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" wiederholte Dagobert, und mit einem kurzen: "Meinetwegen!" hatte er sich gedreht, und wandelte dem haus zu, welches kein andres war, als dasjenige, in dessen Pforte die schöne Frau in der stolzen Schellentracht verschwunden war. Die Werkstatt hinten im hof, war erfüllt von lustigem Getöse. Der Blasbalg schnaufte, der Hammer klang, und zwischen durch Funkengeknister und Ambosgetön schallten fröhliche Lieder in schwäbischer, bairischer und Schweizer-Mundart, wie sie die Gesellen des Schmids aus ihrer Heimat mitgebracht hatten. Das kühne, unverdrossene Leben, das sich in dem schwarzen Gewölbe bewegte, lüftete wohltuend Dagobert's Brust. Die starken Gestalten, die hier handtierten, der winterlichen Kälte wie der schmorenden Hitze zum Trotz halb entblöst bis zum Gürtel, schwangen rüstig die schweren Eisenkeulen, und das spröde Metall fügte sich ihren Streichen, unter welchen der Gesang nicht verstummte. Dort trug Einer eine Last Kohlen zur Glut, hier löschte ein Andrer das weissgeglühte Eisen im dampfenden wasser, dort wurden zierliche Stahlklingen glatt und blank gemacht, hier versuchte sich der Lehrling an der Vernietung einer Halsberge. Die Gewerbe der Messerer, Waffenschmide und Harnischer waren hier in Eins verschmolzen, und in der Mitte der tobenden Schar stand der stattliche Meister, mit prüfendem Blicke einen Turnier- und Brechhut musternd, der so eben fertig geworden war.

"Grüss Dich Gott, Tomas!" rief ihn Gerhard an: "Wie steht's, alter krausköpfiger Bursche? Was macht mein Stossdegen? sitzt er noch im Roste, oder kann sich ein hübsch Mädel darin beäugeln?"

"Der Kaspar dort im Winkel putzt gerade den Bügel;" erwiderte Tomas: "wollt Euer Schwert betrachten, lieber Herr. Ich hab' den Griff mit baierschen Hauben beschlagen lassen. Er sieht fürnehmer aus, und haftet sichrer in der Faust."

Gerhard schritt auf den bezeichneten Kaspar los, und der Meister wendete sich verwundert zu Dagobert: "Womit kann ich Euch dienen, geistlicher Herr?" fragte er: "Euer Gewand ist ein unerhörter Gast in meiner Werkstatt. Schwert und Panzer bedürft Ihr nicht; die Messer zu Eurer Tafel besorgt Eure Küchenmagd, und ich habe nicht einmal eine Tochter, noch ein Weib, denen zu Gefallen man sich wohl einmal in die russige Höhle eines Schmids verirren möchte."

"Ruchlose Gedanken!" scherzte Dagobert mit dem Finger drohend: "Vor der Hand bin ich indessen hier nur in Begleitung jenes wackern Meisters vom langen Schwerts, der sich eine Freude daraus macht, dann und wann die Kirche zu schirmen. Setzest Du indessen durchaus einen andern Grund voraus, der mich zu Dir führt, so will ich mich zu Deiner Ansicht herunter lassen, und Dir eine Frage stellen, so kurz vom Zaune abgebrochen und so naseweis, als sich's gerade schickt. Wer ist die Frau, die in Deinem haus wohnt, die Stattliche, prächtig Gekleidete? Mich drängts, darüber Auskunft zu erhalten, w a h r e Kunde, wohlgemerkt."

"Hm!" versetzte Tomas schmunzelnd, und auf einen Menschen weisend, der mit verschränkten Armen und lächelndem Gesicht herzugetreten und aufgehorcht hatte: "Ihr könnt Euch an keinen bessern Kundmann wenden, als an diesen, hochwürdiger Herr! Er weiss von seiner Gebieterin vortrefflich zu berichten."

Dagobert beschaute flüchtig das Antlitz des Empfohlnen, und fand es gemein, einer breiten Ochsenlarve nicht unähnlich, aber geeignet, Vertrauen einzuflössen.

"Es ist weiter auch kein geheimnis dabei;" sprach der Breitstirnige gleichmütig: "meine Herrin nennt sich das Erbfräulein von Baldergrün am Harzwalde. Sie ist, wenn nicht die reichste, doch auch nicht die ärmste Edeljungfrau. Zwei freie Sassen zinsen ihr, und, mich dazu gerechnet, zählt sie sechzehn Halseigne, die ihr dienen."

"Wird sie lange hier verweilen?" fragte Dagobert mit steigender Teilnahme.

"Weiss nicht," erwiderte der Knecht achselzukkend: "doch sollt' ich's vermuten. Es heisst, sie werde sich hier vermählen."

"Vermählen!" rief Dagobert rasch: "Mit wem!"

"Meiner Treu!" lachte der Knecht: "Zweie lassen ihr die Wahl. Der Herr von Königseck, oder der von Montfort, einer von Beiden wird's am Ende sein."

"Ich danke Dir!" versetzte Dagobert unwillig, ohne der Ursache sich bewusst zu sein, und kehrte dem Berichter den rücken zu. Gerhard trat just mit seiner schöngeputzten Waffe herbei, und pries dem Jüngling ihre Vorzüge. Dieser überhörte jedoch Alles, was der Gewehrkundige von Bügel, Korb, Stahlschnitt, Knopf und Spitze sprach, und ging mit ihm hinaus, ohne von Meister und Knecht Abschied genommen zu haben. Tomas schüttelte den Kopf, und die Gesellen taten's ihm nach. Sie konnten den jungen Geistlichen nicht begreifen; am wenigsten konnten's diejenigen, die ihn vor einer halben Stunde in rüstigem Fauststreit gesehen hatten, und nun sein blödzerstreutes Wesen nicht zu reimen vermochten. Der Knecht jedoch vermochte es am Besten: "Dem hat's mein fräulein angetan;" brummte er pfiffig in den Bart, und ging hinauf, seiner Herrin zu berichten, es sei nun nicht mehr nötig, nach dem jungen mann zu forschen, wie sie ihm geboten; dieser habe selbst sich schon nach ihr befragt, und nur eines Winks bedürft es, ihn ihrem Befehle gehorsam zu machen, wenn sie anders Lust habe, ihm Befehle zu erteilen