geben. Er verlangte von dem Wildmeister geheim Gehör. Bilger überflog den Boten mit seinen Blicken, neigte sich dann freundlich, und sprach: "Würdiger Herr, – ich denke, dass zwischen uns, die sich noch nie sahen, kein Ding bestehen kann, das meiner lieben Ehefrau ein geheimnis bleiben müsste. Indessen würde ich dennoch Euerm Wunsche gern willfahren, aber ich muss bekennen, wie die Herberge von unsers gnädigsten Kaisers Lerten dergestalt eingenommen ist, dass mir und den Meinen diess kleine Gemach allein verblieb. Wollet Euch also hier Euers Auftrags entledigen."
Dagobert wollte reden, aber im Begriff es zu tun, sah er auf Mutter und Kind, wie diese sich herzten, und Engeln gleich zu dem fremden mann emporsahen, und es war ihm, als dürfe seine Botschaft nicht das Ohr der Unschuldigen berühren. Er bat demnach den Wildmeister, ihm. auf die Flur zu folgen. Bilger, den Kopf schüttelnd über solch seltsam Betragen, ging mit ihm. "Mich sendet Wallrade von Baldergrün," begann Dagobert, und sah alsobald den Wildmeister, erbleichen wie einen Sterbenden. – "Wo ... wo .... ist sie, was begehrt sie?" stammelte er, der Sprache kaum mächtig. – "Sie ist hier;" antwortete Dagobert betroffen über die zaubergleiche wirkung der ersten Worte. – "Hier?" – Bilger musste sich am dem Fensterpfeiler halten. "Hier?" fuhr er fort, da der Bote, selbst von Staunen befangen, verstummte. – "Und ich ... o sagt es heraus ... ich bin verloren?" – "Ich begreife Eure Rede nicht;" sprach Dagobert, tröstend, denn ihn erbarmte des Wildmeisters Zustand. "Der Unwille Wallradens, wenn gleich, wie ich jetzt befürchten muss, verschuldet, sucht Euer Verderben nicht. Das Erbfräulein begehrt nur Eure schleunige Entfernung aus ihrer Nähe. Eure Gegenwart, sagt sie, sei ihr verhasst, und wolltet ihr der Forderung nicht willfahren, so würde sie tun, was Euch nicht gefällt!" – "Die Schreckliche!" seufzte Bilger: "O, sie weiss zu lohnen, fürchterlich zu lohnen. Aber ich werde ... ich muss gehorchen. Ohnediess hätte ich nicht lange hier verweilt. Sagt ihr, würdiger Herr .... ich würde scheiden .... sobald die Feiertage verflossen." – Dagobert sah kopfschüttelnd in des Mannes zerstörtes Angesicht. Bilger schlug die Augen scheu nieder. "Würdiger Herr!" begann er dann zögernd: "Ich darf Euch wohl nicht fragen, ob Euch das Nähere bekannt, das zwischen dem fräulein und mir obwaltende Verhängniss ....?" – "O schweigt., schweigt!" unterbrach ihn Dagobert rasch: "hier wittre ich Unheil, und das ist, was ich nicht zu wissen begehre. Mein Staunen, Euch so leicht und knechtisch unter eines Weibes Wort gebeugt zu sehen, sei Euch Bürge für meine Unwissenheit. Ich bin Wallradens Bruder, und kenne weder meiner Schwester Herz noch ihr Schicksal, verlange Beides nicht zu kennen. Lebt wohl und vergebt mir die Sendung, die Euch also betrübt und erschreckt hat." – Ohne des Wildmeisters Antwort zu hören, flog Dagobert die Treppe hinunter. – "Ei, was gähnt mich denn so schauerlich aus. diesen Auftritten an?" fragte er sich befremdet: "Schier kommt mir Wallrade vor wie ein bös Gespenst, das den Menschen durch Untaten zu seinem Leibeignen macht, um seine Seele mit seinem Leib zu verderben. Nein, Schwesterlein; ich begehre nicht, in Dein Spiel zu sehen, verschmähe es aber auch, Dein Knecht zu sein!"
Noch am selben Nachmittage ging er, von mancherlei Gefühlen beseelt, Wallraden heimzusuchen. In ihrer wohnung fand er den Oheim, und die Herren von Königseck und Montfort versammelt. Alle drei waren höchlich überrascht, ihn eintreten zu sehen. Die edlen Freier beruhigten sich indessen bald, da sie vernahmen, der schwarze Herr, der ihnen in vergangner Nacht viel Unruhe verursacht hatte, sei niemand anders, als der Bruder ihrer Huldin. Monsignore Ranocchia lieferte dagegen einen Auftritt, der sich recht gut darstellte, wenn man annahm, Alles, was er vorbrachte, sei ihm Ernst; der aber für die Hauptpersonen possirlich wurde, die wenig an des Oheims Aufrichtigkeit glaubten, und eben nicht besondre Lust verspürten, in ihrem eignen verhältnis Aufrichtigkeit walten zu lassen. Der Prälat sprach viel von der stimme der natur, die endlich doch immer siege, wenn gleich lange durch bösen Zwang darniedergehalten, – von Geschwistern, die zuletzt doch der göttlichen Liebe ihren Hass opfern; und mit Freudentränen segnete er den heiligen Tag, der Wallraden und Dagobert wieder zusammengeführt. "Ja!" rief er, die klaren Kunsttränen in den Wimpern; "der Himmel hat mein eifriges Gebet erhört. Geschehen ist die Versöhnung, die ich zu meinem liebsten Gedanken erhoben hatte. Dieser wackre Neffe, den ich liebe, wie ein Vater den Sohn." – Dagobert musste heimlich lachen. – "Diese getreue Nichte, die ich im Herzen trage, wie eine Mutter die Tochter," – Wallrade zuckte mitleidig die Achseln, – "sie haben sich wiedergefunden durch mein Zutun. Die erhabne Kirche, deren Festlichkeiten die Ketzer, Wiklefs und Hussens Jünger, zu schmälern und zu entwürdigen gedenken, pflegt also durch ihre rührende Feier getrennte Seelen zu vereinigen; und ich