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ist Feuer! schrie Alles, und die Männer, besorgt für ihr Hab und Gut, machten sich bereit, dahin zu gehen, wo ihre Gegenwart erforderlich sein möchte. Auch Heer Dieter säumte nicht, seiner Schöffenpflicht zu gehorchen, die ihn zum Mittelpunkte der Gefahr rief. Vergebens waren die Bitten Margaretens, umsonst die Vorstellungen des Sohns, der sich erbot, an seiner Statt auf den Römer zu eilen, und für ihn einzustehen in der gefährlichen dunkeln Nacht. – Der unbeugsame alte Mann hatte zu viel Eifer, einen all zu hohen Begriff von seiner Würde, als dass er hier sich hätte überreden lassen können; er ging, und liess seinem Dagobert noch obendrein den Befehl zurück, als Schirmvogt im haus zurück zu bleiben, und für das Wohl der Frauen besorgt zu sein. Darauf ging er hinweg, und wollte kaum dem Edelknecht von Hülshofen, den Dagobert zum Beistand aufgefordert, erlauben, an seiner Seite zu bleiben, damit er unversehrt wieder nach haus kehre. Das Hochzeitaus gewann nun ein ganz anders Ansehen. Das Gesinde wurde ausgeschickt, und nur einige rüstige Knechte zur Hut der Pforte zurückbehalten; die zurückgebliebenen Frauen hatten sich in einen dichten Kreis um Frau Margareten, die Frau von Dürningen, und den Pater Johannes gedrängt, der am Morgen selbst die Trennung verrichtet hatte, und nun all seine Beredsamkeit aufbieten musste, um seinen ängstlichen Zuhörerinnen nur eine Quelle des Trostes zu eröffnen. In dem Erker stand Dagobert, unruhig nach dem Himmel blickend, ob er sich nicht von Brandglut röte, oder niederschauend nach dem unfernen Liebfrauenberge, wo die Reisigen der Stadt ihre Rosse tummelten, und des Lärms viel war. Seine junge Gattin stand neben ihm, seine Hand in des Geliebten Antlitz, nach dem Zustande seines Gemüts. Da fiel ein blick der Liebe aus des jungen Mannes Auge auf die Bräutliche, und er sprach mit zarter stimme, ihre Wange streichelnd: "Sei nicht also beklommen, gute Regina. Es scheint zwar ein gewaltig Unheil die Stadt zu bedrohen, oder schon betroffen zu haben, aber die Bürger von Frankfurt sind ein starkes Volk, zusammenhaltend wie an stählerner Kette, und Brust an Brust zu einer Mauer reihend gegen den gemeinschaftlichen Feind. Da prallen denn gewöhnlich auch die Pfeile des Unglücks machtlos ab, findet sich in der dräuendsten Gefahr. Darum fasse Mut. So lange mein Am Dich umschlingt, soll Dir nicht Brand, nicht Feind Schaden zufügen." – Er umfasste sie liebreich, und zog sie an sich, die sich ihm anschmiegte, wie ein vertrauendes Kind. Sie hob die hellen Augen zu ihm empor, lächelte sanft, und erwiderte: "Bei Euch, lieber Herr, fürchte ich auch nichts, was von Menschen kommt. Aber, – sollte diese unbegreifliche Störung, die unsre Hochzeitfreuden zerstört, – sollte sie nicht eine Vorbedeutung sein von mehrerem Unheil, das unsern neuen Stand betreffen soll?" – "Gott verhüte, mein Kind, dass solcher Wahnglaube Wurzel in Deinem Herzen fasse;" sagte Dagobert ernst, wiewohl milde: "Da führtest dann selbst den Feind in unser stilles Hauswesen. Lass' dem volk seinen Aberwitz, und vertraue auf Gott, der nicht mit seinen Kindern ein mutwilliges Spiel treibt. Liebst Du mich herzlich, so wie ich Dich, so werden wir stets glücklich sein". – "Dann müsst Ihr mich aber auch stets lieben;" hob Regina wichtig an. – "Nun freilich;" lachte Dagobert: "Wie könnte ich anders, meine Königin?" – "Ach, ich glaube euch so gerne;" versetzte Regina mit leisem Seufzer, und dennoch nicht ohne Schalkhaftigkeit: "aber ich habe mir schon meine eigenen Gedanken gemacht, und ich darf sie Euch jetzt gestehn, da Ihr ... da Ihr mein Herr seid." – "Du m u ss t sogar;" schaltete Dagobert scherzend ein, und fasste die Erglühende beim Kinn, dass sie ihm nicht den Anblick ihrer lieblichen Schönheit entziehe. "Rede also zu Deinem Herrn." – "Dass Ihr um mich geworben, guter Dagobert," – fuhr Regina nach kurzem Innehalten ermutigt fort, – "das, das war mir lieb, sehr lieb sogar; – aber, dass es so schnell gekommen, dass dieses Werben sich so dringend ausgesprochen, das liess mich im Stillen befürchten, Euer Gemüt möchte noch nicht ruhig, und jenes Bild, das Euch einst verzaubert hatte, noch darin geschäftig sein. Mir war's, als ob ich das Mittel sein sollte, das der Leidende auf's Ungefähr ergreift, ob es ihn vielleicht gesunden mache, – das er jedoch, lindert es seine Qualen nicht, unmutig wegwirft." – "Ach, mein verehrter Herr, und lieber Dagobert," – fuhr sie, da ihr Gatte lächelnd, aber schweigend, ihr in das liebliche Antlitz sah, – fort, "wenn Ihr je mich also wegwerfen könntet, – wenn jemals eine Zeit kommen sollte, in welcher Ihr Euch sagtet: O, dass ich sie doch nicht gesehen, nicht gefreit hätte! O, dass doch die Andre mein wäre, die ich unsäglich liebte, und die jetzt noch mein ganzes Herz erfüllt! das wäre ein Unglück, lieber Herr, und ich wollte dann lieber des Vetters Schwarzbach Hausfrau sein, von dem ich schon am Altare wusste, dass er seinen Bärenfänger mehr liebt, als Weib und Kind." – "Seht doch,