es mit diesem volk habe. Es hatten sich nämlich seit ganz kurzer Frist eine Menge von landstreicherischen Horden im Osten des deutschen Landes gezeigt, von fremder Abkunft, dunkler Farbe, zerlumpter abenteuerlicher Kleidung und kauderwälscher Sprache, wie auch von unbekannten Sitten. Diese Eigenschaften, – mehr aber noch als diese – der Fremdlinge überkeckes Tun und Treiben, hatten die Landbewohner in Staunen und Bestürzung versetzt, denn nichts von dem, was klingt und leuchtet und glänzt, war sicher vor den habsüchtigen Fingern der Fremden;. aber auch Hühnerhöfe, Taubenschläge und Ferkelställe leerten sie aus, verzehrend, was ihnen gerade behagte, vertauschend gegen Geld, was sie gerade im Überflusse besassen, und verderbend, was ihnen unnützlich schien. Mit Unwillen sah der Bauer das zuchtlose Betragen des gleichwie vom Himmel geschneiten Gesindels, dessen Ursprung, Namen, Zunge und Bestimmung auch dem Gelehrtesten unbekannt war; er hätte gerne die frevelnden Gäste mit offner Gewalt vertrieben, denn Mut im ehrlichen Streite schien eben ihre Sache nicht zu sein; aber die Menge, die stets sich erneuend wie aus dem Boden wuchs, ersetzte hier die Tapferkeit, und die Tausende, auf Leben und Tod durch die Bande ihres unbekannten Vaterlandes verknüpft zu dem gefählichen Zug, durch fremde Länder, bildeten eine furchtbare Macht, welcher selbst das wohlbewahrte Frankfurt den Durchzug, – und was mehr noch ist, – einige Rasttage nicht verbieten zu können glaubte. An dem Morgen des heutigen Tages waren, nach dem Berichte mehrere Bürger, die erzählend und neugierig unter dem Getümmel standen, waren die Herolde des braunen volkes vor Schulteiss, Burgermeister und Rat erschienen, und hatten Geleitsbriefe vorgelegt von Königen, Fürsten und Herren, und im Namen ihres Herzogs den Durchzug gefordert, gegen Westen und Mittag, und der Magistrat, geschreckt von der im mund des volkes weit übertriebenen und vergrösserten Zahl der zu einer Einzigen versammelten Horden, hatte dem Begehren willfahrt. In dieser Stunde kamen sie eben an, die Fremdlinge, geführt vom Oberstrichter selbst, und umgeben von Söldnern des Rats, die von Zug zu Zug verhindern sollten, dass Einer von den Ägyptern sich in die Stadt verliere, und zugleich ihnen als Begleitung dienen, bis zu der wüst liegenden Maternuskapelle in Sachsenhausen, wo sie ihre Rastzeit zubringen sollten. Helle Haufen von Weibern braunen Angesichts, mit glänzend schwarzen Haaren, ihre Kinder teils führend an der Hand, teils tragend auf dem rücken, eröffneten, an langen Stäben wandernd, den langen Zug. Zerlumptes Männervolk mit Zwerchsäcken, Bündeln und Schläuchen auf den Schultern, Hahnenfedern auf den Mützen und kurzen Messern an der Seite, folgten. Ihre Gesichter waren meistens dunkel, wie die braune Kastanie, ihre Augen schwarz und lebendig, das Haar kurz und von gleicher Farbe, die Zähne lang und glänzend, wie das Elfenbein. Diese Horden, wenn gleich zahlreich und aus handfesten Leuten bestehend, waren indessen nur die Vorläufer der eigentlichen volkes- und Heeresmacht der Ägypter. Ein wildes Getöse liess sich in der Ferne vernehmen. Koppeln von Hunden wurden tobend vorbei getrieben, einzelne Bewaffnete auf dürren Eseln oder kleinen unansehnlichen Kleppern, mit dicken Köpfen und armseligen Schweifen, reitend; liessen sich unter dem dichter werdenden Getümmel sehen, und eine barbarische Musik rückte heran: Schaaren von Sängern und Spielleuten, die mit kleinen Trommeln, Handpaucken, Schellen, blechernen Klingdekkeln, Dudelsäcken und kleinen Mohrenpfeifen, einen wüsten jubel erhoben und unterhielten. Hinter ihnen wurde die Stange, mit vergoldetem Knopfe und Büscheln von Rosshaaren geschmückt, getragen, von welcher an goldnen Schnüren der grosse pergamentne Freipass herabhing, den Kaiser Sigismund dem aus fernem Osten heranziehenden ägyptischen volk hatte ausfertigen lassen, und den viele grosse Herren und Städte durch ihr Insiegel bekräftigt hatten. Die prächtige Kleidung des Herzogs dieser Horden, der unter dem Schatten jenes Pergament-Paniers auf einem schellengeschmückten Maultiere einher trabte, stach grell gegen die zerlumpte Tracht seiner Untergebenen ab. Das ungarische Gewand starrte von goldnen Zierraten, auf seiner Mütze prangte ein Busch von roten Hahnenfedern, und unter dem pelzverbrämten rand dieses Hauptschmucks blitzten Augen hervor, die des Mannes Beruf, über das ungeschlachte Volk den Stab der Gewalt zu schwingen, auf's Bündigste bekräftigten. Um ihn her wurden die Kochgeschirre der Horde getragen, Schläuche mit Wein, Säcke mit Mundvorräten; Weiber und Männer. Die rüstigsten aus Allen, – mit langen Speeren bewehrt, folgten dem Heere, und an diese schloss sich, die Nachhut des ganzen Zuges bildrnd, ein unzählbarer Schwarm von Gesindel, Trossvolk und schwarzgebrannten, mit langen Knebelbärten gezierten Burschen, die den verwegnen blick nach allen Seiten richteten, und bereit schienen, bei der ersten verdächtigen Bewegung des gaffenden volkes, wie blutlechzende Hunde in dessen Reihen einzubrechen, und zu morden und zu plündern nach Gefallen und Willkühr. – Also zog unter dem Summen der neugierigen Bürgermenge, dem widerlichen Getöne der Brumm und Gellpfeifen, und unaufhörlich aufwirbelnden Staubwolken die wunderliche Heeresmacht vorüber, und hinter ihr floss das nachdrängende Volk in einen Knaul zusammen, um die seltsamen Fremdlinge und ungebetnen Gäste nach ihrer Ruhestätte zu geleiten.
Zodick und seine gefährten machten sich dagegen nach dem Knippling zurück, wo ihnen Brändling, da sich indessen in der Schenkstube einheimische Zecher eingefunden hatten, ein dunkles abgelegnes Hinterstüblein anwiess, in welchem sie sich um den Tisch lagerten, die Passgläser füllten, und weiter sprachen von ihren verderblichen Planen. – "Gottes Wunder!" rief Zodick schmunzelnd und sich wohlgefällig das Kinn reibend: "Ihr edlen Herren und Genossen! Kann man finden einen bessern Deckel für unsre