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dieses fest der Herzen durch die Kunde seiner Tat zu stören. "Gott segne meine Edelfrau!" sprach er in sich hinein: "Sie und ihre Tochter sind so selig, wie fast nie. Darum sollen sie auch nie erfahren, dass ihr Vater und Gatte blutig gerächt wurde. Weiss i c h ' s doch, und war doch die Tat gerächt." – Plötzlich schoss der Diener Eitel an ihm vorüber, riss die tür auf, und rief freudig: "Der Herr kehrt heim! Der gute Herr! welche Freude wird das sein!" – Dem Ankommenden strömte Alles entgegen, und alle Zungen sprachen zu ihm, und alle Augen strahlten ihm Freude zu, und alle hände legten dem von Lust und Überraschung Trunknen seinen Knaben, seinen Sohn in die zitternden Vaterarme. "Vater! Vater! bist Du's, und kennst Du das liebe Junkerlein aus Frankfurt noch?" fragte der wahre Johannes in seiner kindischen ausgelassenen Wonne: "Gelt! ich hab' Euch wiedergefunden, ihr meine Eltern? Gelt, ich bin gesund heimgekommen, und ich darf jetzt bei Euch bleiben? Ich muss nicht wieder zu Willhild, auf das Dorf, wo man die schlafenden Kindlein stiehlt?" – "Nein, nein!" beteuerte der begeisterte Greis: "Nicht mehr aus diesem haus, nicht mehr aus diesen Armen!" – Indem nun Dieter, vorschreitend, den um ihn gesammelten Kreis durchbrach, und vergebend und vergessend dem Schulteiss die Hand schüttelte, wurden hinter ihm zwei Gestalten sichtbar: ein Mann in wohlhabender Kleidung und ein verschleiert Frauenbild. – Dagobert erschrack heftig, denn der Mann war Joël, der Wechsler aus Lüttich, und unter dem bergenden Schleier konnte nur Ester atmen. Es schnürte ihm das Herz zusammen, während Margarete den Eheherrn nach den Fremden fragte. –

"Das Haus, in dem sie wohnten, brannte nieder, erklärte, sich entschuldigend, der Altbürger. Ihr Habe habe ich gerettet, und bot ihnen ein Unterkommen für diese Nacht, obschon sie sich sträubten, mir hieher zu folgen. Aber, – sehe ich recht? setzte er bei: Hier erst, guter Freund, erkenne ich Eure Züge. Beim Blitz, Ihr seid der Mann, dem ich das Geld gezahlt, das seinem Schwähervater zugehört, und diese Frau ...." – "Gottes Wunder!" schrie hier plötzlich Ben David auf, dessen bis jetzt die dem alten Erzählenden in der Freude ihres Herzens kaum erwähnt hatten, und der demütig hinter den Vornehmern stand: "Gottes Wunder! es ist nicht gewesen sein Geist ... er ist es selbst! Ascher! Ascher! mein Sohn! mein Sohn! sehe ich Dich wieder, ... und weg geschrieen, ... w i e sehe ich Dich wieder?" – "Vater! Vater! hochgelobter Gott in Deiner Gnade!" rief mittlerweile die Verschleierte, deren Verhüllung sank, deren Züge Ester's waren, deren Knie brachen, und welche hingleitete in des bestürzten Dagobert's Arm, sogleich unterstützt von ihrer glücklichen Nebenbuhlerin Regina. Dieser Auftritt wandelte die Zuschauer zu Stein, den Schulteiss ausgenommen, der, von Ester's Anblick beschämt, davon schlich aus dem saal, und ausgenommen Ascher, der auf seinen Vater zugelaufen war, und mit ihm, lebhaft und unterwürfig sich geberdend, einen wichtigen Zweisprach hielt in hebräischer Zunge.

"Ester! Tochter Ben David's!" rief Dagobert der Erwachenden in's Ohr: "Sage, Du hier? Du betrittst dies Haus?" – Die Augen öffnend, aus welchen die zärtlichste Liebe auf Dagobert strahlte, erwiderte die Liebliche, reizend selbst in der Blässe der Ohnmacht: "Euch, verehrter Herr, sollte ich noch einmal sehen; Zeuge Euers Glücks sein sollte ich; Euch finden musste ich im arme der Braut und der wonnevollen Eltern. So wollte es das Schicksal und der hochgelobte Gott, der noch einmal prüfen wollte dies Herz. – Aber," – setzte sie mit himmlischer Zufriedenheit auf Stirn' und Wange hinzu: "gepriesen sei seine Huld! Ich kann Euch offen sehen in's Auge, ohne neidisch zu sein auf Euer Wohl, und gut hat er's gemacht und recht in seiner unerforschlichen Weisheit!" – Wie staunend und sprachlos auch Dagobert und seine junge Gattin an den Lippen der Redenden hingen; – ihre Staunen, ihre Überraschung steigerte sich, da Ester in ihres Vaters arme flog, der gerade seinen wiedergefundenen Sohn gesegnet hatte; denn Ben David sprach: "Gesegnet sei der Herr, der meine Augen offen gehalten, dass ich sehe zurückkehren zu den schönen Hütten Jakobs den Verlornen, und preisen darf das los derjenigen, die ich liebe, trotz einem Sohne, weil sie nicht gefallen ist in die Schlingen der Abtrünnigkeit! Ist mir's jedoch gewesen wie ein Traum, dass man mir gesagt, Du seist vermählt, mein Kind! wo ist Dein Mann, Kind, dass ich ihn segne mit den Fingern meiner Hand und dem Spruche des Gerechten?" – Da blühte das geständnis des grössten Edelmuts, den je ein Weib bewiesen, in Purpurflammen auf Ester's Angesichte auf; und sie schüttelte ehrerbietig den Kopf, und beugte sich nieder vor Ben David, und ihre Lippe stammelte: "Bei dem Gedächtniss des Raaf! Ich bin Jungfrau, und unvermählt!" – Dagobert's Hand zuckte heftig in