege! hallte das Gewölbe wieder. Alles blieb auf dieses, wahrscheinlich zu dieser Zeit gar nicht ungewohnte Geplärre ruhig; nur im fernen Refektorium war ein wüstes Gejohle hörbar; ein Beweis, welchen Geschäften der Convent oblag, und eine gute Vorbedeutung für die drei Fremdlinge, deren Vordermann sie eine lange Treppe, von mehreren Pforten verschlossen, hinunterführte, an deren Ende seitwärts eine ganz niedere mit Eisen schwer beschlagene tür öffnete, und die Besucher hindurch kriechen hiess. "Bibunt primum et secundo" summte er während dessen, und rief dann in das tiefgewölbte Kerkerloch hinein: "Steht auf von Euerm Stroh, verruchter Abtrünnigerdonec nihil sit in fundound Ihr, meine Herren, fasst Euch kurz." – Dagobert schauderte, da er beim Schein der Lampe das entsetzliche gefängnis gewahrte, in welchem ein Unglücklicher mit langem Barte und in dürftiger Kleidung einem rechtlosen Urteil entgegen schmachtete. "Vater Johann! Vater Johann!" riefen des Jünglings Begleiter mit von Tränen halb erstickter stimme, und warfen sich zu den Füssen des Eingekerkerten. Dieser erhob sich mühsam in seinen Fesseln von dem nassen Lager, und hielt die hände vor die, von ungewohntem Lichtstrahl geblendeten Augen, aber sein Ohr hatte die bekannten Stimmen vernommen, und sein Herz mit einer, diesem Schreckensorte fremden, freudigen Rührung erfüllt. "Ist das nicht Graf Chlum?" fragte er bewegt; "ist das nicht der edle Herr von Lanzenbrock? Ach, ihr meine unglücklichen Freunde ... was führt Euch in meinen Kerker?" – Lange konnten die zu seinen Füssen Schluchzenden nicht Worte finden, und Dagobert lauschte besorgt nach dem vor der Tür gebliebnen Frater. Von demselben war jedoch keine Unterbrechung zu befürchten. Neben der auf die Schwelle gestellten Lampe sitzend, hatte er sich mit der Zählung seines leicht erworbnen Geldes beschäftigt, und war dabei eingeschlafen. "Eilt, eilt, edle Herren;" raunte der junge Altbürger den böhmischen Edelleuten zu: "der Augenblick ist sicher, aber kostbar!" – "Vater Huss!" begann der Graf dringend: "Dich zu befreien sind wir hier! Eile, nur zu willfahren. Hülle Dich in dieses, mein Gewand. Es ist weit genug, Dich und Deine Ketten zu verbergen. Diesen jungen Mann, der unter der Larve der Torheit den männlichsten Willen und den glühendsten Eifer für das Recht verbirgt, der schon einmal eine Dir zugefügte Beleidigung edelmütig rächte, haben wir ersehen, Dich aus der Stadt zu bringen. Er kennt alle Schliche, und die Wege rund um im Land; er und Lanzenbrock schaffen Dich über'n See in's Schweizerland, von wannen sichre Freunde Dich nach der Heimat führen werden. – Fliehe, fliehe, es drängt die Zeit." –

"Träume ich denn?" fragte Huss, bestürzt um sich schauend. "Steht es denn so schlimm mit mir, dass solche Flucht notwendig wäre?" – "Fürchte Alles!" entgegnete Lanzenbrock: "Deinem haupt droht die höchste Gefahr." – "Und ich sollte nicht der Gefahr gedenken, in welche sich der an meiner Statt zurückbleibende Freund stürzen wird?" fuhr Huss mit ernstem Vorwurf fort. – "Mein Schicksal kümmre Dich nicht!" unterbrach ihn der Graf: "Von Dir hängt die Freiheit unsrer Kirche, unsers Glaubens ab. Tausende meiner Landsleute können fechten wie ich; wie Du zu reden, vermag Keiner ausser Dir."

"kommt, kommt, würdiger Herr;" setzte Dagobert bei: "wir meinen's redlich, und das Glück für heute nicht minder. Morgen ist's zu spät." – "Wer sagt Euch," sprach der Gefangene mit erhabner Sanftmut: "wer sagt Euch, dass ich morgen anders gesinnt sein könnte, denn heute?