Knaben, die in rosenfarbiger Seide gekleidet waren, silberne Binden auf der Stirne trugen, und goldne Bogen mit Pfeilen und Köcher in den Händen hielten. Hinter denselben sassen die drei Gesellschafterinnen und Gespielinnen der holden Liebeskönigin, in weissen, blauen und Amarant-Gewändern mit Granaten- und Perlschnüren geschmückt, und mit flimmernden Piretleins von Straussenfedern umwallt. Die Eine hielt einen runden Metallspiegel, die Zweite einen Fächer von weichem Flaumengefieder, die Dritte eine weisse Taube mit vergoldetem Schopfe. Über ihnen tronend jedoch unter purpurnem Himmel, umgeben von einem zahlreichen Kreise der bestgezierten Frauen, glänzte Frau Venus selbst, angetan in goldnem Stück, strahlend von blitzenden Kleinodien, eine geborne Fürstin der Schönheit und der Pracht. Es war diessmal für Dagobert eine schlechte Aufgabe, in der heidnischen Göttin und Fee seine Schwester zu erkennen, da ihre Eitelkeit sogar die Gesichtslarve verschmäht hatte. Der geschnirgelte, geschnürte, und geleckte Ritter Tannhäuser an ihrer Seite konnte Niemand anders sein, als der stutzerhafte Herr von Königseck. Wie spreizte er sich an dem Ehrenplatze, der ihm zu teil geworden war! Stolzer brüstete er sich dort oben als der dicke Goliat, das Vorbild aller ausgemästeten Philister, der hinter dem Prunkwagen zu Pferde sass, und mit seiner Stechlanze die Rotten von kleinen schwarzen Teufelchen mit Schweif und Scharlachzunge wegprügelte, die gern zum Tron der Venus aufgeklettert wären, lachend von dem halb erstiegnen Wagen purzelten, schnell wieder von ihrem Falle erstanden und entweder das Wagestück von Neuem versuchten, oder die Pfeile ihres derben Witzes gegen den langen dürren und zerlumpten Aschermittwoch kehrten, welcher matt und keuchend, sich anhaltend an den Schweif des friesischen Goliatengstes, den Zug durch seine Jammergestalt beschloss. "Du bist der treue Eckart, und warnst Jedermann;" rief Dagobert dem weissbärtigen Grafen zu, und warf sich mit klingendem Schellengetöse in den Haufen: "Aber Dich selbst warnt Deine Torheit nicht. Fliehe die falsche Venus!"
Ehe noch der Graf nach dem aufdringlichen Mahner umschauen konnte, hatte dieser, kecker als die Teufelchen und unangefochten vor dem Philister, den Triumphwagen erklimmt, und sich vertraulich zwischen das Liebespaar geschoben. "Mit Gunst!" sprach er mit verstellter stimme, die Schellen lustig schüttelnd: "Wo die Minne hausst, darf die Torheit nicht fehlen. Wie gefällt Dir die Aussicht auf den Ekkart dort unten, lieber Tannhäuser? Bilde Dir nicht zu viel ein auf Deinen Schnürleib und Deine wohlriechenden Salben. Frau Venus ist falsch und in Kurzem gehst Du im Staube wie der treue Eckart." – Tannhäuser schaute hoch auf. Venus wendete sich aber mit verächtlichem Blicke zu Dagobert. "Der Narr mengt sich in Alles, und weiss Alles!" sprach sie höhnisch. "Ei wohl;" versetzte der Schalk dreist und zutulich: "weisst Du warum der Zug jetzt hält? Weil er unter des Kaisers Fenstern steht. Weisst Du, warum Dein linkes Auge seitwärts schielt? Weil der Kaiser auf dem Altan sitzt, und die Minnefürstin mit seinen Blikken verschlingt. Fürchte Dich vor Kron und Scepter, Tannhäuser, und Du, .. setzte er in Wallradens Ohr flüsternd bei: .. Du, fürchte Eckarts Eifersucht!" – "Abgeschmackter!" zürnte sie, erwiderte äugelnd des Kaisers zärtlichen Gruss, heftete ihren blick auf das Fenster eines benachbarten Hauses und errötete plötzlich. – "Du bist bewegt, Frau Minne!" fragte Dagobert neckisch: "Lass hören; Torheit heilt das Herz." – Wallrade sah ihm scharf in die gläsernen Larvenaugen, und glaubte eine zärtlichere Teilnahme an dem Schalksnarren zu bemerken, die sie, die schlaue Männerquälerin, nie unbenützt liess. "Du brüstest Dich Alles zu wissen?" fragte sie lauernd entgegen: "Was, war's, das mich bewegte?" – "Du sahst an jenem Fenster ein Weib, dessen Schönheit den Vergleich mit der Deinigen nicht scheut;" antwortete der Schelm schnell und zuversichtlich. Wallradens Stirne zog sich zusammen. "Du bist nicht der zierlichste Narr;" erwiderte sie nicht ohne Bitterkeit: "Sage mir jedoch, wer i s t die Frau mit dem holden kind im Arm?" – "Frage mich nicht;" antwortete Dagobert scherzend. – "Sprich, ich befehle es Dir." – "Die Minne gebietet nie der Torheit; sie ist ihr untertan." – "Rede, ich lasse Dich nicht." – "Das schöne Weib ist die Frau von der Rhön!" raunte ihr Dagobert hart und rauh in das Ohr. – "Abscheulicher!" schrie Wallrade auf. "Was gibts?" fuhr Königseck dazwischen, dessen argwöhnischer leidenschaft die heimliche Unterredung mit dem raschen Fremdling schon viel zu lange gedauert hatte. "Eine Überraschung, guter Tannhäuser," lachte Dagobert ihm in's Gesicht: "Weiter nichts! lebe' wohl!" – Klappernd und schellend machte er sich vom Wagen herunter, nachdem er dem zierlichen Liebesritter seine Kolbe zu kosten gegeben für das überflüssige: "Verdammter Hanswurst!" das der edle Herr, seinem Unmut Luft zu machen, ihm nachgebelfert hatte. Mutwillig geworden durch den aufregenden Schwank, sprengte Dagobert wie ein dem Pferch entronnenes Füllen kreuz und quer durch das ausgelassene Volk, das sich auf den Gipfel der Lustigkeit hinaufschraubte und immer tollere Streiche machte, je näher die Dämmerung rückte mit ihrem Schatten. Die Schalkheit des Pöbels setzte sich hauptsächlich die Klosterleute beiderlei Geschlechts zum Ziele, die an diesem Tage ihre Clausur zu verlassen, bevorrechtet waren,