nicht, warum Ihr mir ein geheimnis aus der Anwesenheit meiner Schwester machen wollt, guter Oheim? Mir ist sie das gleichgültigste Ding von der Welt, macht mir nicht Liebe, nicht Hass. Wir Beide, Wallrade und ich, wir konnten uns von Jugend auf nicht leiden. Ich war ihr zu lustig, s i e war mir zu rauh. Ein Glück, dass sie ein Mädchen und nicht ein Bube geworden. Es hätte alle Tage blutige Köpfe gesetzt. Seiter sind wir auseinander gekommen, und haben uns natürlich nicht lieben gelernt. Sie wird mich nicht suchen, wie ich nicht sie. Wir würden uns fremd bleiben, wohnten wir auch unter einem dach."
"Das wusst ich ja eben!" fiel der Prälat ein: "Ich hatte mir's auch so schön ausgedacht, wie ich euch Trotzköpfe mit guter Art zusammenbringen und versöhnen wollte, ehe ihr noch von eurer gegenseitigen Anwesenheit gewusst hättet. Durch die Fiorilla Cicalonilla ist mir das gute Werk vereitelt."
"Es ist nicht meine Schuld," schmollte die Gescholtene, "dass ich vielleicht in der besten Absicht Euer Vorhaben zu nichte machte. Ich wusste weder von dem Widerwillen der Geschwister, noch von der bezweckten Versöhnung. Ich wette indessen, setzte sie mit einem verstohlnen Seitenblick auf den Jüngling bei, dass Euers Neffen redlich Gemüt auch ohne Überraschung und Vermittlung den rechten Weg einschlagen und die Bande fester knüpfen werde, die Vorurteil und Zufall auflockerten."
"Ihr tut mir viel Ehre an," erwiderte Dagobert höflich: "ich muss sie aber ablehnen. Wallradens hochfahrender Sinn hat sich stets so trotzig erwiesen, in jedem verhältnis des Lebens, dass ich, selbst bei dem redlichsten Willen, die Hoffnung aufgeben musste, ihn für meine redlichste Guterzigkeit zu gewinnen. Auf der andern Seite bin ich auch, nicht der Mann, der Weiberlaunen untertan ist, wären es auch die einer Schwester, die einer geliebten Gattin."
"Du versteigst Dich;" unterbrach ihn der Prälat: "Nicht d e n k e n sollst Du an eine Gattin, die Du nimmer besitzen wirst."
"Nun denn," rief Dagobert lachend: "Ist mir die Liebe verboten, so ist mir doch die Freundschaft erlaubt. Nicht wahr, mein Bäschen?"
Fiorilla nickte heimlich lächelnd, und Dagobert ergriff seinen gefüllten Becher. "Auf gute Freundschaft denn!" sprach er schmeichelnd, und klang mit Fiorillens Kelchglas an. "Macht kein finstres Gesicht, Oheim! Wir ungehobelten Deutschen müssen einmal den Becher zur Hand nehmen, ob wir Frieden machen, Krieg beschliessen, der Minne oder der Freundschaft Bund heiligen. Wir wollen gute, gute Freunde sein, Bäschen Fiorilla, oder Blümchen! Aber selbst E u r e Launen trag ich nicht."
Fiorilla setzte das Glas mit lieblicher Geberde an den Mund, und während ihre Lippen nippten, ruhte ihr Auge seelenvoll auf des Jünglings blühendem Gesicht. Der Prälat rückte unruhig auf dem stuhl, und drohte der Italiänerin verstohlen mit dem Finger. Die Leichtfertige lachte, Dagobert stellte sich aber, als habe er es nicht bemerkt, und fuhr in lustiger Laune fort: "Ihr seid mir noch die Erklärung schuldig, bester oheim, wie es kommt, dass ich Wallraden hier zu Costnitz finde? Was führt sie her? In welcher Absicht ist sie hier?"
"O seht;" rief Fiorilla; "seht, wie diese Neugierde schon verborgne Teilnahme verrät."
"Sie kam auf meine Ladung, mich zu besuchen;" antwortete der Prälat dem Neffen kurz und gleichgültig. – "Eine Stiefmutter hat Euch Beide aus Eurem Stammhause vertrieben: ich halte es für Pflicht, Vaterstelle bei Euch zu vertreten, die der schwache Vater verliess. Indem ich Wallraden vor sechs Jahren mein durch Erbschaft mir zugefallenes Gut in Türingen überliess, gab ich ihr schon ein sorgenfreies Geschick, und behielt mir dafür nichts vor, als die Befugniss, ihr einen Gatten zu wählen, und diesen Gatten denke ich ihr hier zu freien."
"Das muss eine herrliche Ehe werden!" lachte Dagobert: "Lieber oheim, wählt nur ein recht frommes Schaf, das von Geburt an gewöhnt ist, mit Gebiss und Trense zu laufen, und alleine keinen Schritt zu tun. Wie heisst der glückliche, den Ihr der Sanftmütigen zugedacht?"
"Dem Spötter nenne ich ihn jetzt nicht," entgegnete der Prälat verletzt und hob durch sein Aufstehen die Tafel auf.
"'S ist auch gleichviel!" versetzte, Dagobert in obigem Tone: "Bedauernswert ist er, er heisse nun Adam wie der erste Mensch, oder Sylvester wie der letzte Tag im Jahre. Wohl bekomm ihm die Veränderung und der Hiobstand."
"Unerträglich!" murmelte der Prälat zwischen den Zähnen. Gemässigter aber fuhr er fort: "Ich habe noch einen Besuch zu machen, bei welchem ich Deiner Gegenwart entbehren muss, denn er gilt gerade Deiner Schwester. Es wird mich freuen Dich bald wieder zu sehen, und in schicklicherer Tracht."
"Verlasst Euch darauf," erwiderte der muntere Jüngling, nach dem Federhute greifend. "Im schwarzen Rock, mit Gürtel, Kragen und Kappe schaut Ihr mich nächstens wieder. Ich bin Euch gern gefällig, wäre gerne immer um Euch."
"Ich glaubs;" spöttelte der Oheim mit einem Seitenblick auf Fiorillen: "Du wirst aber ermessen, dass ich Dir keine Herberge unter meinem dach anweisen kann, weil mir