, edler Herzog," antwortete Dagobert, zufrieden von seinem erhabnen Freunde gehend.
Fussnoten
1 Kandidat der Meisterschaft im Schneiderhandwerk.
Zwölftes Kapitel.
Lasst uns rühren die fröhlichen Schellen!
Rüstig und schnell in's Gewühl hinein;
Darf der Torheit sich Ernst beigesellen,
Dann ist es Lust ein Narr zu sein.
In der Poeten fabelhaft Reich
Zaubert ein drolliger Fastnachtsstreich!
W.
"Nun? wie gefall' ich Euch?" sprach Gerhard lachend zu Dagobert, als sich Beide am Nachmittage des Fastnachtdienstags in ihre Larvenkleider gesteckt hatten: "Bin ich nicht der wildeste aller Jäger? Kreuz, Stein und Dorn! Was werden die Leute gaffen, und auch Ihr, Junkerlein, seid der schmuckste Schalksnarr, der jemals zu Costnitz die Schellen regte. Wir werden aufsehen machen, wo wir uns nur zeigen." – "Das verhüte Gott!" erwiderte Dagobert: "Benehme Du Dich nur nicht auffallend und allzu abenteuerlich. Deine ungehobelte Gestalt ist ohnediess allzukenntlich, wenn Du nicht den Mantel vernünftig und weit umgeschlagen trägst, damit, er Dich verhülle." – "Ohne sorge!" meinte Gerhard: "Ganz Costnitz ist der Meinung, ich laufe noch immer als grosser Christoph umher, denn ich habe meinem langen Vollbrecht Kleid, Schürbaum und Heiligenschein abgetreten." – "Herrlich!" versetzte Dagobert: "Ganz Costnitz weiss demnach, dass Du in jener Mummerei steckst, und Wird gewiss auch von der Neuen erfahren haben." – "Ich will im nächsten Stechen in jedem Rennen den Sand küssen, wenn eine Seele von dem wilden Jäger weiss;" beteuerte Gerhard: "Mit dem Christoph war's ein ander Ding. Um einen Begleiter und eine Ansprache zu haben, erlaube ich meinem Knechte Vollbrecht, mit mir umher zu laufen, und da der einfältige Tropf mich immer gestrenger Herr nannte in Dorf und Stadt, so war's gleich weltkundig, wer ich sei." – "Eine herrliche Aussicht!" fügte Dagobert bei: "Der Knecht hat die Plaudersucht von Dir geerbt. Nur so viel zur Nachricht. Kein Tropfen Weins kommt in Deine Gurgel mehr, sobald Du verrätst, dass ich in diesem Pickelhäring stack." – "Verstehe;" antwortete Gerhard: "werde mich auch hüten. Trinke lieber nach geschehener Arbeit meinen Wein für Euer Geld, als dass ich wie ein ächter Kalandsbruder herum schmarotze mit leerem Seckel. Seid nicht bange. – Und den Raufdegen? – Ich trage ihn unterm Mantel am Gürtel. Geschliffen ist er wie ein Schermesser, und wehe den Rippen derjenigen, die mit ihm Bekanntschaft machen wollen." – "Gut;" erwiderte Dagobert: "Jetzt lass uns hinaus in die tolle Faschingslust, die wohl häufig unter der bunten Tracht den schwarzen Ernst verbirgt! Komm, wilder Jäger, und folge mir Schritt für Schritt."
Wo sie hinkamen, die stattlichen Vermummten, empfing sie der jubel, der heute ausgelassen und gellend durch alle Strassen tobte und sogar der strengen Stadt- und Conciliumsordnung spottete. Alle Stände wetteiferten sich in Tollheiten zu überbieten, und die seltsamen Figuren, die wie eines vielfarbigen Stromes Wellen, durch die Häuserreihen, über die Plätze stürmten, versetzten den ernstesten Zuschauer in ein fremdes, wunderliches Land, worin es schwer fiel, dem Mitbürger- und Mitnarrenrecht sich zu entziehen. Getrost und munter umherschwärmend kümmerte sich Keiner um den Andern. Alle nur um die allgemeine Festlichkeit. Der Schulteiss mit dem Hintersassen, die Bürgermeisterin mit der ärmsten Pfründnerin, der Meister freier Künste mit den rohen Bauern, sie hatten nur e i n Ziel. Der Leibeigene schritt seinem Zwingherrn zur Seite, die Magd ihrer Gebieterin. Der Larven Freiheit vernichtete jede Schranke. Nach dem Massstabe der Ansprüche und des Wohlstandes der Hohen und Niedern im volk waren, auch die Lustbarkeiten verschieden, in welche die fröhliche Feier zerfiel. Rotten von verlarvten Spielleuten liessen sich allentalben hören, und ihre Vorläufer, in possenhafte Tiergestalten verkleidet, als aufrechtgehende Leuen, Bären und Greife sammelten an allen Häuserpforten für die unermüdeten Pfeifer und Lautenschläger. Die Freigebigkeit der frohgestimmten Bürger ferner in Anspruch zu nehmen, zogen Buben mit Tannenbäumen heran, sie vor die Türen pflanzend, und das herkömmliche Lied dabei singend: Ich bring' zum Fastelabend einen grünen Busch! Junge Bursche vom land schleppten Pflüge zu den Vorstädten, mit farbigen und goldnen Bändern geschmückt, fingen die mutwillig umherschweifenden Dirnen in Strohketten auf, und spannten sie an das Ackerfuhrwerk, bis unter dem Gejauchze des Pöbels die armen Gefangnen, von einem Regen von Häckerling und Sägspänen überströmt, sich mit ein Paar Hellern oder einem Kusse ihr Lösegeld bezahlen.
"Solche Küsse sind besser denn Fastnachtswekken!" meinte Gerhard, da er mit seinem Begleiter an einem Auftritte dieser Art vorüberging, und Dagobert hatte nicht wenig Mühe, den wilden Jäger von der Teilnahme an der niedern Volksbelustigung zurückzuhalten. "Ei du altes Sieb!" sprach der junge Altbürger, indem er ihm die Kolbe zu kosten gab: "Möchtest Du nicht etwa dort auf dem Kornmarkte mit um das unreine Tier turnieren, dem die vielen Bengel mit verbundnen Augen und derben Dornknüppeln in der Faust zu leib gehen? Ein herrlicher Sieg, die arme an den Pfahl gebundne Bestie vor das Hirn zu schlagen, und zum Festbraten für den Abend zu gewinnen! Oder gelüstet Dich vielleicht nach jenem dünnen Häringe, den die beiden Lumpenhänse dort mit den russbesudelten Gesichtern an der ungeheuern Stange tragen, ein Vorbild der anrückenden Fastenzeit?" – "