, ihr unwürdig Geweihter, vereinige Euch zum zweitenmale durch diesen Friedenskuss!" – Er küsste Dagoberts, Wallradens Stirne, und nötigte die Geschwister, sich zu umarmen. Aber wenn es möglich wäre, dass zwei Bildsäulen von Granit sich in die arme fielen, herzloser könnten sie nicht Brust an Brust ruhen, als hier die lebenden, von jugendlichem Blute durchströmten Menschen. Die Zuschauer empfanden alle Langweile, die ein solches Schauspiel gewährt. Die Vesperglocken brachten daher einen angenehmen Eindruck auf sie hervor. Der Prälat griff eilig nach Mantel und Hut, um die Kirche nicht zu versäumen; der Herr von Königseck bot Wallraden seine Begleitung in den Dom an, um daselbst den lustigen Pomwitzeltanz mit anzusehen, der – ein Überbleibsel des Heidentums – in der Christtagsvesper um den Altar getanzt wurde. Der Graf von Montfort schlug einen gang in's Freie vor, aber Wallrade verweigerte alles, unter dem Vorwande, mit ihrem Bruder eine Sache von Wichtigkeit abtun zu müssen.
Die Herren sammt und sonders fügten sich in ihren Willen. Während sie jedoch mit den verbindlichsten Worten Abschied nahmen, zog der Prälat den Neffen in das Fenster. "Es ist ein Beweis Deiner Klugheit," sprach er, "dass Du Wallradens Freundschaft suchtest, und ich belobe Dich desshalb. Die Herren Freier sind – wenn gleich deutsche ungelenke Tiere – dennoch nicht zu verwerfende gönner, und ich fordre von Dir, dass Du Deinen augenblicklichen Einfluss auf Wallraden dazu benützest, einen oder den andern ihr genehm zu machen, damit sie zur Ehe schreite. Beide sind ganz vernünftig in ihren Bedingungen die sie mir machten. Der Königseck zahlt tausend Gulden baar; der Montfort bietet eine Präbende im Stiftmünster, oder zweihundert Sonnenkronen Jahr für Jahr, zehn Jahre hindurch. – Es soll dein Schade nicht sei, wenn Du die Widerspenstige zu Einem oder dem Andern zu bereden fähig bist. Empfange daher meinen Segen und sei klug. Besonnenheit und Vernunft verschaffen diesem Rocke Ehrfurcht." – Mit dem edlen Herzen ging der Oheim von dannen. Wallrade versicherte sich, dass kein Lauscher nahe sei, trat dann mit durchdringendem Blicke hart vor Dagobert hin, und fragte: "Nun, Bundesgenosse! Habt Ihr getan nach meinen Worten?" – Dagobert bejahte. – "Wird er gehorchen?" fuhr sie fort, dringend und fest. – "Er wird!" erwiderte der Bruder. "In wenig Tagen schon." – "Hm! ich weiss;" sprach Wallrade mit fliegendem Lächeln: "ich erfuhr bereits ... er geht nach Mörsburg, als bischöflicher Jagdmeister. Es kommt darauf an, ob er mir dort lästig scheint. In diesem Falle rechne ich auf Euern neuen Beistand, ihn von dannen zu treiben."
Diese Worte empörten Dagobert's Gefühl, so gut er bis jetzt an sich gehalten hatte. "Ich begreife nicht," sprach er mit Heftigkeit: welch "unglücklich Schicksal diesen Mann, der einem Verbrecher nicht ähnlich steht, zu einem Geachteten, Vogelfreien gemacht hat, der vor der Drohung eines Weibes sich verbergen muss, jede Stätte verlassend, wo er gedenkt zu bleiben; .. aber so wenig mir gelüstet, der Teilnehmer Eures Geheimnisses zu sein, so wenig biete ich auch ferner meine Hand zu dieser im Verbergenen schleichenden Gewalttätigkeiten. Hat dieser Mann Euch so schwer beleidigt, dass nur sein Verderben Euch zu versöhnen vermag .... sagt's, und ich werfe diese Kutte auf einige Tage von mir, um mit dem Degen in der Faust den zu strafen, der Euch misshandelte. Das ist Bruderpflicht. Aber Euer Foltersknecht bin ich nicht, werde es nie sein. Ich habe des armen Mannes Weib gesehen, sein Kind .... nicht mein Mund, nicht meine Hand wird das Geringste tun, diese Unschuldigen langsam mit zu martern durch die Qual des Gatten und Vaters."
"Sein Weib, sein Kind?" fragte Wallrade schneidend: "Sie sind hier? Diese Nachricht danke ich Euch. Schon hier? Sehr wohl. Der Herr von der Rhön wird wohl tun, so schnell als möglich von dannen zu ziehen. Nicht meinetwegen allein;" setzte sie langsam und laurend hinzu: "auch wegen des weichherzigen Bruders Empfindsamkeit, der die Laune hat, jungen Ehefrauen allein zugetan zu sein, wäre es auch seines eigenen Vaters Weib, seine Stiefmutter."
"Wallrade!" rief Dagobert entsetzt, und seine Zunge erstarrte ob der frechen Anklage."Läugnet!" entgegnete ihm Wallrade heftig und frecher: "Läugnet, was ganz Frankfurt weiss, was bis in meine tiefe Einsamkeit drang, und meinen Hass gegen Euch befestigte. Läugnet, was Eure Zunge lähmt, als ob sie Gottes Hand getroffen. Wagt es, mich zu beschuldigen und Euch heilig zu sprechen. Ich strafe nur ein Verbrechen, – Ihr lebt aber noch in Schuld und Fehl. Euer falscher Mund, konnte mich gestern berücken, heute aber steht der eigensüchtige, verläumderische, boshaft-üppige Bube Dagobert wieder in seiner vollen Blösse da, und von nun an keine Gemeinschaft zwischen uns. Tut was Euch beliebt. Das Schwert des Henkers legt sich zwischen Euch und mein geheimnis, damit es der Schuldige nicht verrate. Es ist tot für Euch. Versucht aber auch ja nicht den Schleier zu lüften; offenkundig machte ich dann Eure eigene Schande, und diesen Arm ..." hier hob sie drohend ihre Rechte ... "ist stark genug, auch in