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Dagobert, dessen Blicken nichts entging, des echten Bruders grollendes auf Hans gerichtetes Auge ersah, da trat er in die Mitte, Reginen an der Hand, und sagte: "Was ich einst gelobte, will ich jetzt halten, so Gott mir hilft, und mein redliches Weiblein einstimmt. Dieses Kind eines unglücklichen Bundes, einer Schwester, die uns hasste und hassen wird bis zu Ende, .. es entgelte nicht die trübe Stunde seiner Geburt. Mein Sohn sei Hans, undwillst Du, meine Hausfrauder erste Sprössling unsrer jungen Ehe!" – Die liebliche Regina beugte sich, von Mutterahnung überrascht, zu dem Knaben nieder, und weihte ihn durch ihren reinen Liebeskuss zu ihrem Sohne. – Lobend und glückwünschend drängten sich die Ältern um das Paar; Ester zog aber rasch und stürmisch Vater und Bruder in das Seitengemach. – "Ich kann, ich darf dies Schauspiel nicht wieder sehen!" sprach sie mit bewegtem Herzen: "Ich fühle dann, dass ich nur bin ein schwaches Wesen von Staub. In Eurer Mitte lasst mich sein beruhigt und fröhlich in meiner Pflicht, und lasst uns entweichen aus Frankfurt, wo ich nimmer atmen kann!" – "Wir gehen, wohin mich ruft eines wackern Fürsten Gnadenstimme, gegen Innsbruck!" versetzte froh der Vater, die hände dankbar gegen Himmel hebend: "Ich bin wieder geworden ein schuldloser Mann, und von mir wird weichen Bann und Makel; ich halte wieder bei mir den verlornen Sohn, der in Busse und Not wiedergefunden hat Israel. Ich rühme mich einer Tochter, die erkannt hat, dass die leidenschaft demütiger sein muss, als die Liebe zu dem Herr, und der Lehre, in der wir geboren! Freude also in Israel und in den Zelten der Gerechten! Du, Ascher, wirst meinen Stamm fortpflanzen auf die spätsten zeiten, wie es taten die Voreltern, auf denen der Friede sei, und Du, mein Kind Ester, wirst den Lohn Deiner Tugend an der Hand eines rechtschaffenen Mannes aus Israel finden!" – "Nimmer, mein Vater;" erwiderte rasch, aber ernst und fest entschlossen Ester: "Nicht dem mann aus Edom, nicht dem Sohne Jakobs gehöre jemals Dein Kind. Ich will Dich pflegen, bis Dein Angesicht bleich wird, und dann erlöschen, einsam und ruhig, das schwör' ich bei Gott! Schilt mich nicht. Nur einmal blüht im Lenz der Baum, die Blume. Die Liebesblüte meines Frühlings ist dahin, kehrt niemals wieder. Die Erinnerung labe mich fortan, und des Wiedersehns Hoffnung. Freudig sehe ich zurück auf meinen Pfad, freudig und zuversichtlich in die Ferne. Dem hochgelobten Herrn bin ich treu geblieben, und i h n , den Freund, finde ich wiederglaubt mir's – unter den Palmen des ewigen Zions; seiner würdig ist geblieben meine Seele, und sie wird mit der reinsten Wonne ihn und die Gattin umschlingen unterm Klang der goldnen Harfen der Gerechten, – unter der Engel Hallelujah!"

Ende.