, wie mich geboren hat die Mutter;" erwiderte Ben David, und griff nach des Jünglings, Hand, wie ein Freund nach des Freundes Hand. – Aber Dagobert wies die dargebotne Rechte erschrocken zurück, und fragte dringend und ängstlich: "Mensch! Was willst Du hier? Du bist gebannt; zittre vor Deiner Strafe; und fliehe, fliehe, armer Mensch! Dein Gesicht ist gekommen, um mir den heutigen Abend vollends zu trüben, und kein Glück bringt Dir dieser gang!"
"Weh' mir! weh mir!" seufzte Ben David beklommen, faltete die hände, und sah hierauf wehmütig und bekümmert in das Gesicht Dagobert's: "bin ich gekommen darum, dass ich empfangen werde also mit Schmach und Verweis? Ist das ein Willkomm für den Schwäher, für den Vater Eurer Braut?" – "Meiner Braut?" fragte Dagobert noch staunender. – "Hab' ich doch lassen rufen Euch, damit nicht erschrecke mein Esterchen vor meinem laugen Bart, in meiner zerlumpten Kleidung," fuhr Ben David fort: "Hab' ich doch geglaubt zu finden in Euch ein menschlich Herz; aber jetzt werdet Ihr mich führen zu meiner Tochter, damit ich sehe, ob sie verlernt hat jede Liebe zu ihrem Ette, jede anhänglichkeit an das Gesetz, das sie verlassen." – Mit der Zudringlichkeit, die seinem volk und der leidenschaftlichen Bewegung eigen ist, wollte Ben David neben Dagobert vorbei in das Gemach dringen; der junge Mann, der jetzt erst den Missverstand begriff, hielt ihn stark aber mitleidig zurück. – "Halt ein, Unglückseliger!" rief er: "Du bist im Irrtum, obgleich im Verzeihlichern." – "Nicht?" stammelte verblüfft der Jude, und hielte inne, schlug die hände über dem Kopf zusammen, und setzte hinzu: "Nicht? unglücklicher Vater!" – Hierauf verklärte sich aber plötzlich sein Gesicht, wie zum Danke erhoben sich seine arme, und ein: "Nicht? Gelobt sei Gott, der hochgelobte Herr und König!" entschwebte seinem zitternden mund. – Dagobert betrachtete ihn, mit bittern Gefühlen kämpfend, und Ben David ging bald aus seiner freudigen Erschütterung in eine unangenehme über. – "Wer weiss," murmelte er vor sich hin .... "wer weiss, ob es nicht also ist geworden schlimmer? Sagt mir, gnädigster Junker," sprach er laut, den Saum von Dagobert's Rocke küssend, – "sagt mir, wo Ester ist gekommen hin? Vielleicht wär' es doch gewesen besser, sie hätte geschlossen mit Euch den Bund, als" .... – "Beruhige Dich!" versetzte Dagobert der ein bittres Lächeln nicht unterdrücken konnte: "Sie ist Eurer würdig geblieben. Sie ging mir voraus in der Ehe, und Lüttichs reichster Jude, Joël ist ihr Mann!" – Überrascht und zweifelnd starrte Ben David den Jüngling an; da er aber in dessen Augen Wahrheit keine Falschheit las, so verkehrte sich schnell sein Trübsinn in jubel, ausser sich voll Freude fiel er vor dem Junker auf die Kniee, und jauchzte: "Heil sei Euch, Herr, und der Segen des hochgelobten Gottes in Israel. Dank dem Propheten Elias und dem Fürsten der Barmherzigkeit, die gnädig regiert haben das Herz meiner lieben Ester, die ich nun mit Freuden nenne mein eigenes liebes Kind. Also belohnt der Herr die Treue, die an ihm hält fest wie Eisen und Gold. Ihr hättet mir geben können alle Kronen von Perl und Edelgestein, und sie hätten nicht also erquickt mein Herz und meine Augen, als Eure Worte es getan. Gern will ich sein ein schlechter Jude und unter Euern Schuhen der Staub, weil es also gekommen ist; gern nicht mich brüsten, mit dem Namen Eures Schwähervaters und ohne mein Kind in Pracht und Herrlichkeit zu sehen, umsonst gekommen sein zur Hochzeit. Doch." fügte er, sich besinnend, hinzu: "Nein! umsonst bin ich nicht da, gestrenger Junker." – "Du meinst des Geldes wegen, das Dir der Herzog schuldete?" fragte Dagobert, der hinter Davids Rede jüdischen Eigennutz witterte. "Das Gold hat Deiner Tochter Gatte, Joël, schon empfangen." – "Recht!" erwiderte David ruhig: "ist's doch meines Kindes Erbteil, von dem ich nicht gesprochen, da ich einen grösseren Schatz trage auf meiner Brust, – die Haarlocke meiner Ester, für welche ich einst verraten habe mein letztes verstecktes Geld an den grausamen Zodick; ein Kleinod, das mich ermannt hat in jeglicher Gefahr, das mich geführt hat wie Zauberwerk durch jedes Elend; köstlicher denn Gold und Geschmuck, das mir der hochgelobte Gott gesendet hat durch die Hand des Bösen, wie seine unerforschliche Klugheit heilt durch Gift und reif macht durch Kummer, Mühe und Last. Nein, Herr! ich habe nicht geredet, von dem Gelde des Herzogs, – ich habe nicht begehrt ein Geschenk von Eurer Freigebigkeit; ich bin gekommen zu bringen ein Geschenk für Euer Haus und Euer Hochzeitfest. Ich habe vermeint, zu schmeicheln den schmutzigen hebräischen Schwähervater ein in das Haus der Hochzeitfreude; aber, – ist mir gleich dieses verwehrt, – so wird sie doch angenehm sein, des Landstreichers Gabe, und übersehen lassen sein unhochzeitlich Kleid, und ihm erwerben ein verschwiegen Obdach in Euerm haus." – "Eine Gabe? Du?" fragte halb