durch sein Schwertlein. Aber nichts da. Wolf hieb ihm die Sehne der rechten Faust mit dem Messer durch, ich rannte ihn zu Boden, und der Jud stiess ihm den Knebel in den vorlauten Schreihals. Fort mit ihm über Stock und Stein bis hieher, wo ihn Zodick abkehlte. Er schlafe wohl; im Sumpfe ruht er, sanft gebettet, und kommt gewiss nicht wieder, sein Geschmeide und sein Geld zurückzufordern."
"Gott wird's an seiner Statt, und die Träne seiner Witwe!" sprach Judit feierlich: "Ich aber will am rand des Moors für seine arme Seele beten." – Sie ging hinweg, und die Alte folgte ihr bald nach, um durch abergläubische Formeln ihr zagendes Gemüt zu beschwichtigen.
"Dass Du dem unnützen Ding das Gedibber nicht verbieten magst!" schalt Zodick gegen Marten. "Verbiete der Gans das Schnattern," antwortete dieser mit vieler Ruhe. – "Mag die Dirne doch reden, was sie will; wir tun, was w i r wollen." – "Jetzt zum Beispiel, wollen wir teilen," meinte Zodick mit seiner gewohnten Grobheit; "heraus mit dem Fang; ich muss heute noch zur Stadt, sonst merkt mein Herr Unrat." – Marten winkte ihm mit den Augen zu, und deutete verstohlen auf den Leuenberger, der, ohne Anteil an dem gespräche zu nehmen, ruhig in der Ecke sitzend, einen günstigen Augenblick erwartete, sein eigen Gesuch anzubringen. Zodick verstand Marten's Geberde wohl, aber, lachend die Kappe auf dem Wirbel drehend, antwortete er: "Immer zu! immer zu! 's hat keine Not. Der Herr ist nicht dabei zum Erstenmale. Ihr fürchtet wohl, er möchte versucht sein, uns alles abzunehmen mit seinen Spiessgesellen? Weit gefehlt. Dazu ist er zu fein, und weiss, dass das Messer der Blutzopfer trifft, hinter'm Schutzgatten, wie hinter'm Altar."
"Macht Euch keine Sorgen;" bestätigte Veit unbefangen; "vor Euern Genickfängern habe ich alle Ehrfurcht. Weit entfernt, mich ihnen selbst zum Ziele zu geben, will ich diesem wackern Rotkopf vielmehr eine Arbeit auftragen, die ihm wenig Zeit kosten, aber Vorteil bringen wird."
"Desto besser!" versetzte Zodick mit abscheulichem Grinsen. "Davon nachher. Vorab die Teilung. Frisch daran. Zahlt die Masumme, putzt die Scheinlinge. Steht die Wache vor der tür!"
"Meine Alte passt auf;" erwiderte Marten, und langte eine schwere Geldkatze hervor, die – auf den Tisch geleert – eine nicht unbedeutende Sammlung von Geld und Kleinodien, wie sie die Bürgersleute zu tragen pflegten, entielt. Veit stand am glimmenden Herde, und schaute auf die drei Schurken herüber, die mit einer ekelhaft habsüchtigen Schnelligkeit den ganzen Raub in drei Teile zerrissen, von welchen der grösste und beste dem Juden anheimfiel, der obendrein mit vieler Spitzbüberei den andern Bösewichtern, die auf deren teil gefallnen Kostbarkeiten um einen Schelmenpreiss abschacherte, und abdrängte. Noch im letzten Augenblicke des saubern Geschäfts stahl er seinen Gesellen mit gewandten Fingern einige Silberstücke, und auf ihre Einsprache zuckte sogleich des Juden blutgewohnte Faust nach dem Dolche, den die Andern so sehr fürchteten, dass sie jeden Anspruch auf der Stelle fahren liessen. – "Lasst doch den Hader," sprach Veit, sich einmengend; "es ist schon spät geworden. Legt Euch zur Ruhe, ihr Leute. Ich muss mit dem Roten noch ein Paar Worte reden." – Marten und sein Kumpan fügten sich in die Rede des gestrengen Herrn, und lagerten sich auf den Boden am Herde. Zodick machte sich indessen fertig zum Gehen, zog die Mütze über's Ohr, band ein schmutziges Tuch darüber und unter das Kinn, und winkte dem Leuenberger, ihm vor die tür zu folgen. "Die Spitzbuben lauern wie die Füchse!" flüsterte er seinem Kundmann warnend zu, und zog ihn aus der Hütte. "Was soll's?" fragte er hier demütig und geschmeidig. Aber kaum hatte Veit den Namen seines Schwagers genannt, als sich der Bube emporrichtete, mit Augen, die durch die Finsterniss rot funkelten. "Ho!" rief er mit Zähnknirschen: "diesen Namen kenne ich wohl, und Hab' ihm Rache geschworen; so oft ich gebetet habe das Gebet Schephot, das verflucht alle, die uns hassen, so habe ich nur gedacht an den, den ich hasse, und der sich nennt nach seinem Vater." – "Du redest irre!" fiel Veit ihm in die Rede. Der Jude verneinte indessen lebhaft, und fragte: "Ist's der Alte, dem ich den Talles geben soll?" – Veit bejahte. – "Schade, Schade!" versetzte Zodick unmutig den Kopf nach beiden Seiten bewegend: "den Jungen hätte ich lieber geschächtet." – "Der ist fern;" sprach Veit: "erwarte seine Rückkehr, und schaffe ihn dann hinweg, wenn's Dir beliebt."
"Hm! warum nicht?" meinte Zodick: "wenn es mir würde bezahlt! Schon lange lebte er nicht mehr, hätte ich's nicht verschworen, keinen Stoss zu tun, als nur für baar Geld. So mag's denn bleiben bei dem Aette. Wie schwer wiegt er Euch?"
"Fünf Pfund heller .... keinen Albus mehr!" erwiderte Veit