Estrich aufwühlte, und mit Spottgelächter über die in Staub krachende Schwelle seinen Abzug nahm; ich liess jetzt das Pferd langsam gehen, und spähte sorgsam nach beiden Seiten zu den erblindenden Fenstern auf, ob ich nicht die Holde gewahren möchte, welche mich berückt. Und siehe ... wie verabredet erschien ihr Antlitz, ihre Gestalt unter der tür eines Hauses, des ansehnlichsten der Gasse. Mit gespannter, überraschter Aufmerksamkeit schaute sie zu mir empor, und ein neuer Reiz schmückte ihr heute von Locken und zierlichen Zöpfen bekränztes Haupt, die Rosenglut der Scham, der feurige Wiederschein erfüllter sehnsucht. Ich zwang meine hochklopfende Brust zur Ruhe, meine von schmerzlich süssem Leid gespannten Züge zu kalter Gleichgültigkeit und trabte vorüber. Die Dirne grüsste nicht ...... obgleich sie mich nur allzuwohl erkannte; die Vorsichtige schonte mein Gefühl. Sie blickte mir aber nach, so weit die krumme Gasse es verstattete, und da ich an der Ecke zurückschaute, winkten mir noch ihre Augen, wie freundliche Sterne. Seitdem sah ich sie oft, denn der neugestärkte Zauber trieb mich Tag für Tag zur selben Stunde durch den von Pferden und Reitern selten besuchten Stadtteil. Und wie an der eingestürzten Pforte der Strasse meines Rosses erster Hufschlag erklang, so klang auch das Fensterlein jenes Hauses, und das Zauberkind umgarnte mich mit neuen, allzulieben Schlingen. Ihr lächelt wohl, lieb Mümchen, wenn ich Euch sage, dass über ein Jahr diese seltsame Minne bestand, ohne ein dollmetschendes Wort zu finden; kaum einen dollmetschenden blick, da ich immerfort, wenn gerade nicht Kälte, doch eine Ruhe heuchelte, die mir, – sah ich die Schöne, – so fremd war, wie der Galle die Süssigkeit des Honigs."
"O ihr Deutsche!" lächelte Fiorilla, "zögernd legt ihr selbst die Riegel vor das Paradies."
"Mit Recht!" erwiderte Dagobert: "Steht die Pforte offen, so ist's das Paradies nicht mehr. Hinter den Bergen die unsere Fluren bekränzen, denken wir uns schönere Auen, blühendere Matten, und finden, – haben wir die Höhen überklettert, – nur die gewohnten Büsche und Felder wieder. Begehren ist Lust; im Genusse wird sie stumpf. – Ich ritt also fort und fort meiner schönen Jüdin zu hof, und gefiel mir in der Sonderbarkeit meiner Neigung. Da geschah es, dass an einem Abend des verwichenen Sommers, – die Wächter hatten die zehnte Stunde abgerufen, – Feuer entstand in der Nähe der Judengasse. Ein Reiterknecht war mit brennendem Spann in den Stall seines Gauls gegangen, und ein Funke hatte den Brand geweckt. Die Feuerglocke heulte vom Turme, und auch in meine Klosterstille drang das Getümmel der zum Brand flutenden Menschenmenge. Schnell war ich entschlossen meine tätige hülfe nicht zu versagen, schnell hatte ich mich in die Kleider geworfen, und kam atemlos auf dem platz an, wo längst dem Mainstrom eine Reihe von Ställen, Heuschobern und Werkhütten in vollen Flammen stand. Unser Volk ist brav und rüstig, wo es zu retten gilt. wasser wurde herbeigeschleppt von allen Orten und Enden; schon einigemal hatte ich auf meinen rücken den vollen Bottich herzugetragen, und noch einmal ihn zu füllen, lief ich weg aus dem Getöse, da fiel mir eine weibliche Gestalt in die Augen, die, da wo man eingeht in die Judengasse, unter dem Vorsprung eines Hauses auf eine Bank niedergesunken schien. entfernt von dem Gewühle der Menschen, forderte der Anblick der hüflos Verlassenen, vielleicht Ohnmächtigen, mein Mitleid auf. Ich trat zu ihr; erstaunt, ein köstlich geschmücktes Mädchen zu finden, dem nur der Schrekken die Kraft versagt hatte, weiter zu gehen; .... entzückt zugleich in der festlich Geputzten die zu erkennen, die schon so lang in meiner Seele lebte. Wir waren beide nur allzusehr betroffen, und kaum konnte ich die Worte stammeln: 'Mein schönes Kind, wie kommst Du hierher, in diesen Gewändern? hier ist doch Deine Stelle nicht!' – 'O Herr,' versetzte sie hierauf schüchtern und demütig: 'Zürnt mir nicht. Das Entsetzen mag mich entschuldigen, wenn ich Unziemliches getan. Wir feierten den Sabbat, der gerade heute eingegangen, geschmückt mit unserm Köstlichsten, als die Feuerglut entstand. Mein Vater und Grossvater wurden aus dem haus gerissen, und mit Schlägen zum Löschen angetrieben. Die Angst vermochte mich, ihnen zu folgen, doch verlor ich sie aus den Augen, und sank hier halb ohnmächtig zur Erde.' – Während dieser erläuternden Rede hatte ich mich nicht abwenden können, von der hohen Schönheit, die hier, in abenteuerlichen Prachtgewändern, wie sie wohl nur das Morgenland erfunden, vom fernen Glutshain zauberisch beleuchtet, der Reize höchste dem Bewunderer verriet. Die funkelnden Ketten und Armbänder, das Geschmeide im Haare, der Perlengürtel konnten die herrliche nicht schöner machen. Aber zu einer jener Feenköniginen verklären, von denen die Minnedichter singen, und die schon oft das Glück eines Sterblichen begründet haben sollen. 'Wie hold bist Du!' flüsterte ich der Lieblichen in's Ohr, und stürmisch klopfte mein Herz, da sie züchtig und leise antwortete: 'Niemand begehre ich zu gefallen, denn Euch, mein Herr.' – Herr? fragte ich mit leisem Vorwurf; Herr? warum nicht Freund? Ich schmiegte sie in meinen bebenden Arm, sie entzog sich aber demselben und küsste meine Hand. 'Nicht so,' sprach sie, 'Freund