1827_Spindler_093_318.txt

und Gut für heim

gefallen ihrem Herrn von dem sie zu Lehen rüh

ren, oder der heiligen Kirche, sein Weib eine

Wittib, seine Kinder Waisen!

Der heimlichen Acht Bannfluch auf Haut und Haar.

Der arme Heinrich erlebte eine üble Nacht auf dem Spreusack, den die Hand des mitleidigen Vetters ihm zugeworfen hatte, um sich bequemer auf den feuchten Boden des Kellers zu betten. Der Vorfall des Abends schien dem geschreckten Knaben nur ein Fieberbild, wie uns der unruhige Schlummer zuweilen vorführt, allein zu bald nur erinnerte er sich an die Wirklichkeit des Gräuelauftritts, indem er in der Stille der Nacht sich nach und nach aller Reden wieder erinnerte, welche von den bösen Gesellen geführt worden waren, und die er von Anbeginn alle vernommen, ob er gleich in der Todesangst es geläugnet; denn er war kurz nach dem Eintritt der furchtbaren Männer erwacht, und hatte sich, von einer dem Knabenalter sehr gewöhnlichen Scheu ergriffen, nicht getraut, seine Anwesenheit kund zu geben, und mit Herzklopfen den Augenblick erwartet, in welchem die Schrecklichen gehen würden, bis ihm das Entsetzliche ihres unverholen ausgesprochenen Vorhabens einen tiefen schmerzlichen Seufzer ausgepresst. Und betrübter noch seufzte er jetzt in seines Kerkers Einöde, weil er Klugheit und Gefühl genug besass, um das Verderben, das über die Stadt verhängt worden, zu würdigen, und das jammervolle Schicksal der zum Tod bestimmten Bürger voll inniger Wehmut beklagte. Und der grässliche Eid vollends, den er geschworen, den ihm der Vetter selbst noch dringend an's Herz gelegt; den er seinem Glauben und Gewissen zufolge, nicht einmal dem Priester im Beichtstuhle entdecken durfte, um nicht hienieden elend zu sterben, und jenseits auf ewig zur höllischen Flamme verdammt zu sein! Der Knabe litt unaussprechlich, und zu diesen Seelenleiden noch körperliche Angst. Wenn ein Luftzug durch das hoch gelegne Luftloch hereinstrich, glaubte er das mordgierige Schnauben Zodicks zu vernehmen; wenn eine Ratte an den Riegeln und Angeln der tür emporkletterte, fürchtete er die Annäherung seiner grausamen Feinde zu hören. Seines Vetters Gestalt sogar, die sich früh und Mittags zeigte, um den kleinen Gefangenen Atzung hinzustellen, beruhigte seine aufgeregten Sinne nicht. Er wusste ja leider, dass sein Verwandter selbst zu der abscheulichen Rotter gehörte; er durfte argwöhnen, dass vielleicht in der nächsten Stunde der entartete Mann selbst die Hand zu seines unschuldigen Vetters tod bieten möchte. Und näher und immer näher schlich schon wieder der Abend, und näher und näher kam die Zeit des Verderbens, und er, der um Alles wusste, musste schweigen, an Schwur und Kerker gefesselt! – Da wurden hastige Schritte in dem Vorgewölbe hörbar: geschäftige hände riegelten auf und drehten den Schlüssel der tür behende, und Brändling, blass und verstört rannte in den Keller. Der erschrockene Knabe, nur seinen Tod ahnend, floh in die Ecke des Gewölbes, aber Brändling beruhigte ihn durch Wort und Geberde, indem er zu ihm sprach: "Guter Vetter, lieber Heinrich! Du warst von jeher ein wackrer Knabe und Verwandter, und nicht meine Schuld ist's – du weisst es wohl, – dass Du hier sitzest, gleichwie in der Löwengrube. Zürne mir darum nicht, und tu' mir das zu Liebe." – Der Knabe war bereitwillig, und Brändling fuhr fort: "Ein schlechter Mensch von meinen Zechgästen hat den Weinstecher Veit verraten, dass ich dann und wann, stummen Wein ausschenke. Du lieber Gott! in der Zerstreuung geht wohl manchmal dergleichen vor, und ich habe nicht 'mal recht gewusst, dass ich ein unklar Fass im Keller habe. Veit war aber da, er hat's gefunden und ist hinweg gegangen, mit der Drohung, noch heute' den Stöckerknecht zu schicken, dass er das Fass abhole und vor dem Römer auslaufen lassen. Bedenke Henrich, – welche Schande, ... welcher Anlass zu andern Entdeckungen! Wenn Du nicht hilfst, so kann mich's heute an den Galgen bringen. Veit ist mir nicht hold, aber Dir, mein Neffe und Söhnlein, den er aus der Taufe hob, um desto mehr. – Deine selige Mutter war ihm lieb und wert, undnunes wird schon alles gut werden, wenn Du stracks zu ihm laufen, und für mich eine Fürbitte einlegen wolltest. Nur den Stöcker lasse er zu haus, und zahlen will ich, was er will, – M o r g e n schon bezahlen, – und den Wein vertilgen im Geheim. Willst Du, mein Söhnlein?" – Heinrich bejahte gütmütig. – "'s ist jetzt die beste Zeit," sprach Brändling weiter: "die Wüteriche sind nicht daheim, bis auf einen., der oben in der Giebelkammer faullenzt. Es sieht dich Niemand fortgehen, und zurück bist Du, ehe und ohne dass dich eine Seele bemerkt. Aber, – Heinrich, – gutes Kind, denke an Deinen Eid, und an Deine ewige Seligkeit, und plaudre an keinem Menschen aus was Du Unglückseliger vielleicht gehört!" – Heinrich gelobte es noch einmal in des falschen Mannes Hand, und entrannte, wie ein flüchtiges Reh, dem unbequemen Kerker. – Die Sonne neigte sich zum Untergange, und des Paten Haus war, obgleich fern, – doch bald erreicht. Der treuherzigen Fürbitte des Knaben konnte der biederherzige Veit nicht lange widerstehen, und liess ihn endlich mit guter Botschaft, aber auch mit der strengen Warnung für den oheim ziehen. Heinrich flog wieder