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. "Ich zahle sie nach getaner Arbeit. Du weisst aus Erfahrung, dass ich in ähnlichen Fällen Wort halte."

"Ja, ja, ganz recht!" sprach der Jude zögernd: "aber 's ist verdammt wenig, das Ihr bietet." – "Für ein abgenutztes altes Leben, das ohnehin vielleicht in Kurzem von selber reissen wird!" – "Der Tod dieses abgenutzten Körpers bringt Euch aber Glück!" lachte Zodick hämisch: "Bietet mehr, und zahlt etwas voraus." – "Ich biete nicht mehr, und zahle nichts voraus;" sprach Veit. – "Weiss wohl!" entgegnete Zodick. "Ihr Herren habt nie Vorrat an Münze. Müsst erst den Sold irgendwo krimpeln, ehe ihr ihn zahlen könnt. Mag's indessen sein. Tof! tof! Sobald ich ihm ankomme an die Rippen, dem Alten, sollt Ihr von mir hören." –

Die Würdigen schüttelten sich die hände, und schieden. Veit legte sich in der Mordhütte zur Ruhe, und Zodick lief über Zaun und Steg der Stadt zu. Er erreichte das Tor gegen Mitternacht und wurde gegen das Sperrgeld von dem schlaftrunknen Pförtner in die Stadt gelassen. Der aus dem Schlummer Gestörte fluchte dem Juden, der so spät vom Handel zurückzukommen vorgab, alle Pest und Plage an den Hals. Zodick nahm indessen alles gleichmütig hin, und schlüpfte durch die finstern Strassen in die Judengasse. Nach Gewohnheit fand er das Haus verschlossen, öffnete die tür geschickt mit einem eisernen Haken, drückte sie wieder zu, und suchte mit leisen Katzentritten das elende Lager, auf welchem ihn, den im Verbrechen verhärteten Sünder bald ein Schlaf beschlich, der, fest und anhaltend, seine Sinne wieder neu stärkte zu neuen verabscheuungswürdigen Vorsätzen.

Fussnoten

1 Haube. 2 Meister der Rechte, beim Rate bedienstet, seit 1380; das Amt des Syndikus verwaltend. 3 Lombarden, gleich den Juden vom Wechsel ausgeschlossen, auf Mäkler-, Leih- und Wuchergeschäfte angewiesen. 4 Scharfer Wein oder Obstmost.

Zehntes Kapitel.

Herr! vergib ihnen; sie wissen nicht, was sie

tun!

Ben David stand einige Tage nachher eines Morgens zum Ausgehen bereit, als Zodick in feiertäglichen Kleidern zu ihm in die stube trat. Verwundert ob diesem Aufzuge, und dem gespreizten Wesen, das der Schachergehülfe an den Tag legte, befragte ihn der Herr nach deren Ursache. "Ich komme bei Dir zu freien um Deine Tochter," erwiderte Zodick: "Du weisst, Herr, welch ein Vertrag Dich gebunden hat an meines Vaters Wunsch, auf dessen Andenken der Friede sei. Die Zeit ist geflossen dahin, während welcher ich dienen musste nach dem Beispiele des Erzvaters. Ich habe den Lohn verdient, den wir ausgemacht, und die Perle, die ich wachsen sah, soll mein sein, nach dem Willen des hochgelobten Gottes und seiner Elohim, die Dein Wort gehört und aufgezeichnet haben." – Ben David schwieg mit sichtlicher Überraschung eine Weile; dann antwortete er: "Das siebente Jahr ist noch nicht zu Ende. Der vierzehnte Tag des Mondes Adar, an dem man feiert das Purimfest, ist derjenige, an dem die Frist verfällt." – "Du sollst nicht zählen die Tage, wenn es ein Gelübde gilt," erinnerte Zodick im Tale Josaphat Deine Sünden um so nachsichtiger." – Ben David drohte ihm ernst und schweigend mit dem Finger. "Es bleibt dabei;" sprach er: "am gedachten Tage komme wieder und freie mein Kind." – "So soll mich der Hammer zerklopfen, wie den verfluchten Haman am Purim, wenn ich länger harre!" brach Zodick in leidenschaftlicher Hitze aus: "So ich mich gedulde bis dahin, so ich sicher noch länger mich gedulden muss! Du hast gedehnt meine Dienstzeit von drei Jahren auf fünf, von fünf auf sieben. Ich bin es müde. Ich habe Dir gehorcht, als ein redlicher Knecht, will aber nicht mein Lebenlang seufzen unter'm Joch der Dienstbarkeit, will nicht im Abnehmen meiner Tage eine hässliche alte Reck freien, statt der schönen Rahel. Meine Freunde zu Worms fordern dass ich heimkehre, und ein Weib will ich mitbringen; darum säume nicht, und gib Deinen Segen." – Ben David war in unangenehme Verlegenheit versetzt; nach manchen vergeblichen Winkelzügen, die alle an der Beharrlichkeit des Freiers scheiterten, entschloss er sich, mit der Wahrheit es zu versuchen. "Freund Zodick!" redete er: "da Du mit Ernst darauf dringst, um jeden Preiss erfahren zu wollen, was ich Dir noch gern verschwiegen hätte, so mag's drum sein. Dein Vater war mir lieb und wert; ein Gerechter in Israel. Du warst es nicht minder; aber seit einiger Zeit habe ich überlegt, und gefunden, es möchte gut sein, wenn nichts würde aus dem Verlöbniss zwischen Dir und Ester." – "Wie?" fragte Zodick neugierig und argwöhnisch zugleich. – "Ester ist Dir nicht hold," fuhr Ben David ruhig fort, "aber als eine gehorsame Tochter würde ihr Mund Ja sagen, wo ihr Herz Nein sagt. Ich würde vor Gott und dem Gesetz die Macht haben, sie zu nötigen zur Ehe mit Dir; aber ich fürchte, sie schlägt aus zu Euerm Unheil. Ester ist nicht für Dich, Dein Herz nicht für sie." – "Was kannst Du aussetzen an meinem Herzen?" fragte Zodick rasch