; im Kampfe für meine Söhne, und Ihr, grossmütigster Fürst," hier warf sich der Jude weinend zu Friedrichs Füssen; "Ihr müsstet mich an diesem Denkzeichen erkennen, wenn ein Sohn Israels wert wäre der Erinnerung."
Der Herzog stand betroffen auf, und musterte mit durchdringendem Auge den Knieenden, der also fortfuhr: "O gewiss, gewiss, Ihr entsinnt Euch noch des Reichstags, der vor achtzehn Jahren beiläufig zu Frankfurt gehalten wurde, mit ungeheurer Pracht und grossem Zulauf von Fürsten und Gewaltigen, unter denen jedoch hervorglänzte wie der Stern des Morgens der Herzog Leopold von Österreich."
"Ob ich mich dessen entsinne?" fragte Friedrich mit leuchtendem Blicke: "Österreich glänzte da wie die Sonne selbst, nicht wie der Stern, den sie verscheucht. Steh auf; rede – wie kömmst Du mit Leopold zusammen?"
"Des Herzogs Haus war offen wie das Haus eines Vaters seinen Söhnen;" fuhr Ben David fort: "um Gott und um Ehre wurde daselbst gespeist der Hungrige, getränkt der Durstige." Zwei Judenknaben wollten auch mit ansehen die Pracht des herzoglichen Hofstaats. Ach, sie wussten nicht, dass wo der christliche Bettler Zutritt hat, derselbe dem Juden doch verboten ist. Neugierig durchstreiften sie den Hof, die weitläufigen Ställe. Dem Einen von ihnen fällt ein köstlich Sattelzeug in die Augen, mit vergoldeten Buckeln, der Andre greift es kindisch bewundernd an mit den Händen; ein Sattelknecht sieht's und ruft: "Diebe!" "Unter den Fäusten des Trosses büssen die Kinder ihre unschuldige Neugier. Vergebens flehen sie an ihre Peiniger! Sie schreien auf zu dem hochgelobten Gott und zu ihrem Vater. Der Zufall will, dass dieser vorbeigeht an den offnen Toren, hört das Gejammer, hineinsieht in den Hof und erkennt seine eignen, gemarterten Söhne. Die Angst jagt ihn unter die rohen Pferdeknechte; ihre Grausamkeit stösst ihn zurück. Mit der Gewalt der Verzweiflung will er entreissen sein Blut der Gefahr, und der Hieb eines scharfen Schneidmessers wirft mich mit blutendem gesicht zu Boden, denn i c h , ich Herr, war der Vater der armen Kleinen."
"Still! still!" rief der Herzog, auf dem Antlitz die edle Scham zeigend, welche eine gute Tat darauf malt: "Ich weiss bereits .... steh' auf; ich entsinne mich schon."
"Vor der Herrlichkeit Gottes liege ich nicht aufrichtiger im Gebete, als hier vor Euch in Dankbarkeit!" sprach Ben David weiter, und grosse Tränentropfen fielen in seinen Bart: "Ihr habt mich und die Söhne gerettet, edler Herzog, damals in der Jugendblüte. Ihr habt mir gesendet Euern Arzt, der mich heilte; Ihr habt getröstet mein klagend Weib; Ihr habt beschenkt meine Kinder. Ihr habt Euch nicht geschämt, herabzusteigen in eines armen Juden Hütte, zu sehen unsre Armut, unsre Leiden." "Gott!" spracht Ihr beim Scheiden halb vor Euch hin: "kann man denn Menschen so in den Staub treten?" und eine Handvoll Gold liesst Ihr auf meinem Schmerzenslager zurück. "Herr! Mensch unter'm Herzogshute! Aus Euerm Beispiele hab ich gelernt, dass es gibt edle Christen. Herr! von Euch habe ich ererbt Vertrauen auf die dunkle Vorsehung; Herr! Euer Gold hat mir gebracht Segen, hat mich gemacht reich, und bei dem haupt meines Vaters gelobe ich's Euch: Euer ist auch Alles, was mein ist auf der Erde."
Ben David schwieg erschöpft, und küsste des Herzogs Stiefel, dass Friedrich empört zurücktrat, und halb gerührt, halb unmutig ausrief: "So steh doch auf, aberwitziger Ebräer! Du wirst mich böse machen mit dem übertriebnen Gewäsche. So seid Ihr aber, leichtsinniges Volk. Dem Erlöser sangt ihr Hosianna, und habt ihn dann getödtet."
Ben David richtete sich langsam und bekümmert auf. "Gnädigster Herzog," sprach er, gänzlich ablenkend: "mein Vater, der seine hundert Jahre zählt, hat viel des Guten getan auf der Welt, und keinen Lohn davon getragen, als ein schneeweisses Haupt und schwache Glieder. Belohnt mich an seiner Statt, edler Fürst, oder sorgt, dass der Kaiser es tue."
Der Herzog sah ihn befremdet an. "Wie soll ich das verstehen?" fragte er: "Wie käme denn ich, wie der Kaiser dazu, Dich zu belohnen für die guten Taten, die vielleicht Dein Vater verrichtet hat?"
Lächelnd schwieg Ben David eine Weile, trat dann in die vorige ehrfurchtsvolle Entfernung, und versetzte: "Euer Wort ist Wahrheit, Herr, aber ... wenn Ihr nicht an mir das G u t e vergelten wollt, das mein Vater vor fünfzig Jahren tat, warum lasst Ihr mir entgelten, was mein Volk vor andertalbtausen Jahren B ö s e s getan? –"
Friedrich warf bei der unvermuteten Wendung den Kopf zurück, hielt aber an sich, biss sich in die Lippen, und bezwang seinen gereizten Stolz männlich und edel, wie es einem klugen und rechtlichen Fürsten geziemt, wenn die Wahrheit sein Vorurteil besiegt. "Was ist aus Deinen Söhnen geworden?" begann er leutseliger, als zuvor. Ben David legte die Linke auf die Brust, und seufzte. "Sie haben mir viel Herzeleid. gemacht;" sprach er. "Der ältere lebt und ist doch gestorben für mich. Ich werde ihn nicht wiedersehen im Wohnort