dem braunen Hauptaar trug, die Perlenschnur, mit welcher ihre Stirne geschmückt war, das bauschige Gewand mit Goldspangen und köstlichem Pelzbesatz, die gelben Schnabelschuhe mit Pelz gefüttert, und die schweren silbernen Schellen, die den breiten Sammtgürtel zierten, verrieten den Reichtum und den hohen Stand der schönen, trotz ihrer Blässe anziehenden Frau. Der junge Geistliche war von dem überraschenden Schauspiel fest gebannt auf seiner Stelle, bis ihn das Geräusch vieler an ihm vorbeikommenden Menschen erinnerte, dass er sich auf der Strasse befinde. Der Herzog von Östreich kehrte mit seinem Gefolge in seinen Hof zurück. Prächtig gekleidete Zinkenbläser traten dem Geleite voraus, ihre blitzenden Instrumente ruhig in den Händen tragend, um sie an jeder Kreuzstrasse erschallen zu lassen, den Ruhm ihres Gebieters zu verkünden. Trabanten in Östreichs Farben, die Hellebarden auf der Schulter, folgten, und hinter dem stolz flatternden Banner mit Östreichs und Tyrols Wappenschildern ritt der Herzog, umgeben von den edlen seines Hauses. Pagen berührten seine Steigbügel, und den goldgeschmückten Zaum seines Pferdes, und besondre Leibwächter in blanken Brustpanzern, mit Mordäxten bewaffnet, schlossen sich unmittelbar, die letzteren des Zugs, dem Gebieter an. Das scharfe Auge des letzteren hatte schon vor des Papstes Fenstern den jungen Mann im geistlichen Gewande erkannt, und sein Finger winkte denselben an sein Pferd heran. Im weiten Kreise standen abweichend die Begleiter, die Strasse sperrend durch ihr Stillhalten. Der Herzog bückte sich vertraulich über den Hals des Gauls zu dem Jüngling herab, und fragte halblaut: "Was macht Ihr denn für Tollmannsstreiche, Dagobert? Faselt auf der Strasse umher in dem Kirchenrock, der Euch nicht kleidet, und begeht noch obendrein das Verbrechen, Euch eines Unglücklichen anzunehmen! Das wird Euch Verdruss bringen und Hass erwerben."
"hatte' ich nicht Recht?" fragte Dagobert: "Ich scheere mich nicht um des Böhmen Lehre, aber Mensch bleibt Mensch, und Ihr, gnädiger Herzog, hättet an meiner Stelle nicht um ein Haar anders gehandelt."
Friedrich besann sich einen Augenblick, dann nickte er zugebend mit dem kopf, sprechend: "Ich glaube es beinahe selbst, aber ... junger Patrizier ... wollt Ihr Menschenrechte verteidigen, so zieht die Kutte aus. Man kann darin den Arm nicht frei regieren, so wenig als den Mund. Auf Wiedersehen!"
Er zog seines weges, und Dagobert ging den seinigen. "Der Herzog hat nicht Unrecht," sagte er zu sich selbst, "aber wie ist das zu ändern? Für mein Leben gern kröche ich wieder in mein kurz Röcklein und handtierte mit dem Rappiere, aber der Mutter Gelübde, muss ich wohl halten. Wie glücklich sind diejenigen, die frei sich bewegen können, wie sie wollen, und den Kelch des Lebens trinken können, wo sie wollen, nur nicht am Altare. Ich Armer kann nichts tun, als sie beneiden, und muss zusehen, wenn sie hübsche Frauen heimführen dürfen, wie die, welche ich heute sah. Ich aber mag Psalmen singen, und Prozession laufen, oder den gewissenlosen pfaffen machen, vor dem jeder rechtliche Christ das Kreuz schlägt. Das Letztere verhüte aber Gott!"
"Ei, um aller Heiligen willen, deren Fürsprache mir auf dem Sterbebette Not tun möchte! was ficht Euch an, dass Ihr also umherwandelt, bei hellem Tage, ein lebendiger Leichnam, ohne Sinn, Gehör, Gesicht und Wortes?" fragte Gerhard's stimme plötzlich neben dem Patrizier, der verwundert aufsah, und mit einem bittern Lächeln antwortete: "I nu, lieber Hülshofen, ich freue mich kindisch auf den Augenblick, wo ich Papst sein werde."
"Wollte Gott, Ihr wärt's;" rief Gerhard, "so könnt' ich vielleicht auf Absolution hoffen, oder auf Dispens von den Fastenspeisen, die mir gegenwärtig wie Blei im Magen liegen. Unser Wirt im Engel, ein abgefeimter Spitzbube, der früherhin kaum am Freitage Fleisch, Butter und Eier wegliess, ist durch das Concilium so heilig geworden, dass wir Mittwoch, Freitag und Sonnabends nichts als fisch, Mehl und Öl zu sehen bekommen."
"Faste und bete, da Du nichts zu schaffen hast," predigte Dagobert, und wollte von dannen, aber Gerhard hielt ihn zurück. "Tut mir doch die Liebe," sprach der Edelknecht, "und gehet ein Sprünglein mit mir. Ich will mich eben zum Meister Tomas begeben, dem feinsten Waffen- und Messerschmid zu Costnitz. Ich lasse von seiner kunstfertigen Hand eine Klinge vom Rost säubern, und wollt Ihr einen Rükkenklopfer sehen, wie ihn selbst Seine Majestät Kaiser Karl der Grosse nicht an der Hüfte hatte, so kommt mit."
"Was sollen mir Eure Klingen?" fragte Dagobert lachelnd: "Ich fechte in Zukunft nur mit Kerze und Weihwedel. Überdiess ist's mit dem Sonnenschein vorbei, der Schnee beginnt sich wieder in leichten Flocken einzustellen, und ich sehne mich nach der Ofenglut."
"O pfui!" höhnte Gerhard: "Junges Blut! was will aus Euch werden? kommt mit; wenn's Euch reut, die Waffe gesehen zu haben, so schlank und blank, dass schon das Anschauen allein in der Faust juckt, will ich nicht selig werden. 'S ist ja auch nicht weit. Ein Fünfzig Schritte zurück .... seht, dort, wo der Kürass mit Kolbe und Morgenstern über der Haustüre zu sehen ist."
"Dort?