mehr zu essen hätten." – "Man muss genügsam sein;" schaltete Margarete trocken ein: "Nicht ein Jeder kann im Ueberflusse leben." – "Gott's Marter!" rief Veit: "Du hast gar schöne Sprüchlein gelernt, seitdem Du selbst im Ueberflusse sitzest. Als Du noch daheim lebtest in unserm Gauerbenschloss, war Dir Alles nicht recht. Gar manch' liebesmal, da wir beieinander sassen, bei unserer Rübensuppe und Klaienbrod, hast Du Dich gekümmert, dass nicht alle Menschen reich sind. Mich wunderts heute noch, dass Dich unser Herrgott, trotz Deinem Schelten, erhört hat, und Dich der grauhaarige Ratsherr zur Frau nahm. Seiter hast Du uns rein vergessen, und doch ist unser Eulennest noch baufälliger, unsere Kost noch schmaler geworden. Die ganze Ganerbschaft kann keinen elendern Haushalt aufweisen, als den Deiner Base und Deines Bruders. Und doch gaben wir die Einwilligung dazu, dass unser Wappen erniedriget wurde durch Deine Verbindung mit einem jener Altbürger, die sich zwar gern für Adeliche ausgeben möchten, im grund aber doch keine sind, wenn sie schon selbst der Kaiser den letzteren gleich hält." – "Genug Deines unverschämten Geschwätzes!" eiferte Margarete: "Lang genug war ich die Törin die sich in die Wünsche ihrer geldgierigen Verwandten fügte. Die tausendfältige Unterstützung, die ich Euch verlieh und die Ihr für nichts rechnet, soll und muss aufhören, denn verschuldet ist eure Trübsal. Ernähre ich Euch nicht sammt und sonders seit länger denn sechs Jahren? Hast denn Du nur ein einzigmal versucht, Dir das nackte Leben zu gewinnen? Frei wollt ihr sein, wie der Sonnenstrahl, und zehren wie dieser an der Habe Eurer Blutsfreundin, die sich für Euch einem ungeliebten Gatten hingab." – "Sprich für Dich selbst;" versetzte Veit kalt. – "Bot ich der kranken Base nicht eine Pfründe im Stifte der Witwe Wambach?" fuhr Margarete eifriger fort: "Wollte mein Eheherr Dich nicht zum Hauptmann unter den laufenden Gesellen der Stadt vorschlagen, oder zum Reisigen des Rats, wenn Du zu stolz wärest mit bürgerlichen Hauptleuten zu dienen?" "Schweige mit den alten Grillen!" fuhr Veit trotzig auf: "Du reizest jetzt meine Galle. D i e n e n , schon diess Wort allein rechtfertigt meine Weigerung. Ich diene dem Kaiser selber nicht, und will mich eben so wenig, als die Base in ein reichsstädtisches Spital gehört, um ein paar Ellen Tuch an die Zunftkönige verdingen, die hier das Wort führen. Ich will meinem stand gemäss leben, und wenigstens frei sein, ohne Eurer Bürgermeister Brod zu essen."
"So gehe und sei frei!" entgegnete Margarete: "Du bist auf dem besten Wege. Geh hinaus, plündere und faullenze. Werde der Schrecken der Kaufleute und Handwerksgesellen, und mäste Dich von ihrem Schweiss. Ich tue nichts mehr für Euch, und verweise Dich in Treuen auf das Gewerbe, das Dir längst kein fremdes mehr ist."
"Wer kann mir das beweisen?" fragte Veit höhnisch: "Und täte ich's, was wär' es anders, als was die meisten meines Gleichen tun."
"Schäme Dich, roher Mensch!" rief Margarete: "Du schändest unsern Namen. Du bist der Spiessgeselle aller Nachtreiter, die das Land unsicher machen. Der Verdacht, den Mord des Pfarrherrn von Bonames verursacht zu haben, der vor zwei Jahren in der Frühe zur Kirche gehend, von Schandbuben erschlagen wurde, ruht auf Dir. Du hattest ihm blutige Rache geschworen, weil er Dich im Beichtstuhl nicht losgesprochen."
"Lügen!" entgegnete Veit; aber sein Ton wurde gemässigter. Die Schwester fuhr indessen fort: "Auf diesen Verdacht hin hat man Dir die Stadt verboten. Wie kannst Du wagen, hier zu erscheinen? Mensch, Du steckst den Hals selbst in die Schlinge."
"Am heutigen fest ist die Stadt ihren ärgsten Feinden erlaubt bis Sonnenuntergang;" versetzte Veit: "ich weiss, wie weit ich mich wagen darf. Ich bin nicht so einfältig, wie der Wernher von Hyrzenhorn, der sich neulich fangen liess, und nun auf dem Eschenheimer Turme sitzt; im Trocknen zwar, aber in Eisen und Frost. Entsinnst Du Dich noch des riesigen Kumpans der einst von Herzen gern um Deine Hand gefreut hätte?"
"Der grobe Junker mit den Sitten eines Trossbuben ist mir allerdings noch im Gedächtniss," antwortete Margarete: "unser Vater war vor zeiten sein Treuenhänder und Vogt." "Pfleger und Mündel verjubelten gemeinsam ihr bischen Gut!" schaltete Veit ein: "'s war eine lustige Wirtschaft. Höre, den wackern Kämpen könntest Du, früherer Bekanntschaft eingedenk, aus seinem Käfich befreien, wenn Du wolltest, oder ihm mindestens zu billigern Bedingungen verhelfen, denn man will ihn nicht eher der Haft entlassen, als bis er seinen Turm zu Wettershausen der Stadt zu Lehn gestellt, vierhundert Gulden als Lösegeld erlegt, und vier adeliche Freunde vermocht hat, sich gleich ihm der Stadt zu Mannen zu verschreiben. Das Erste tut er nicht, das Zweite kann er nicht, und das Dritte tun die A n d e r n nicht."
"Was soll ich für ihn bewirken können?" fragte Margarete befremdet. –
"Das Vorteilhafteste," erklärte Veit, "und das war mit zum teil der Grund meines Ritts hieher. Mir ist es wohl bewusst, dass der Schulteiss