1827_Spindler_093_316.txt

das räuberische Volk herüberrufen zum Kehraus; während dessen sich auf dem Strome von dannen treiben lassen, und auf irgend einem befreundeten Raubnest des Rheintals die kühn errungne Beute teilen. – Nachdem Zodick also gesprochen, konnten ihm die Andern ihren Beifall nicht versagen, und der Hornberger staunte nur, dass der Gedanke zu solchem Heldenwerk in eines Zodick's Hirn entspringen konnte, früher als in dem seinigen und seiner gefährten. "Wahrlich!" rief er: "bei Hagel und Donnerstrahl! der Friedreich ist ein andrer Bursche geworden, denn zuvor. Ein schlechter Beutel- und Kehlabschneider w a r er, ein kühner Waghals ist er geworden. Der heilige Geist hat ihn wundersam in der Taufe überschattet, und mich freut's, ihr Herren, dass ich bei dem Kindlein Gevatter stand." – "Mehr freut mich's," sprach der Leuenberger, "dass endlich der Augenblick der Rache vor der tür ist: Pest und roter Hahn! Jetzt ist die Reihe an mir, Euch zu vergelten, Ihr Frankfurter Wichte. Die Frösche niedermetzeln, Wallraden und Margareten zeichnen, dass sie meiner gedenken, – hu! welche Lust. Und das Eine, Ihr Brüder und Freunde, das Eine müsst Ihr mir versprechen; schenkt keinem der aus Frankfurt ist, aus der verdammten Stadt, das Leben. Stosst jeden nieder, der Euch in den Wurf kommt. Kind, Jüngling, Greis, Mann oder Weib, schont ihrer nicht, der verfluchten Brut!" – "Ei, so sollen mich tausend Teufel zerreissen, ehe ich etwas Anders tue, als du begehrst!" fluchte Hornberger mit seinem entsetzlichsten Kampfgesichte. "Und mich!" fügte der Reiffenberg, – "und mich," setzte Zodick langsam hinzu; – "Amen!" sprach der Leuenberg, und da gerade die Viere nach den Kannen griffen, um sich zuzutrinken, schlug ein tiefer Seufzer an ihr Ohr. wild fuhren sie in die Höhe, der Eine nach der tür, der Andere nach dem vergitterten Fenster. Zodick jedoch hatte das geübteste Gehör und suchte hinter dem Kachelofen nach dem verborgenen Zeugen ihres Gesprächs. Eine Knabe von zwölf bis dreizehn Jahren lag dort auf der Ofenbank, und hatte sich furchtsam zusammengekauert, da Zodick mit allen Zeichen der Überraschung und Wut an ihn herantrat. – "Verflucht seien die Brüste, die Dich säugten, niederträchiger Goi!" sprudelte der Jude, und spie dem Knaben seinen Geifer in's Angesicht: "Für Dein Ohr muss zahlen Dein Hals!" – Mit keckem Schlächtergriff packte er den armen Jungen bei der Kehle und zerrte ihn aus dem Winkel nach dem Tische, auf welchem sein Messer lag. Der Knabe, mit dem Ersticken kämpfend unter der riesigen Faust des Elenden vermochte nur ein krächzendes Gestöhne hervorzubringen, und sich mit der Gewalt der Todesangst an den Fussboden und die Kniee des Mörders anzuklammern, so dass dieser, einige Schritte vom Tische entfernt, und den Hals seines Opfers, – um es stumm zu machen, – nicht lassend, nicht von der Stelle konnte, und von dem Reiffenberg schäumend den Dolch verlangte. – Dieser weigerte sich dessen, und behauptete, der Junge müsse zuvor reden, undmüsste er sterbenzuvor auf alle Fälle noch beten dürfen. Leuenberg widersprach dieser Regung von menschlichem Gefühl; Hornberg dagegen, obgleich der Wildeste unter Seinesgleichen sprang auf des Reifenbergers Seite, und begehrte von Zodick, er solle den Buben loslassen. – "Gott soll mich strafen an Leib und Seel!" rief er, da der Jude verneinte; "ich haue Dir die Faust vom Rumpfe, wenn Du nicht Deine Krallen von dem Buben lässest. Dir aber, Bube, befehl ich, alles Geheul und Wehklagen von dannen zu lassen, und fein leise und still mir zu sagen, wie Du hieher gekommen. Beim ersten Schrei fährt Dir mein Stahl in die Gurgel?" – Zodick liess zitternd vor Wut und Grimm dem Buben ein wenig Luft, und der arme schleppte sich dumpfwimmernd zu den Füssen des Hornbergers, obgleich ihn Zodick noch immer fest hielt, wie ein Fanghund die angeschossne Beute. Reiffenberg suchte indessen den von Leuenberg zu begütigen. Auf Befragen des Hornbergers berichtete der Knabe schluchzend: "er sei Brändlings Vetter Heinrich, von ihm an Sohnsstadt aufgenommen, und zur Küfnerei bestimmt. Er sei verwichne Nacht als Aufwärter bei einem Benderschmausse gewesen, und müd zum tod heimgekommen. Nach dem Mittagimbiss habe er noch seine Hausarbeit verrichtet, sei dann in diese stube gedüsselt, und auf der Ofenbank eingeschlafen, auf welcher er vor einigen Augenblicken erst erwacht. Er beteuerte, von dem Gespräch der Herren nicht das Geringste vernommen zu haben, und bat um Vergebung und um sein Leben." – "Der Bube lügt, wie ein Schelm!" rief Zodick dazwischen: "Seht doch, wie er wird rot bei jedem Wort. Der ist cochem wie ein Fuchs. Darum nieder mit ihm." – Er krallte seine Faust wieder um den Knabenhals, und zuckte das Messer. – Der Hornberg zuckte die Achseln, und wendete sich ab. Reiffenberg fiel dem Juden in den Arm, und sprach: "Blutunke! bedenke doch ... das Geschrei des Knaben, sein Röcheln, man wird es vernehmen ... die Folgen ...!"

"Sorgt nicht!" spottete der Jude: "ich verstehe es, wie man schächtet, ohne dass das Lämmchm schreit!" und