Vertrauen." – Er zog den Neffen bei dem arme sich näher, und Fiorilla entfernte sich auf seinen Wink. – "Warum kommst Du gar nicht mehr zu Wallraden?" fragte Monsignore: "Ich bat Dich doch, Deinen Einfluss für einen ihrer Freier zu verwenden." – "oheim!" antwortete Dagobert: "Ich sagte es Euch: Mein Einfluss ist aus, und dann bin ich ein schlechter Freiwerber." – "Du weisst also gar nicht, wie sich die Sachen gestaltet haben?" fuhr der Prälat fort: "Wallrade hat mir selbst vertraut, dass unser allergnädigster Herr, der Kaiser selbst, ein huldvolles Auge auf sie geworfen. Das geschah am verwichnen Sonntag, bei dem grossen Tanzfeste, das des Kaisers Majestät in ihrer Freigebigkeit veranstaltet." –
"Der gute Herr ist der Minne Freund;" schaltete Dagobert ein: "Was soll aber daraus folgen?" – "Blödsichtiger!" schalt der Oheim! "Daraus folgt, dass mein, Dein und Wallraden's Waizen blüht, wenn des Kaisers Neigung begünstigt wird." – "Wie so denn?" fragte der Neffe mit grossen Augen. – "Verwünschter deutscher Querkopf!" fuhr der Prälat fort: "Wallradens zeitliches Glück, eine herrliche Pfründe für Dich, köstliche Privilegien für mich und mein Stift, eine Bischofsmütze vielleicht .... begreifst Du nun?" – "Ich würde das Alles begreifen," versetzte Dagobert bedächtig, "wenn Wallrade von Sigmund geehlicht werden könnte. Ihr vergesst aber, guter oheim, dass meine Schwester nur eines Altbürgers Tochter, – dass der Kaiser bereits vermählt. Wie räumt sich also, was Ihr sagt?"
Der Prälat spielte ungeduldig mit dem Kreuze auf seiner Brust. "So alt schon," sprach er, "und noch nicht klüger? Ein Weltkind, und unbefangener als ein Klosterbruder, der nie aus der Zelle kam? Wie räumt sich denn d a s ? Siehst Du denn nicht ein, dass eines Kaisers, eines verliebten Kaisers leidenschaft sich nicht an Ring und Priestersegen bindet? dass es unendlich vorteilhafter ist, auf kurze Zeit seine Freundin, als auf ewig seine Gattin zu sein? Sigismund hat ein weiches, gottesfürchtiges Herz; er liebt es, Alles um sich her zufrieden zu sehen, und beginnt unstreitig bei den Blutsfreunden seiner Huldin, wenn sie vorsichtig einwilligen, ihren Bruder- und Oheimsnamen als Schild zu Schutz und Trutz vor die verschwiegne Minne halten, und durch solche Wache den Kaiser beglücken, bis dieser die Geliebte – der Sache ein Ende zu machen – einem reichen Magnaten als Gattin schenkt. Nun bin ich Dir doch klar genug gewesen, einfältiger junger Mensch?" –
"Weiss es Gott;" versetzte Dagobert, sich langsam von dem Oheim losmachend: "Klarer ist das A B C nicht, aber ich bin ein ungelehriger, fauler Schüler, der es mit Vorsatz in derlei Dingen nicht einmal bis zu den Buchstaben bringen will; ein Trotzkopf von Bruder, der einer Wallrade nicht einmal dann etwas verdanken möchte, wenn es m i t E h r e n geschehen könnte, geschweige hier, wo es sich um eine Sünde handelt, die bei uns zu Frankfurt, – an Bürgersleuten wenigstens – mit Rutenstreichen, mit Schande und Tod bestraft wird. Wallrade tue, was sie vor Gott – tut Ihr, was Ihr vor eurem Gewissen verantworten mögt; ... mich lasst aus dem Spiele. Ich bin zu deutsch, zu dumm, wenn Ihr wollt, um Eure Würfel zu führen. Gute Besserung, Oheim!" –
"Was habt Ihr denn, Dagobert?" fragte Fiorilla stutzend, da er mit flammenden gesicht aus der stube trat: "Diese Röte auf Eurem gesicht" .... "Ich schäme mich, Base;" antwortete der Jüngling: "Der oheim war so gütig, mich mit seinen Sittenlehren bekannt zu machen, und ich stehe weiter hinter ihm, als ich gedacht. Ich eile, mich zu zerstreuen." – "Glücklicher!" seufzte Fiorilla: "ich muss das Haus hüten, und sehe nichts von all den Herrlichkeiten, die sich draussen vorbereiten." – "Ihr sollt wenigstens durch meinen Mund erfahren, was sich Alles begab;" erwiderte Dagobert: "so Ihr mir erlaubt, in der zehnten Stunde ungefähr unter Euer Fenster zu kommen, und ein Viertelstündchen mit Euch zu kosen; denn des Ohms Haus betrete ich vor der Hand nicht mehr." – "Nicht?" rief Fiorilla erschrocken: "Was ist geschehen?" – "Fiorilla!" liess sich der Prälat im Gemache vernehmen. – "Ihr sollt Alles wissen," flüsterte Dagobert. "Um die zehnte Stunde?" – Fiorilla nickte mit dem haupt, und verschwand.
Euern Auftrag habe ich erfüllt, so gut es in meinen Kräften stand, sprach Gerhard von Hülshofen zu Dagobert, als sie in der Herberge zusammengekommen waren. Die schönsten Mummenkleider, die der eisgraue Schneider Welsner hatte, stehen Euch zu Diensten, und Ihr habt unter Dreien die Wahl bis zur Mittagsstunde. Schaut, da bringt mein Vollbrecht just den Bündel in's Haus. Auf Eurer kammer wollen wir dessen Inhalt belugen. –
Gerhard, um seinen Geschmack in's beste Licht zu setzen, pries nun, eine Larvenkleidung nach der andern auseinander breitend vor den Blicken des Wählers, die Vorzüge einer Jeden mit behaglicher Lust. –