, den Flecken, Strasse auf, Strasse ab, bis sie in der tiefen Dunkelheit Kirche und Pfarrhaus gefunden. Wohl hörten die Bewohner Offenbachs die Schritte und rohen Reden der Nachtgäste, sahen sie wohl mitunter durch die Ritzen der Läden, wie sie Waffenrauschend durch die Gassen lärmten, aber in den damaligen zeiten des Unfriedens und der Selbstülfe wagte sich Keiner aus dem haus, sondern erwartete in ängstlicher Stille, ob der Besuch nur eine vorüberziehende Wetterwolke sei, oder wie der Blitz ihre Hüttendächer entzünden werde. Die Wächter des Schlosses fanden ebenfalls keinen Beruf, sich in das Tun der Fremden zu mischen, hielten sich zur Verteidigung gefasst, und blieben ruhig. So gelangten die Junkherren ohne Anstand zum vorgesteckten Ziele. Mit lautem klopfen wurde der Leutpriester aus dem Schlummer geweckt, an's Fenster beschieden. Der von natur Furchtsame erbebte, da er Bewaffnete vor seinem haus sah, und fragte demütig nach ihrem Begehren. – "heraus, Pfaffe!" rief ihm Wernher zu: "Lege den Chorrock an, und die Stola. Versieh Dich mit Kerze, Öl, Salz und Honig und komm zur Kirche. Ein Ketzer will sich taufen lassen, und schnell, damit der böse Geist ihn nicht abwendig mache von seinem löblichen Vorsatze." – "Ein Ketzer?" fragte der erschrockne Geistliche: "Taufen, in später Nacht, ... wer bürgt mir..?" – "Schweig!" erwiderte ihm Bernhard: "Wir bürgen, drei Edelleute, des Ketzers Taufzeugen. Steig herab ohne Säumen; bescheide den Glöckner, dass er Dir diene; aber wofern der Bube Lärm macht, oder den Glockenstrang zu ziehen gedenkt, so ist sein letztes Stündlein da und das Deine. Wir sind zum Trutz gerüstet, und unsere Knechte umlagern schon das Kirchlein." –
Der Pfarrherr, der an Sprache und Keckheit wohl merkte, mit welchen Gesellen er zu tun bekam, und durch das traurige Beispiel mehrerer Amtsbrüder, die so zu sagen am Altare ihren Tod durch Mörderhand gefunden hatten, gewitzigt worden war, säumte nicht, dem gebieterischen Begehren Folge zu leisten. Das Frösteln der Angst in allen Gliedern warf er sich in die kirchlichen Gewänder, beschickte den Messner, und da er in Begleitung des letzteren, eines altergrauen Männleins, das vor Schreck sich kaum auf den Füssen zu halten vermochte, an die Pforte der Kapelle kam, langte so eben der Hornberger daselbst an, dessen Knechte den Täufling an der Leine führten, wie einen Rüden. Das Kirchlein wurde geöffnet, Wache davor gestellt; ein Bewaffneter hütete den Eingang zum Glockentürmlein, und die edlen Herren forderten nun den Priester auf, beim Schein einer einzigen Kerze das heilige Amt an dem stummen, todtbleichen Zodick zu verrichten, den der wilde Bekehrungseifer und die Drohungen des Hornbergers dazu gebracht hatten, sich Alles gefallen zu lassen, was man mit ihm vornehmen würde. – Der Pfarrherr, der verständig genug war, einzusehen, dass hier die Würde der Kirche und alles Recht mit Füssen getreten werde sollte, machte nachdrückliche Einsprüche in das Verfahren der drei Ketzerbekehrer, forderte sie auf, den armen Menschen, der wie das Espenlaub zittre, und keinen armen laut von sich zu geben vermöge, ruhig ziehen zu lassen, ihn nicht zu einer Handlung zu zwingen, die er nicht begreife, die er verabscheue, deren er nicht würdig sei.
Die drei Gebietenden zogen aber bedeutend und drohend die Schwerter, stellten sich in den Taufstein, und streckten die Schwörfinger in die Höhe. Wir haben es gelobt bei den Wunden des Herrn, diesen verstockten Sünder zu heiligen, wider seinen Willen, sprachen sie. Geht seine Seele verloren durch Dein Zaudern, Pfaffe, so stirbst Du dahin ohne Gnade, erstickt von Deinen Sünden. Gib ihm das ewige Leben, und geniesse ferner das zeitliche. Gib ihm den ewigen Tod und teile ihn mit ihm! – Der Geistliche zuckte die Achseln, und machte sich bereit zu der Handlung. "Die Folgen Eures frevelnden Mutwillens kommen über Euch!" sagte er feierlich und begann die vorgeschriebnen Gebete. Die Waffendrohenden Zeugen antworteten auf jede Frage für den zur starren Bildsäule gewordenen Zodick, der alle Gebräuche mit übereinander gebissenen Zähnen über sich ergehen liess. Das Glaubensbekenntniss legten die verwahrlosten, der Kirche längst entfremdeten Paten mit Mühe und Stottern für den Täufling ab, – nun aber kam es an die gefährlichste Stelle der Handlung; an das einfache, aber aus dem mund des zu Taufenden selbst zu verlangende Gelübde. Zu Aller Erstaunen sprach der Jude die vorgesagten Worte keck und fest nach, machte das Zeichen des Christen mit sicherer Hand, und nickte ungezwungen mit dem haupt, da er, dem barbarischen Rituale jener Zeit gemäss, seinen bisherigen Glauben, und die ihm anhingen, durch den Mund des Geistlichen verfluchen musste. – Diese auffallende Änderung des Betragens erleichterte das Herz des Pfarrherrn in etwas; die entweihte Handlung wurde ruhig beschlossen, und dem Neugetauften der Name Friedrich beigelegt. Auf dem staubigen Tische der Sakristei schrieb der Pfarrherr das zeugnis des Ubertritts nieder, händigte es dem Juden ein, befestigte auf seiner Brust, statt des gelben Ringes, ein Blechschild mit dem Kreuze und dem Buchstaben C, wie Neubekehrte es zu tragen verbunden waren, und entliess die seltsame Taufversammlung mit seinem Segen. – Mit rohen Scherzen zogen die Bekehrer davon, und überhäuften den still rasenden Zodick mit Spottreden und Schmachworten. Vor dem Flecken umringten sie ihn, trieben noch allerlei Possen mit dem Unempfindlichen, und gaben ihm