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um an der tür Wache zu halten, dass sie nicht überfallen würden von ungebetnen gefährten. –

"'s ist alles reif," begann Zodick: "reif, als mir Gott soll helfen im Sterben. Alle die, die einst gedient haben unter dem trunknen Marten, Alle, die bis jetzt entgangen sind dem Blutgericht, sind hie, und verteilt in den Erdhütten und schlechten Bayes auf dem Klapperfeld und dem Fischerfeld. Ich steh' für sie ein, mit Gut und Blut. Sie zittern nicht, sie zagen nicht. Als ich ihnen sag': Stosst zu! so stossen sie auf den Fleck, bis er nichts mehr fühlt." – "Die zwanzig angeworbnen Söldner sind ebenfalls um die Stadt herum versteckt;" setzte der Leuenberger, Zodick's Kumpan, hinzu: "tüchtige Leute, ein wahres Mordgesindel, das den pfaffen am Altar ermordet, und aus des Papstes Hand den Kelch stiehlt, wann man's haben will." – "Herrlich, beim Blitz und Strahl!" jubelte der Hornberger Veit, Reifenberger's Begleiter: "Siebzig Knechte haben wir im Gefolge und rings im Feld und Acker aufgestellt, die alle vor Begierde brennen, sich an den hochmütigen Ellenreitern zu rächen, die sie herrenlos gemacht!" – "Gott sei Lob und Dank;" liess sich der Reifenberger vernehmen, – "so dürfen wir doch hoffen, unserm armen Bechtram eine Todtenfeier zu halten, bei welcher die Frankfurter Geisel- und Römerfahrt, das grosse Sterben und die Gräuel der Judenschlacht vergessen sollen. Sagt aber, ihr Freunde, wann soll's beginnen?" – "Morgen!" fiel Zodick hastig ein: "Morgen, edle Herren, und nicht früher, und nicht später." – "Hoho!" riefen die Andern: "Friedrich! Dir funkeln schon die Finger nach der Plünderung; aber so schnell wird's nicht sein können!" – "Gott soll mir helfen;" beteuerte der Jude: – "entweder morgen, und ich bin dabei, oder nichtmorgen, und ich ziehe ab meine Hand." – "Dummer Hecht!" versetzte der Leuenberg: "hier können wir nicht ohne Dich sein, Du sollst uns den Pöbel aufhetzen lassen, dass er an dem Spiele teil nehme, Du sollst uns zu den Kisten und Kästen der Reichen führen, und uns zeigen, welches Haus früher brennen muss, als das andre." – "Das will ich!" versicherte Zodick: "aber ich will verkrummen, und schwarz werden wie die Nacht, so ich's an anders tue, denn morgen. Ich will nicht haben umsonst mich gestürzt in die Gefahr des Todes; denn auf diesen Gassen liegt der Strick für meinen Hals; ich will Euch friedigen die Lust nach, und die Lust nach Rache." – "Geld und Rache!" rief Hornberg: "Bei Donner und Strahl! der Jude, – Friedrich, wollt' ich sagenhat Recht. Ist's denn nicht auch unsre Losung? Geld für uns! Rache für Bechtram's Henkertod!" – "Ganz recht!" polterte Leuenberg: "die Pest auf die Frankfurter und der rote Hahn ihre Häuser; aber noch einmal: nichts übereilt! Vorsicht; ihr Freunde!" – "Versäumen wir's um einen Tag," erläuterte Zodick, "so gehen die reichsten Niederländer fort, denn schon stehen leer ihre Gewölbe, und voll sind ihre Kasten; zaudern wir, so geht für mich verloren das höchste Glück der Rache. Mein Feind, der junge Frosch, macht morgen Hochzeit. Hat er gewonnen die Hand der Braut, soll er doch nicht gewinnen ihren Leib. Ich schlachte ihn am Hochzeitschmause mit seinem Ette, und will nichts weiter dafür, Herr von Leuenberg; aber ich will lahm werden wie ein Hund, wenn s i e nicht die ersten sind, die da kriegen den Talles. Ich hab's geschworen, ihr Herren, und halten will ich's bei Gott!" – "Den jungen Frosch! den alten Sünder daneben?" fiel Leuenberg wild ein: "Vortrefflich! das bewegt mich, und bringt mich zu Allem. Am Hochzeittag? Drauf und dran! Bei dem blutgen Hochzeitsmahl tanz ich mit meiner Grete den Kehraus und mit Wallraden. Sie haben's um mich verdient!" – "In Gottesnamen! wie Ihr wollt!" stimmte Hornberg ein: "Je früher es an's Gemetzel geht, je freudiger schlage ich zu." – "All' gut," meinte der Reifenberger: "'s will aber doch beredet sein, wie wir's vollführen, denn Kopf und Fuss muss eine Sache von dieser Wichtigkeit haben; das begreift Ihr wohl. Lasst uns darum überlegen, wie's am Besten anzufangen ist, und in's Reine bringen, wo und wann der Angriff statt zu finden hat; wo zu seugen und zu plündern, wie die Beute dann zu teilen ist." – "Der lange Zodick mag zuerst sein Scherflein anbringen;" sprach der Leuenberg: "er kennt hier Zeit und Ort am Besten, und sein eigner Vorteil ist's, führt er uns gut und zur gelegnen Stunde." – "Mir recht!" antwortete Zodick: "ich will Euch vorschmusen, wie ich mir's hab' gedacht.