ihr doch;" spottete Veit ihr nach: "Im grund sagt sie die Wahrheit. Nicht sowohl zu meinem Nutz und Frommen, als zu Andrer Wohlsein wird sie Euere Geldtruhe leeren, und wohl bekomm's Euch, schäbiger Filz. Indessen säumt nicht, mir das verlangte Geld einzuhändigen. Ihr möchtet sonst einen Tanz erleben, dass Euch die Haare zu Berge stehen."
"Ihr droht, in meinem haus?" fuhr Dieter zornig auf: "So ihr Euch vergesst! ...."
"Wir haben ein lustig Sprüchlein;" sprach Veit unbekümmert weiter: "das lautet also: Roter Hahn und rotes Eisen soll den Bürgern Sitte weisen! Merkt Euch das. Der Hahn kommt geflogen, ehe man sich's versieht; und das Eisen braucht nur eine kühne Faust. Zahlt aus, stürzt den Seckel. Schon um die Freude, mich los zu sein, sputet Euch."
"Schändlicher Bube!" grollte der Altbürger, und knüpfte den Beutel ab, den er am Gürtel trug, und dem Schwager verächtlich vor die Füsse warf. Dieser hob ihn aber geschmeidig auf, wog ihn in der Hand, und sagte: "'s wird weniger sein, denn ich verlangte; dafür seid Ihr aber auch ein Frankfurter Bürger, der sich nicht schämt, an seinem Wechseltisch mit dem schmutzigsten Gewertschen3 um einen falschen Schilling zu jüdeln; und, wenn ich Zeit habe, hole ich das Fehlende nach."
"Tut es nicht," entgegnete Dieter: "es möchte Euch teure Zinsen kosten. Packt Euch jetzt. Der Imbis wartet auf uns, und für einen verwiesenen Landstreicher ist kein Stuhl an meinem Tische."
So eben brachte Else den kleinen Hans herein, und Veit flog wie ein Stossvogel auf den Knaben zu, und herzte ihn mit widriger Zärtlichkeit, so sehr Kind, Magd und Mutter es zu wehren suchten. "Lasst mich doch!" rief der Junker: "ist der Bube doch mein Neffe; gewisser mein Neffe, als Euer Sohn, Graubart! – Höre doch, mein Junge, den alten Mann, welch tolles Zeug er redet. Der Kaiser kann nicht hochmütiger sein, als er. Lache ihn aus, dicker Bube, lache ihn aus."
Dieter, der kaum seinen Zorn noch mässigen konnte, winkte Elsen zu gehen. Veit hielt den Knaben zurück, und wollte ihm einen Kuss auf die Wange drükken. Das wilde Gesicht und der hängende Schnauzbart des Ohms schreckte jedoch den Kleinen, und mit dem Ruf: "Lieb Väterlein! hilf mir von dem mann!" entsprang er dem Leuenberger und eilte in Dieter's arme. Der Junker schlug ein helles Gelächter auf. "Lieb Väterlein!" rief er: "Lieb Väterlein! Sie haben Dir das Vaterunser gut gelernt, mein Söhnlein, wenn sie auch selbst nicht dran glauben. Ich wünsche Euch Glück zu dem Buben, Alter. Kein Zug von Euch in seinem gesicht; gewiss auch keine Ader von Euch im Herzen. Er wird einst Euern schlechten Namen zu Ehren bringen. Verlasst Euch darauf, und lebt wohl. Ich möchte nicht gerne überlästig sein, darum gehe ich jetzt schon. Zählt indessen immer Geld für mich ab; und Du, lieb Schwesterlein, vergiss nicht für Deinen ehemaligen Freiersmann ein gut Wort bei Deinem treuen Freunde einzulegen." –
Nun war dem Ausbunde roher Bosheit das Niemand schonende Gift ausgegangen, und er ging davon über die Schwelle des Hauses, in welchem er den nagenden Keim des Unfriedens zurückliess. Dieter verlor zwar kein Wort über die abscheulichen Andeutungen des feinen Buschritters, aber sein Schweigen war der Vorbote einer bösen Zeit, und Margarete, von Schuld nicht rein, wenn auch vor des Bruders Anklage ohne Fehl, tat, von Gewissensangst befangen, keinen Schritt, dies feindliche Schweigen zu brechen, das den frohen Neujahrstag in eine trübe Nacht stummen Zwistes verwandelte. – Von der andern Seite war es in des Lauenbergers Brust bei weitem nicht so ruhig geblieben, als vielleicht sein kalter Spott ahnen liess. Er kochte verzehrenden Grimm, denn die Drohund Schmachworte, die sein Schwager gegen ihn gebraucht, hatten den wunden Fleck seines Ehrgefühls unsanft berührt. Die Furcht vor den reichsstädtischen Zwang- und Halsgesetzen allein hatte ihn abgehalten, sich tätige Rache auf dem Fleck zu nehmen. Die unersättliche Habgier, die, aller Weigerung ungeachtet, demnach in der Zukunft neue Nahrung erwartete, hatte auch ein begütigend Wort dazu gesprochen; aber die fürchterliche Sühne, die der Augenblick nicht gebären dürfte, sollte nichtsdestoweniger in der Folge die Verunglimpfung vergelten. Mit diesem Gedanken beschäftigt, stieg der Herr von Leuenberg in seiner Winkelherberge zu Pferde, nachdem er sein dürftig Mahl und Mittagsruhe gehalten hatte, und klepperte, sobald die Tore wieder nach der Vesperzeit geöffnet worden waren, von dannen; denn die Sonne ging bereits zu Rüste, und die Stunde war im Schlagen, die den Stadtfeind seinen Gegnern erlaubte.
Seine raschtrabende Mähre legte mit Windesschnelle den Weg bis über die nahe Warte zurück, und hier schöpfte der Behutsame neuen Atem. Teils um dem beginnenden Schneegestöber auszuweichen, teils auch um sich zu erfrischen; wohl auch in der Hoffnung, auf Bekannte zu stossen, lenkte er links von der Heerstrasse ab, nach der Gegend zu, wo zwischen sanft anstrebenden Anhöhen ein wenig besuchter Hohlweg durchläuft und zu einer Wüstung führt, an deren Ende, von Erdauswürfen, wie von Vertiefungen und krüppelhaften Buschwerk gedeckt, eine elende Schenke stand;