jedoch das Geringste. Wir wissen genau, dass er die Verschreibung unsers Vetters von Hyrzenhorn bei sich trägt. Um diese ist's uns zu tun. Hyrzenhorn ist genug zu bedauern, dass er den Frankfurtern sich verschreiben musste; er gedenkt aber nicht länger der Schuldner eines schmutzigen Juden zu sein. Nehmt ihm den Wisch ab, so haben wir unsern Auftrag redlich erfüllt."
Zodick wehrte sich wie ein Rasender mit Händen und Füssen, aber seine unsinnige Wut musste der Kraft des Hornbergers weichen, der, in ähnlichem Gewerbe geübt, ihn mit Blitzesschnelle durchsucht, Alles gefunden, und ihm entrissen hatte. – "Verdammter Fetzen!" schrie der Junker bei der letzten Maulschelle, die er dem Geplünderten gab: "Ich will Dir lehren, wie man sich in krieges- und Fehdesitte fügt." – Er griff nun nach der dickknotigen rindsledernen Sattelpeitsche, und wollte ein fürchterlich Gericht über Zodick ergehen lassen, als Bernhard sich mitleidig darein mischte. "Lass doch den armen Sünder in Ruhe!" sprach er vermittelnd: "Wir wehren uns auch mit Zähnen und Klaue, wenn man uns an's Leben will. Bedenke doch, dass man einem Juden mehr als das Leben raubt, in seinem Gelde." – "Mein Bruder hat Recht," setzte Wernher bei: "Auch hat mir der Leuenberger empfohlen, säuberlich mit dem Unkraut zu verfahren. Er hat schon oft unsers Gleichen gute Dienste geleistet durch seine feine Nase. Friede sei darum mit ihm. Nehmt ihm das Pflaster vom Maule. Weiber und Ebräer müssen plaudern, sonst wachsen ihnen die Zähne zusammen." – So; setze Dich jetzt zu uns; Du sollst mit essen, Dich erholen von der ausgestandnen Angst. Hier ist Brod, Käse, Wurst. Lange zu! – Zodick fuhr mit Abscheu vor dem Dargebotnen zurück. Die Herren wollten borsten vor lachen über die hässliche Fratze, die der Misshandelte zog. – "Iss!" rief der Hornberger, mit dem Jagdmesser nach Zodick's linken Auge zielend: "iss, räudiger Hund, oder es kostet Dich ein Auge." – Der Jude, wissend, dass in solchen Scherzen der fürchterlichste Ernst verborgen lag, nahm ergrimmt einen Bissen von der verbotnen Speise, und würgte ihn zornbebend hinunter. – "Auf einen fetten Bissen gehört ein klarer Trunk!" witzelte der Hornberger, und machte kurz und gut den Vorschlag, den Juden in den Main zu werfen. – "Recht!" lachte Zodick mit verzweifelnder Galle: "Schmeisst mich doch lieber in den Fluss, als dass ihr mich zu dergleichen Sünde zwingt. Der Gerechte, der gesäckt wird in Edom, geht doch ein in Kanaan!" – "Der Teufel verstehe das Kauderwälsch des Brandkopfs!" brummte Wernher: "Wir gedenken ihm aber nicht zum Martertum zu verhelfen." – "Wir haben nur dem Rosstäuscher zu Steinheim den Tod geschworen," setzte Bernhard bei: "Dir, Zodick, wollen wir wohl, da Du so ein gewandter Stehler bist. Im grund galt es nur der Verschreibung, die ich hiemit feierlich an der Lampe verbrenne. Das Geld, das Du zufällig bei Dir trugst, behalten wir für unser Mühewalten. Speise und Trank sei Dir aber vergönnt. D e i n Fehler, wenn Du nicht zugreifst."
"Das Gesetz verbietet mir's;" antwortete Zodick; trotzig vor sich niedersehend. – "Gelt! unsre speisen sind nicht koscher, Schuft?" polterte Veit von Hornberg: "Bist denn Du aber koscher genug, um an unsem Tische zu sitzen? Nein, sage ich, und Du fährst durch meine Klinge zum Teufel, wenn Du nicht diese Beleidigung unsers Wappens auf der Stelle gut machst." – Zodick schaute hoch auf, der neuen Laune des Junkers gewärtig, und des letzteren Spiessgesellen riefen lachend: "Hoho! Schwager! was fällt Dir ein? was kann der Schurke da gut machen? Welche Grille kommt Dir an?" – "Keine Grille!" versetzte Hornberg, in dessen kopf sich der Wein breit machte: "Aber ich schwörs Euch zu bei meiner Seelen Seligkeit und meines Leibes Urständ, dass ich den vermaledeiten Fuchsbart über den Haufen steche, bevor der Morgen graut, wenn er sich nicht in dieser Nacht noch taufen lässt."
Ein lautes Gewieher war die Antwort auf den überraschend seltsamen Vorschlag, der jedoch im nächsten Augenblick schon den zu allem Abenteuerlichen sattsam aufgelegten Herren völlig zusagte, und mit Begierde von ihnen aufgenommen wurde.
"Vortrefflich!" rief Bernhard. "Herrlich!" rief Wernher: "der Jude muss sich taufen lassen, und wir wollen des Höllenbratens Paten sein." – "Zodick konnte vor Wut und ohnmächtigen Ingrimm keine Silbe vorbringen, aber sein giftiges Ausspucken und Kopfschütteln redete an seiner Statt." – "Wage es, Nein zu sagen," schrie Veit, ihm den Stahl an die Kehle setzend: "und Du fährst zur Hölle. Niederträchtiger Auswurf, dessen Wohltäter wir werden wollen, den wir mit eignen Händen aus dem ewigen Pfuhl ziehen! mukse nicht, oder es ist Dein Letztes."
Verblassend und verstummend stand Zodick wie niedergedonnert. – "Macht fort, Bruder," sprach Veit gemässigter weiter: "bestellt Pfarrherrn und Glöckner; ich will indessen dem Höllenbrand mit dem Dolche das Paternoster einkitzeln."
Die Gebrüder Keherberg eilten schnell von dannen und durchstreiften mit ihren Knechten, wie Gespenster der Nacht