Die Cardinäle, die über den Ort des Concils unterhandeln sollten, und von mir geheime Weisung erhalten hatten, in keinen zu willigen, der meiner Würde Nachteil bringen möchte, haben mich verraten. Zu spät werden sie einsehen, wie sie sich gebettet. Sollte der störrische Benedict triumphiren ....."
"Sorgt nicht, heil. Vater!" unterbrach ihn der Herzog: "Nicht Benedict, nicht Gregor wird siegen. Die allgemeine stimme fordert, dass Petri Stuhl wieder erledigt, und neu besetzt werde. E u c h darauf zu erhalten, fällt dem Kaiser nicht ein. Sein böser Wille log Euch frei Geleit, und wär's auch nicht böser Wille, ... der Schwächling v e r m a g Euch nicht zu schützen gegen den Hass der Engländer, der Franzosen und der Deutschen, die Eure Legaten anders hätten behandeln können."
"Welch einen Abgrund öffnet Ihr vor uns?" fragte Johannes bestürzt: "Gestaltet sich Alles, wie Ihr sagt, so sehen wir keine hülfe ab. Wir müssen unterliegen."
"Das muss Ew. Heiligkeit nicht;" erwiderte der Herzog fest: "Wahrlich nicht, so lange Ihr auf Freunde rechnen könnt, deren starke arme Euch über der Flut halten. Ihr habt drei nicht unbedeutende Wächter für Eure Sicherheit aufgestellt durch kluges Werben. Östreich, Baden und Burgund halten Euch aufrecht gegen die gesammte Macht des Lützelburger's und seines Anhangs."
"Dem Markgrafen traue ich nicht ganz"; versetzte Johannes bedenklich: "und der Herzog von Burgund ist weit. Wie, wenn im Augenblicke der Gefahr die beiden Stützen wichen?"
"Dann habt Ihr m i c h ;" antwortete Friedrich mit kühnem Stolze: "Alles Erdreich ist Östreich untertan! Das Wort ist ewig, und ich halt's Euch, sollt's mich Land und Leute kosten. Frei führe ich Euch von bannen, ohne dass man's wagen dürfte, Euch ein Haar zu krümmen."
"Wackrer Fürst!" rief der Papst, von einer dankbaren Regung, übermannt: "Solcher Treue rühmen wir uns in Wälschland nicht. Ihr richtet uns auf in unserm Kummer, und niemand ist würdiger, der Bannerträger des heil. Stuhls zu heissen, denn Ihr, edler Habsburger. Der Herr der Heerscharen sei ferner mit Euch!"
Ein Gewoge und Gebrause wurde auf der Strasse vernehmlich. Der Herzog trat an's Fenster, warf einen blick hinab, und winkte dem Papste, mit den Worten: "Seht, seht, heiliger Vater, ob ich ein falscher Prophet bin. Die Erfüllung folgt meiner Rede auf dem fuss. Da kommt der Huss die Strasse herab, umringt von Partisanen und gebunden, wie mich dünkt. Das heutige Verhör hat demnach den Ausschlag gegeben!"
Der Papst eilte an das Fenster, trat aber alsobald schamrot zurück, da er den Verratenen ersah, der in seinen Banden ruhig wie ein Heiliger daherschritt, und, als wollte er den heiligen Vater an sein gegebnes Wort mahnen, den blick zu ihm in die Höhe warf. Des Volkes Auflauf tobte um den Gefangenen her, und die zum Tod entsetzten, in ohnmächtiger Wut sich verzehrenden Freunde und Hüter des Dulders, waren durch die ungestüme Menge von seiner Seite gerissen worden. In geringer Entfernung von des Papstes wohnung hatte ein neuer Auftritt in dem zug Statt. Ein untersetzter Kerl, der Diener eines italiänischen Doktors hatte sich Bahn durch das Getümmel gemacht, um den Ketzer zu sehen, dessen Verhaftung dem blindwütenden Pöbel neue Waffen in die hände gab. Die Wächter des Gefangenen, die jede mitleidige Seele mit Lanzenstössen von ihm jagten, liessen den frechen Burschen heran, der mit viehischer Roheit den Wehrlosen in's Gesicht schlug. Huss litt die Misshandlung mit Standhaftigkeit und stummer Lippe, aber die Vergeltung sass der Untat schon auf der Ferse. Ein junger Mann packte den tückischen Italiäner beim Kragen, und warf ihn mit einem Fussstosse zur Erde nieder. Zugleich sah er sich kampflustig mit geballten Fausten unter den Umstehenden um, erwartend, ob nicht jemand Lust haben möchte, die Partei des Geschlagenen zu nehmen. Die Rechtlichern unter dem volk und den Zuschauern an den Häuserfenstern riefen ihm Beifall zu. Das Gesindel fürchtete sich vor gleichwichtigen Schlägen. Um so mehr fiel aber die Begebenheit auf, als der Jüngling in die schwarze. lange Schleppentracht junger Subdiakonen gekleidet war. Die Kappe mit der Quastentroddel sass trotzig in die Stirn gedrückt, die Schleppe des Gewandes hatte der Kämpfer um den linken Arm gewickelt, den rechten Ärmel aufgeknöpft und aufgeschürzt. Mit einem derben Haarzauser entliess er den bestraften Wälschen, da ihm Huss zugerufen hatte: "Dank, junger Freund! schone aber in dem Verblendeten den Menschen! –" Eifrig begann er nun, während der Gefangene in die Gasse geführt wurde, wo das Kloster, sein angewiesener Kerker, stand, die alte Ordnung seines Kleides wieder herzustellen. Da vernahm er hinter sich die Worte, die eine volltönende Frauenstimme sprach: "Seht, mein Herr von Königseck! das wäre ein Mann nach meinem Geschmack. Schnelle Entschlossenheit und kecke Tat zieren das starke Geschlecht!" – Verwundert sah sich der junge Mann nach der Sprecherin um, und erblickte die herrliche Gestalt eines stolzen Weibes, das gerade mit einem Rückblick auf ihn, am Arm eines zierlich gekleideten Begleiters in die tür eines ansehnlichen Hauses trat. Der geschlitzte Hut mit bunten Federn bekränzt, den das Frauenbild auf