helft ihr Freunde!" – Aber die Freunde blieben scheu und untätig, weder Himmel noch Hölle tat zu des Frevlers Gunsten ein Wunder, und der heftige Dolchstoss, den seine erprobte Faust mit aller Gewalt auf die Brust des Anführers der Verhüllten führte, brach sich an dem Panzer, den dieser trug. Ein heftiger Schlag schleuderte ihm die Waffe aus den Fingern, und eine feste Schlinge flog um seinen Hals, und riss ihn, seine Kehle zuschnürend, zu Boden. – "Genade Dir Gott, Missetäter!" riefen die Trabanten der heimlichen Acht, und schleppten den ohnmächtig widerstrebenden vor die tür. Vor ihrem Anblick flohen die übrigen Gäste, –bisher neugierige Zuschauer, zur Pforte und Gasse hinaus. – "Macht geschwinde!" herrschte der Schöffe seinen Frohnen zu: "Henkt ihn auf." – "Wohin, Herr?" fragten diese. – "Knüpft ihn an den Kettenhaken neben der Tür!" befahl der Schöppe kalt; und dies Todesurteil brachte den halb bewusstlosen Mörder zu sich selbst. – "Gott! hochgelobter Gott!" stöhnte er, ausser sich: "Ich bin doch unschuldig! Ihr Männer! ich bin unschuldig." – "Du bist verfehmt," erwiderte der Schöppe: "und all ist zu spät. Gott genade Dich." – Schon ward der Strick um den Haken geschlungen. – In wütiger Todesangst brüllte Zodick: "Ich gehöre nicht vor Euer Gericht. Ich bin ein Jude, des Kaisers Kammerknecht ....!" – "Wardst Du nicht getauft, abtrünniger Hund?" riefen die Frohnen: "Fahr' hin!" – Der Elende schwebte in die Höhe. All' seine Glieder strebten an gegen den hart einbrechenden Tod, ... seine erstickende Kehle schnappte nach Luft, sein Mund versuchte noch den letzten Fluch, aber unter dem dumpfen: "Fahr' hin! Zeter! fahr' hin! genade Dir Gott!" stockte das verhasste Leben und der Grässliche war nicht mehr. Die Frohnen streckten ihn aus, der Schöppe stiess sein Messer in den Türpfosten, und alle entfernten sich eilig durch die verödete Gasse – denn alle Gäste der Schenke hatten die schnellste Flucht ergriffen vor den Vollstrekkern der gefürchteten heimlichen Acht. Die zum Mordbrand Verschwornen, sammt ihren Söldnern und Gesellen hatten sich nicht minder, von blindem Schreck gejagt, nach allen Seiten hin zerstreut. Der Unbändigste und Frechste aus ihrer Mitte war vom schnellen Tod dahingerissen worden, den seine frevelnde Zunge gerade herbeigerufen, – und Jeder der Übrigen war sich mancher schweren Schuld geheim bewusst. Die Spannung der Trunkenheit war gewichen, die Erschlaffung der Kräfte und die Pein des Gewissens war zurückgeblieben. Ohne ferner an die Verübung des grässlichen Mordplans zu denken, irrten die Teilnehmer desselben in den Gassen der Stadt umher, und ihre Furcht wuchs mit jedem Augenblicke mehr heran, denn mit Staunen und Herzklopfen hörten sie, wie plötzlich, rasch hintereinander alle Glocken auf den Kirchtürmen wach und lebendig wurden, wie die Wächterhörner von den Zinnen bliesen, laut und dringend, wie das Gämperlein1 läutete, die Schnurre durch die Strassen lief, wie die Trommel vor dem und Quartier der Söldner wirbelte und die Trompete die Reisigen zu dem Sammelplatze rief. Lichter und Laternen wurden allentalben ausgesteckt, in allen Häusern wurde es hell und lebhaft. Die Zünfte, Rotten und Fähnlein der Bürger und Söldner strömten zusammen auf ihren Lärmplätzen. Die Bürgermeister mit den Bannern, den laufenden Gesellen und den Zünften der Altstadt hielten auf dem Samstagsberge und vor dem Falkenstein; in der Neustadt riefen die Hauptleute vor St. Marten und Katarina die ihrigen auf. Der Schulteiss jagte zu Pferde, wie ein Wütender zu seinen Reitern auf dem Liebfrauenberge; und nach Sachsenhausen hinüber der Oberstrichter, um dort den Befehl zu übernehmen, und die verdächtigen, daselbst gelagerten Ägypter zu bewachen und zu beobachten. Um die Verbindung mit der Stadt zu unterhalten, blieben die Brückentore offen, wiewohl mit Wachen und freiwillig herbeieilenden Bürgern besetzt; denn es hatte sich das Gerücht verbreitet, die Stadt sollte mörderisch angestossen werden mit Feuer und Schwert, und jeder zitterte für seine Habe, und jeder entbrannte in Begierde, für das gemeine Wesen sein Schwert zu ziehen. Die vielen Fremden, aus dem Schhlummer aufgeschreckt durch das Getöse und die Besorgniss ihrer Wirte, hatten sich, in Landsmannschaften geteilt, und bewaffnet, um ihre Niederlage versammelt; streifende Rotten von Spiesknechten durchflogen die Strassen, aufgreifend Alles, was verdächtig schien, und vor dem Römer glimmten die Lunten der Hakenschützen, kampf- und streitfertig. Noch suchte jedoch das Auge der Gewarnten und Gerüsteten vergebens den bewehrten Feind. Er hatte die Waffen weggeworfen und. irrte vermummt und verzweifelnd über Plätze und Gassen, das Dunkel suchend, und einen rettenden Ausweg. Dieser letztere war aber nicht zu finden, und so mussten die Verschwornen sich begnügen, einen Schlupfwinkel für den gefährlichsten Augenblick zu erspähen. Am Schlimmsten war daran der von Leuenberg, in dessen Gehirne noch der Taumel des Weins tobte, während seine Füsse Blei waren, und der Hornberger, der mitleidig bei ihm aushielt, alle Mühe hatte, ihn mit Gewalt von der Stelle zu schleppen. Zodick's Hinrichtung hatte den fürchterlichsten Eindruck auf ihn gemacht, und er sah sich selbst schon unterm Schwert des Nachrichters. So prahlend seine Zunge sonst gewesen, so feige war sie jetzt, und er hätte sich zum Mönch scheeren lassen um den Preiss seiner Rettung. Aber diese Rettung war ihm nicht beschieden.