, was Du mir getan, elender Lügner!" sprach er halblaut vor sich hin mit leidenschaftlicher Geberde: "Was Du Böses an dem verdammten Gojim geübt, das vergelte Dir der hochgelobte Gott mit tausendfältiger Pein, statt mit Wonne, wie unsre Cohenim es lehren. Er verschliesse den Schooss Deiner Tochter, dass sie Dein Blut aussterben lasse in Israel, und verstossen von ihrem mann dahinwelke in Schmach und Verachtung! Er schlage Dich mit Jammer wie den aussätzigen Hiob, verwandle Dein Gold in Staub, Dein Haus in Kohle, Deinen Namen in den der krummen Schlange! Gras wachse vor Deiner tür, Hunger sitze an Deinem Tische und Dein Haar werde weiss im Elend! Sammael lähme Dein Gebein, der Teufel Schafriri Dein Auge, und Deine Zunge bettle das Brod vor den Türen Amaleks! Lebe, lebe, lebe unendliche Jahre der Not und Trübsal, bis der Herr, unser Gott, mit seinem Zorn angetan, Dich hinwegreisst zum ewigen Feuer der Gehenna! Amen."
Unzähligemale wiederholte der Elende den abscheulichen Fluch, während er seine Habseligkeiten zusammenräumte, um sie wegzuschaffen. Diesen Fluch auf der Zunge schüttelte er vor Ben David's tür den Staub von seinen Schuhen, und wanderte zum dorf Oberrad, wo er bei einem daselbst geduldeten Glaubensverwandten für den Augenblick seine wohnung nahm. In Ben David's haus war seit des zweideutigen Knechts Abzug eine feierliche Stille und Ruhe eingetreten, nur dann und wann von Jochai's bedenklichem Kopfschütteln gestört, der es unverholen missbilligte, dass sein Sohn sein Versprechen zurückgezogen und auf einen blossen Verdacht hin, den Ester bestimmten Bräutigam aus dem haus verwiesen. Er äusserte mit Nachdruck die Vermutung, die Wormser Judenheit werde gedachtes Verfahren nicht gut aufnehmen, Ben David wohl in Bann tun; der Letztere blieb indessen unerschüttert. "Wäre ich doch des Paradieses so gewiss," sprach er, "als Zodick das Gesetz mit Füssen trat. Der sucht die Nacht, der die Sonne scheut und das Ruchtbarwerden seiner Tat. Was die Schule zu Worms betrifft, so bin ich hier, wo keine blüht, der König meines Hauses, und schalte mit meinem kind, wie ich will. Lasst uns den Herrn preisen, der uns aus der Gemeinschaft des Gottlosen brachte, und fröhlich leben in Eintracht."
Ben David's, Ruhe erlitt dennoch eine ungemeine Störung, da er in Kurzem gewahr wurde, dass Zodick den Platz zu Frankfurt nicht verlassen hatte, wie er im Anfang geglaubt. Häufig begegnete er dem tückisch lächelnden Rotkopfe auf seinen Handels- und Mäklergängen. Bald war es ihm auch kein geheimnis mehr, dass derselbe auf die Verkürzung seines Erwerbs ausgehe. Überall kam Ben David, der fleissigste unter den Juden, zu spät; allentalben sah er seinen Eifer schlecht belohnt, und allentalben stack Zodick unter der Decke. Näherte sich Ben David den Tischen, und Hütten auf dem Berge bei St. Niklas, wo die Compsoren (Wechsler) sassen, und bot seine Unterhändlerdienste an, so war Zodick schon da gewesen und hatte unter den leichtesten Bedingungen alle Aufträge an sich gerissen; trat er in Palmstörfer's Wechselstube zum Weidenbaum, so ging Zodick gerade heraus, Rechentafel und Beutel unter'm Arm, und der alte Wechsler und Altbürger Humbrecht sagte ohne Hehl zu Ben David: "Du hast da einen gar guten Spürhund gezogen, Jude. Er läuft wie ein Teufel, schnobert alles aus, und nimmt geringre Zinsen, denn Du. Darum magst Du jetzt feiern, und Dich pflegen. Zodick dient uns besser und luftiger als Du, alter Knabe." – War auf dem Gewandhause eine Versteigerung, und Ben David dachte dabei sein Heil zu versuchen ... umsonst, Zodick war dabei, kaufte am teuersten, schlug im geringsten Preisse los. Wurde an einem Orte ein Schmuck von edlen Steinen verlangt, und Ben David hatte bei allen Goldschmiden und Juwelenhändlern mit Mühe und Not die Kleinodien zusammengebracht, so war doch alles vergebens; Zodick hatte Wind davon gehabt und weit schönere Steine herbeigeschafft. Was die Darlehen – den Haupterwerbszweig der Juden – anbelangte, war Ben David nicht glücklicher. Zodick drängte sich überall auf, und Geld – zu dem er nach seines ehmaligen Herrn Einsichten, unmöglich auf richtigem Wege gelangt sein konnte, – stand ihm in Hülle und Fülle zu Gebot. Der ausschweifende Sohn des Oberstrichters, der leichtsinnige Neffe des Schulteissen zogen gegen niedere Zinsen die Mittel zu ihrer Verschwendung aus Zodick's Beutel. Sogar dem gefangnen Raubritter von Hyrzenhorn streckte der rotköpfige Störefried die zweihundert Gulden vor, welche der Verhaftete um nur loszukommen, der Stadt sammt seinem Haus zu Wettershausen als Lösegeld stellte. Mit einem Worte: Zodick's Bemühungen, auf den Verderb seines Lehrherrn losgehend, erreichten vollkommen ihren Zweck. Die grösseren Geschäfte, wie sie nur etwa den Frankfurter Juden erlaubt waren, riss er zu Ben David's und seiner übrigen Glaubensgenossen Nachteil an sich, und erschlich sich behende das Vertrauen der Bürger, das sich dem Neuen und Wohlfeilern gern zuwendet. Ben David wurde von Tage zu Tage missmutiger, und konnte endlich nicht umhin, dem Judenarzte Joseph, einem stolzen aber nicht unverständigen mann, der ihn einst auf der Strasse seiner verdrossenen Miene halber zur Rede stellte, seinen Gram mitzuteilen. "Ei, ei, Ben David!" erwiderte ihm Joseph mit vornehmem Kopfwiegen: "Die Klugheit, die gerade vom Herrn stammt, hat Euch verlassen, und der List des Leviatan's, der eine schlechte