am letzten: ich mit meinen hellen Scheinlingen, oder Ihr mit Euern trüben. Ich und meine Gesellen, und diese guten Freunde, wir werden noch immer tun müssen das Beste." – "Pest und roter Hahn!" polterte Leuenberg dazwischen: "fröhlich gelebt und fröhlich gestorben ..... wie heisst das Sprüchlein, Bruder Hornberg?" –
"Lass mich doch ungeschoren mit Deinem Possenschwank!" antwortete ihm der Hornberger, eine Kanne leerend, und damit auf den Tisch klopfend: "Ich weiss ein bessres Liedlein: 'Firnewein vor der Schlacht, hat viele, zu Helden gemacht!' und so wollen wir's heute halten. Donner, Strahls Hagel und Gewitter! keine halbe Stunde mehr, und der Tanz geht los. Bis hieher haben uns alle Heilige bewahrt und geschirmt. Von all den Stadtschurken, die uns vorgekommen sind, hat uns kein einziger gekannt, – nicht mich, der ich mit der Stadt meine Späne haben, – nicht den Reiffenberg, der hier so viel schuldig ist, dass er von dem Gelde sein verfallnes Dach mit Goldgulden decken, und seinem Hof damit pflastern könnte; – nicht den Leuenberg, der im Stadtbann liegt, er weiss wohl, warum ...?" – "Nicht einmal den verfluchten Judenchristen hier haben sie erwittert;" fiel der Leuenberg ein, – "ob er gleich von Stadt, Kaiser und Reich verfehmt und geächtet ist." – Zodick lachte pfiffig. – "Wisst ihr, ihr Herren," sprach er: "woher das kommt? weil ich mir nie getrunken habe einen Rausch, weder im Wein, noch im Früsselhannes. Nüchtern sein, ist klug. Für den Groschen, den hinauswirft der trunkne Mann, gewinnt der nüchterne ein Pfund." – "Pah!" rief der von Leuenberg: "wie könnte, auch ein Jude fröhlich sein, wie ein christlicher Rittersmann. Gebt dem Gelichter 'ne Zwiebel, schimmlich Brod und faul wasser; glücklich ist's dabei, wenn es nur Münze zusammenscharren mag." – "Dass Ihr doch lahm würdet, verfluchte Gojim!" murmelte Zodick in den Bart, während er, es zu verbergen, sich unter den Tisch bückte, als wollte er ein Messer aufheben. – "Lasst doch den Friedrich;" brummte der Hornberger: "der ist ein Christ, so gut wie einer, und wer ihn schimpft, hat's mit mir zu tun. Aber, Donner und Teufel! wo steckt der Wirt? Vergebens klopfe ich seit einer ewigen Frist nach einer frischen Kanne, und doch ist zu Frankfurt mehr des Weins in den Kellern, als wasser in den Brunnen! Heda! eingeschenkt!" –
Vergebens mahnte der vorsichtigere Zodick ab; Hornberg polterte aus allen Kräften mit den Kannen auf den Eichentisch, bis endlich Brändling erschrokken zur tür hereinsprach. Der Mann hatte zwar in der Freude über Heinrichs willkommne Botschaft, so wie in der heimlichen Seelenangst vor der kommenden Nacht, ebenfalls viele Schlucke über den Durst getan, und wankte unsicher auf seinen Beinen umher, aber die sorge für die Sicherheit seines Hauses und seiner Gäste verliess ihn selbst in diesem Zustande nicht. "Um der ewigen Barmherzigkeit willen!" rief er: "Ihr Herren macht doch nicht des Lärmens so viel. Die Trinker in der stube werden aufmerksam werden, und wissen wollen, wer dahinten also rumort. Und denkt 'mal; wer Euch also sähe, bewahrt und bewaffnet, wie Ihr seid ...." – "Halt's Maul, Hund!" fuhr ihn der Hornberger an: "Schenk ein: wir sind die Herren, Du der Knecht, und nicht lange währt's, so haben wir ganz Frankfurt unter unsrer Sohle. Schaff Wein herbei, und sei nicht lässig im Dienst, sonst schneide ich Dir, – Gott verdamme meine arme Seele,– für jede Kanne einen Kerbstrich in Dein Hundeantlitz, dass Du aussehen sollst, wie ein bemalter Turnierpfahl. Wein, Schurke! Wein! wasser unter'n Wein! wasser darunter!" flüsterte Zodick dem erschrocknen Brändling zu, welcher verblüfft seinen Abtritt nahm, und bald neuen, sehr getauften Weinvorrat brachte. Mit ihm trat ein Knecht des Reiffenberg in die stube, auf welchen alle neugierig losgingen und taumelten. "Sieh da, Eckart!" fragte sein Herr: "Wie ist's? wie steht's? was bringst Du?" – "Alles ruhig, ihr Herren;" meldete der Knecht: "die Leute alle auf ihrer Stelle im Hinterhalt. Ich gab noch den Befehl, dass keiner von ihnen sich unterstehen solle, etwas zu beginnen, bevor Ihr nicht mit Euern Freunden an ihrer Spitze seid. Sie erwarten das Zeichen ungeduldig." – "Wahrlich nicht mit grössrer Ungeduld als wir;" antwortete der Hornberger: "Gewitter und Strahl! will denn die Zeit stehen bleiben? Sag an, Bursche: welche Stunde ist's?" – "'s muss im Augenblicke Zehne schlagen;" antwortete der Knecht: "in Sachsenhausen drüben riefen die Wächter schon die Stunde ab, doch pflegen sie's stets früher zu tun, als hier herüben die Glocke schlägt." – "Ei, so lasst uns die Krüge leeren!" sprach der Hornberger: "Gott sei gelobt; wir stehen am Ziele." – "Krüge, aus, Waffen an!