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Trenne schnell und sicher jetzt die Schellen von meinem Gewand und meiner Kappe." – "Eine seltsame Grille!" versetzte der Hülshofen "eine wunderliche Aufgabe, hier den Schneider zu machen, wo es Pechrabenschwarz um uns her ist. Schreibt Euch's selbst zu, wenn ich nicht bloss die Naht treffe." – "Tut nichts; nur zu. Ich gebe indessen das Zeichen." – Während Gerhard mit unbarmherziger Hand die Schellen abschnitt, und mit jeder derselben ein erkleckliches Stück des Gewandes wegnahm, schnalzte Dagobert viermal mit der Zunge, als ob eine Wachtel anschlüge aus grünem feld. Nicht lange war das Zeichen vorüber als auch schon zwei Männer sich näherten, in schleppenden Röcken. Gerhard, stutzig gemacht, wollte ihnen ein derbes: "Wer geht da?" entgegendonnern, aber Dagobert hielt ihm den Mund zu. "Willkomm!" sprach der erste Ankömmling in ausländischer Mundart: "Die Mund ist da." – "Wie steht's?" fragte Dagobert. – "Gut;" versetzte der Andre: "der Freund" auf den zweiten zeigend "hat vorgearbeitet. Petrus wird aufmachen." – "Das gebe Gott;" antwortete Dagobert, und ging voraus. An der Ecke warf er seine Narrenglocken in einen Brunnen, und schritt dann schneller vorwärts. – "Ist das der Mensch, von dem Ihr spracht?" fragte ihn leise einer der Fremden, auf den geduldig nachtrabenden Gerhard weisend. "Ja," entgegnete der junge Mann: "er ist's, Herr Graf. Zuverlässig, willenlos, und gänzlich unwissend." – "Gut, gut;" antwortete der Fremde, und hielt sich mit seinem Begleiter dicht auf den Fersen des Führers, der abermals in ein Gässlein einbog, und vor der Pforte und dem Vorsprungshänslein eines Klostergebäudes stille stand. Kein laut war weder in dem Kloster, noch in der Nachbarschaft zu hören. "Halte hier die strengste Wache!" sprach Dagobert zu Gerhard: "Wir haben im haus zu tun. Solltest Du Lärm hören, so decke unsern Rückzug. Schlage das feige Gesindel, mit dem Du zu tun bekommen wirst, nur tapfer hinter die Ohren mit der Klinge. Verletze jedoch nur im allerhöchsten Notfall. – In der Herberge sehen wir uns im schlimmsten Falle wieder." – Gerhard brummte zu diesem Allen ein bereitwilliges Ja, pflanzte sich auf ein steinern Bänklein, unfern dem Kloster, und harrte geduldig der Dinge, die da kommen sollten. Dagobert sammt Begleitern klopften hingegen leise an das Pförtlein, und gaben auf die Frage des von innen herausspähenden Bruders die Antwort: "Fastnachtsfreunde." Darauf öffneten sich die Riegel, und des Türleins schwarzer Mund verschlang die Pochenden. Ein fettleibiger Klosterbruder stand vor den Eintretenden mit Lampe und Schlüsselbund, und grüsste sie, wie der bildlich dargestellte Fasching mit wankenden Knieen, Brühetriefendem mund, und in Weineslust verkehrten Äuglein. "O weh!" flüsterte Dagobert den Begleitern zu, von denen indessen der zweite zuversichtlich auf den Pförtner zutrat, und ihn also anredete: "Ihr erinnert Euch wohl noch meiner, Frater Dominikus! Da sind die Freunde, von denen ich Euch gestern sprach, und hier der Beutel, der der Eurige wird, sobald Ihr unsern Wunsch erfüllt." – Der Pförtner lächelte freundlich aber ungewiss, schob den Hauptriegel vor die tür, und summte die erste Zeile des damals berühmten und von den Gelehrten häufig gesungnen Fastnachtliedes: "Edit Nonna, edit Clerus!" "Wollt Ihr nicht in's Stüblein treten?" setzte er mit schwerer Zunge hinzu: "es ist warm darinnen, und wir können daselbst weiter plaudern." – "Sind wir denn um des Plauderns willen Hieher gekommen?" fragte Dagobert leise die Seinen: "Was treibt denn der verwünschte Frater?" Die Begleiter ermahnten ihn durch Zeichen zur Geduld. "Ad edendum nemo serus!" brummte der Frater gleichmütig fort, und machte seinen Gästen einen unbehülflichen und unsichern Reverenz: "Wollt Ihr Euch nicht niederlassen, meine werten Herren und Freunde? Ein Tröpflein Weins schadet nicht." – Er setzte einen ungeheuern Weinkrug an den begehrlichen Mund; schlürfte einen guten Schluck, und reichte das Trinkgefäss seinem Nebenmanne, nachdem er mit dem Ärmel den Rand abgewischt hatte. "Bibit ille, bibit illa!" sang er weiter, jedoch sich selbst unterbrechend durch Rede und Frage: "Trinkt herzhaft, ihr Männer; 's ist vom Guten! Bibit servus cum ancilla. – So! so! jetzt sagt an .... was steht zu Diensten?" – "Ei, Dominik! habt Ihr denn bereits vergessen, was wir ausmachten?" fragte Einer von Dagobert's Begleitern entgegen, während der junge Mann einen ziemlich vernehmlichen: "Schafskopf!" laut werden liess. Der trunkne Frater zog dem Offenherzigen ein scheel Gesicht, vergass aber auf der Stelle die Beleidigung, und fiel wieder in sein voriges Lied: "Bibit abbas cum priore! – Hm! wenn mir recht ist .... hm! hm! bibit coquus cum factore .... Was wollt' ich sagen .... helft mir doch wieder ein wenig auf die Spur, ihr Herren! .... et pro rege ...." – "Zum Donner!" unterbrach ihn der warmblutige Dagobert: "Wir wünschen den armen gefangnen Mann heimzusuchen, den Du zu hüten