Regina's Hand bei diesem geständnis, und noch einmal erhob sich mit Sturmesgewalt eine Bewegung in seiner Brust, auf welcher sich der böse Geist, der in den Tiefen schlummert, herauf arbeiten wollte, zur Geschäftigkeit und Tat. "Du warst getäuscht!" raunte er dem erbleichenden Bräutigam zu: "Verraten und betrogen um Dein Lebensglück! Warum ist sie schon fern Fiorilla, die Lügnerin? warum Dir so nahe, – unauflöslich an Dich geschmiedet, die minder als Ester geliebte Regina? gibt es kein Mittel, zu ändern, was vorgegangen?" – Das Geflüster des bösen Geistes verstummte jedoch, und zurück wogte die finstre Welle, auf welcher er gekommen, denn Dagoberts Treue und Männlichkeit behielt den Sieg. Beruhigend und liebevoll blickte er auf Reginen hernieder, die, von Esters Bekenntniss erschreckt, mehr denn Dagobert, ängstlich das Haupt an seine Brust gelegt hatte, das Auge zu ihm emporgerichtet, als wollte sie fragen: "Mein Geliebter! wankst Du nun? bereuest Du nun? und bin ich die Deine noch, oder schon von Dir getrennt?" Er umschlang sie mit der Innigkeit eines wahren und redlichen Gefühls, drückte einen Kuss auf ihre Stirne, und wendete sich mit offnem gesicht zu Ester, die, in den Armen des Vaters liegend, mit wehmütiger Freundlichkeit nach ihm herüber sah. – "Seltsames Mädchen!" sprach er, ohne Vorwurf, ohne Bitterkeit: "Ich weiss nicht, soll ich Dir zürnen, oder Deinem Gedächtniss eine doppelte Liebe schenken? Bunt und täuschend schimmernd, wie eine Schlange, windest Du Dich zu dem Ziele der Tugend, und fürchtest nicht, einst zu bereuen?" – "Nimmermehr, mein teurer Freund, den ich also nennen darf, vor allen, die uns umstehen!" erwiderte Ester himmlisch lächelnd: "So wie wir geteilt haben die Liebe einer abwechselnd düstern und rosigen Zeit, also müssten wir auch die Reue teilen, und man fühlt diese nicht im Besitze eines reinen, schönen, tugendhaften Wesens, wie Eure Braut; man fühlt sie nicht in dem Bewusstsein erfüllter Pflicht. Glänzen nicht hier in jedem Auge Tränen der Freude und der Rührung? Zwei Väter, zwei Mütter segnen meinen Entschluss, und aus der schlechten Jüdin, die, hatte sie auch erschlichen durch die Taufe das Bürgerrecht in diesem haus, dennoch immer darin geblieben wäre eine Fremde, ist geworden auf einmal eine Freundin, ein geschöpf, das man duldet um ihres Gemüts willen. Ich kann nicht dankbar genug preisen den Herrn, der mir Stärke genug gegeben, auf mich selbst zu wälzen eine Schuld, um Euch, teurer Herr, zu bewegen, den Schritt zu tun, der, uns plötzlich auf ewig trennend, Eure Sinne zurückführen musste in den Kreis der Euern, Euers Standes, Eurer Pflichten. Ich wollte Euch nicht mehr sehen, und grollte fast mit dem hochgelobten Gott, dass er mich noch einmal in Eure Nähe geführt, weil ich zu stören glaubte, – nicht meiner Seele Frieden, der unerschütterlich besteht, – sondern Euer harmlos Erstlingsglück; allein nun benedeie ich Jehovah und sein Gesetz, da sie mir zum Lohne wieder finden liessen den schmerzlich beweinten Vater!" – Sie warf sich entzückt von neuem an den Hals Ben David's. – "Liebenswertes Mädchen!" rief Margarete, und umschlang, das Vorurteil vergessend, Ester's Nakken; "Wandle stets auf dieser Bahn!" ermahnte, ihre Hand ergreifend, die bewegte Edelfrau; "sieh hier mehr als eine Christin!" sprach Dagobert in seligem Entzücken zu Regina: "sieh hier eine Heilige!" Dieter trocknete sich, halb abgewendet, sein nasses Auge, und sagte: "Gott segne Euch, ihr armen, verirrten, verblendeten Menschen, die mir aber Gutes getan haben, wie Brüder, und Die ich schier lieben muss, wie solche! – Sprecht indessen! Ihr habt mir den Sohn wieder gebracht, die Lust meines Alters, so wie sein älterer Bruder der Stolz desselben ist. Ich bin nicht undankbar! fordert meine Habe! hin geb' ich sie Euch, mit Freuden für dieses Kleinod, das Ruhe und Heiterkeit auf ewige zeiten unter mein Dach zurückführt. Warum bin ich nicht der Mann, der das römische Reich bewacht und hütet? beneidenswert sollte euer los sein!" – Ben David lächelte, seine Kinder umschlingend, dass seine vernarbten Züge fast einen angenehmen Anblick gewährten. "Ehrsamer, Herr!" rief er froh bewegt: "bin ich nicht schon geworden ein gekrönter König, voll Ehren und Freude? Wer sieht mich in der Kinder Mitte, und beneidet mich nicht? Behaltet, Herr, eure Gaben, und lasst dafür fallen einen blick der Gnade auf einen Armen, der bis jetzt im Winkel gestanden ist, wie einer, der nicht zu den Fröhlichen gehört." – Er führte den armen kleinen Hans, der sich schüchtern hinter einen Sessel gezogen hatte, dem Grossvater zu, an dessen Halse noch der Wiedergefundne ruhte. Hans hatte die Augen voll Tränen, Schmerz auf den Lippen, und seine Händchen falteten sich bittend. "Verstosse mich nicht, Vater!" seufzte er: "und Du, mein gutes Mütterlein! was hab' ich Dir getan, dass Du mich nicht mehr ansiehst, um des fremden Buben willen, der mir ein bös gesicht macht?" – Fast beschämt bogen sich Dieter und Margarete schmeichelnd zu der gekränkten Unschuld hernieder; als aber