vom Himmel herabfällt, plötzlich unerwartet in die Nacht des Grauens, wie ein duftiger Blumenkranz in ein düstres Verliess? wie ein erquickender Himmelstau auf die lechzende Flur? Margarete, die kräftige, starke Frau, erlag dem Übermaass der Wonne nicht, aber die Kunst des Malers, der es versuchen wollte, diesen Jubelauftritt zu schildern, würde unterliegen. Eine grosse Freude hat aber, wie ein grosses Leid das Eigene, dass sie beklemmend auf die Brust derjenigen fällt, die nicht auf's innigste teil nehmen an dem Freudevollen. Also auch hier. Die meisten der Anwesenden zogen sich in entferntere Gemächer zurück, oder verliessen das Haus, da das Getöse auf den Gassen nachliess, und nur die eng Befreundeten blieben wohlwollend darin zurück, wie ein kleiner Hofstaat die glückliche Mutter umgebend, die den Tron der reinsten Zärtlichkeit bestiegen hatte. Aber weder Margarete, noch die Zeugen ihres Glücks bemerkten, dass draussen Alles ruhiger wurde, dass Hornklang, Glockenschall und Trommelschlag aufhörten, .... niemand bemerkte, dass ein Gast in die stube getreten war, bis derselbe sich selbst ankündigte. Dagobert, Margarete und alle Umstehende staunten, denn es war der Schulteiss. Mit einem edel ritterlichen Anstande näherte er sich der Gattin Dieter's, hengte sich auf ihre Hand, sie küssend, und redete: "Ich war nur Willens, ehrsame Frau, hier einen Becher Weins zu heischen, – ein Labsal, das Ihr gewiss dem ermüdeten Feinde nicht versagt haben würdet, ... allein, zum Zeugen dieses rührenden Auftritts geworden, – wäre, ich in Versuchung, Euch um Verzeihung vergangner Unbilder zu bitten, wenn ich wüsste, dass mir diese Vergebung nicht entstehen möchte. Ich war ein tor, ein böser Tor; ich habe Euer Unglück für Schuld, Eurer Jugend leichten Sinn für Tugendlosigkeit gehalten; .... doch ich bereue, ich sehe Euch nun rein, wie den Tautropfen im Blumenkelch vor mir; und die heutige Nacht, die durch ihre drohenden Schrecken auf's Neue alle biedern Bürger an einander schloss zu gemeinschaftlichem Streben, gibt mir den Mut, mit Zuversicht Euch mein geständnis abzulegen. – Reicht mir die Hand, Dagobert. Vergesst, und werdet mein Füsprecher bei Euer Mutter, bei Eurem Vater, der sich heute durch seinen Eifer, seine Tätigkeit meine höchste Bewundrung und den Dank der Vaterstadt errungen." – Welcher Augenblick wäre zur Versöhnung geeigneter gewesen? Dagobert reichte fröhlich dem Ritter die Hand, und Frau Margarete lispelte mit niedergeschlagnen Augen: "Ich habe Euch nie gezürnt, gestrenger Herr. Ich beklagte nur Eure Verblendund, und bin erfreut, dass Ihr mir Eure Hochachtung ferner nicht versagt. Wo ist aber mein Eheherr? fragte sie lebhafter, den Knaben an sich drückend: Wo weilt er? Ihr spracht von drohenden Gefahren? Sind sie vorüber, oder? ..." – "vorüber;" erwiderte der Ritter beruhigend: "vorüber durch die redliche Hochherzigkeit einer schlichten Magd, die unter dem härnen Kittel ein Gemüt voll Adel bürgt. Ohrenzeuge einer Verschwörung geworden, die Leben und Habe aller Bürger, – die Eure vor allen – betraf, wollte sie, was sie gehört, entdecken. Teuflische Schadenfreude am Bösen trat ihr hinterlistig in den Weg. Die arme Dirne konnte aus einem Kerker, in den man sie gesperrt, nicht entwischen, als in den letzten Augenblicken vor der bestimmten Stunde des Verbrechens, wo es ihr gelungen war, ihre stimme Andern vernehmbar zu machen. Die Tücke ihrer Gegnerin, – einer Klosterfrau, leider diesem haus befreundet, – kam schnell an den Tag. Die Oberin liess die Strenge walten, und hat die Unverbesserliche zu ewiger Clausur verdammt. Für die Welt, der sie nur schaden wollte, ist sie verloren. Indessen, rief Judit, die wackre Magd, mich und die Bürgermeister aus dem Schlummer; mit uns die Stadt. Gott hat gnädig den Schild vor uns gehalten. Viele verdächtige Gesellen fielen in unsere hände. Ein Schiff, angefüllt mit andern, entkam auf dem Strome. Einen abscheulichen Rädelsführer hat die Vehme gerichtet; einen andern, bis zur Unkenntlichkeit von Rossen und Menschen zerstampften Leichnam fand man auf der Strasse. Mit der grössten Wachsamkeit konnte man dennoch nicht verhüten, dass ein Haus, von Messfremden grösstenteils bewohnt, von dem mord- und raublustigen Gesindel mit Feuer angestossen wurde. Dort, begriffen zu löschen, zu retten und zu schirmen, befindet sich Euer Gemahl, ehrbare Frau. Bald wird er heimkehren, seine Bürgerkrone, Euch zu Füssen zu legen, und sich mit den Freuden des Wiedersehens seines Sohns zu bekränzen. Glück auf! aber auch Dank dem Biedermanne, der also sein Unrecht gut gemacht, und vergessen an der tür steht, wie ein Fremder. Komm näher, David, den ich wohl erkenne! fürchte nichts! Der Bann soll von Dir genommen werden, und, dies bewirkend, will ich beweisen, dass ich's fürder redlich meine mit diesem haus und seinem Frieden." – Die Zuhörer, die bisher der Rede des Schulteissen mit ängstlichem Schauer gelauscht hatten, verklärten nun ihr Antlitz zum Lächeln der Zufriedenheit und beeiferten sich um die Wette, dem Juden, dem die innere Gemütsbewegung auf dem unschönen gesicht stand, die redlich verdiente Dankbarkeit durch Wort und Handschlag zu beweisen. Sogar Ammon, der an der tür lauschte, fühlte sich davon ergriffen, spürte eine Träne in seinem Auge, und hätte es nicht über sich gewinnen können,