er, nur um zu schaden, die köstlichen Pelzverbrämungen der Frauenröcke, wie auch die herrlichen Sammetschauben der Vornehmen in Stücken. Trotz diesem eifrig betriebnen Geschäfte drang er doch unaufhaltsam in e i n e r geraden Richtung fort bis zum Mainstrome, wo er mit dem Mittagsgeläute eintraf. Andächtig, wie alle Vorübergehende entblösste en den schwarz und rauh behaarten Kopf, und warf sich auf die Knie, die Brust klopfend und die Stirne bekreuzend; dann spie er verstohlen aus, und schlüpfte in eine von den Breterschenken, die, luftig und für den Augenblick erbaut, zum Besten der Kaufleute am Ufer errichtet waren. In einem verborgnen Winkel derselben verzehrte er hastig und gefrässig den Knoblauch und das harte Brod, das er in der tasche trug, und schlürfte dazu seine halbe Kanne schlechten Weins, das Geld im Verborgnen überzählend, das er auf seinem Gewerbgange erobert. – Nach kurzer Ruhe erhob er sich wieder wie ein Fuchs vom Lager, strich am Herde vorüber, warf die ganze Pfefferbüchse auf ein Gericht von Fischen, das dort in der Pfanne schmorte, stiess einen vor der Hütte stehenden mit Wecken gefüllten Korb mit einem schnellen Fusstritt in den Strom und verschwand innerhalb dem Bereiche mehrerer Zeltütten, die von einigen Meisterinnen fahrender Töchter unfern davon aufgeschlagen worden waren, und in welchen das lüderliche Herrenund Pöbelgesindel seine Schwelgereien feierte, unter'm Schutze der Messfreiheit. Der Beutelschneider, aller Wege und Stege in diesen Hütten der Ausschweifung wohl bewusst, brachte schnell bei den üppigen Dirnen die Quasten und Troddeln an, die er gestohlen, und die sie ihm dreifach bezahlen mussten, um ihrer unverschämten Eitelkeit und ihres Sündenerwerbs willen. Der Handel fiel glücklich aus, und im Davongehen stiess der Dieb auf einen hagern Mann in bürgerlicher Tracht, der seinen Weg gegen die Zelte zu nehmen schien. "Wohin? wohin? edler Herr?" fragte der Erstere halblaut, und dem mann vertraulich auf den Leib rückend: "Schleicht man doch nicht im Mittagsscheine zum Liebchen, und hättet Ihr wohl was Bessres zu tun, als hier im Schlamm zu verderben Zeit und Masumme!" – "Halts Maul, Jud!" raunte ihm der Andre ergrimmt zu: "Scheer' Dich Deiner Wege." – "Nichts da;" versetzte der Gescholtne: "Ihr werdet mir folgen in den Knippling, und vernehmen allda, was sich begeben, oder nichts haben von der Brut." –
"Verdammter Hund!" murrte der Andre vor sich hin, und drehte sich aber um, dem Kerl zu folgen, der wie ein Wiesel, durch die Strassen dahin schoss, und sich nach mannichfachem, wiederholtem Umschauen nach seinem Nachfolger, in das engste Gassengewinkel der Altstadt verlor. Hier, – in einem Sackgässlein, zu dem Jahr aus, Jahr ein kein Sonnenstrahl den Weg zu bahnen sich vermochte, weil die eng an einanderstossenden Überhänge der Häuser jeden Luftzugang versperrten, hier stand, – rechts und links von düstern Stiftsgebäuden eingefangen, – eine elende Schenke, – zum Knippling genannt, im mund des volkes, und allerdings nicht allzu wohl berüchtigt, obgleich im Herzen der Stadt belegen. Der Wirt, ein eisgrauer Hagestolz hatte es gleich von Anbeginn nicht darauf abgesehen, eine klare, ehrliche Wirtschaft zu errichten, und hatte nur die niedern Bürger an sich gezogen durch wohlgeil Getränke. Anfänglich hatte er auch ein Kupplerwesen in der Stille getrieben, und mancher Altbürger, wie auch mancher Chorherr des benachbarten Stifts hatte wohl damals, bis an die Augen vermummt, unter'm Schirm der finstern Nacht, des pfiffigen Brändlings Haus besucht; aber seit der Rat die üble Wirtei ergattert, und der Stöcker, als Herr und Meister der fahrenden Weiber, bei hellem Tage die Dirnen aus dem Knippling getrieben hatte in's Rosental unter seinen eignen Bannbereich, – seitdem hatte der vornehme stille Zuspruch aufgehört, und aus der Bekanntschaft mit den Stiftsherren war für Brändling nur der Vorteil erwachsen, dass er ferner ungestört auf dem Grund und Boden des Kapitels verweilen durfte. Von stunde an hatte sich auch nichts Unredliches vom Knippling weiter hören lassen, aber rechtliche Leute mieden beständig die Spelunke, in welcher nach wie vor nur sparsamer Pöbeltross, oder arme Messkrämer, oder listige Messgauner ihre Einkehr hielten. In dieses finstre Haus traten die beiden Kumpane, begrüssten den gähnenden Wirt wie einen alten Bekannten und begaben sich in die kleine gewölbte stube, in welcher zwei andre Männer an einem schmutzigen Brettspiele sassen. "Ho!" rief der Gefährte des Beutelschneiders: "Da komm ich ja guter Stunde: Schon da, Namensvetter? Grüss Dich Gott, und auch Dich, Bruder Reifenberg!" – Das Brettspiel flog nach diesen Worten unter den Tisch, die Dreie schüttelten sich die hände und umarmten sich, wie alte Freunde. Der Vierte, der schwarzborstige Diebsgeselle, stand daneben, rieb die hände und lachte wie ein Satan. Der Eine der Fremden sah sich nach ihm um, und sprach: "Du auch hier, Patchen? Herrlich! ein ganzes Nest zünftiger Vögel. Wein her, Brändling! Wein! und nun rund um den Tisch, ihr Leute, und aufgetan den Schnabel, und erzählt wie es hier steht. Friedrich! mach Du den Anfang, denn in Deinen Augen .... Donner und Pestilenz! – da wetterleuchtet es, wie unter den Braunen des Teufels!" –
Brändling schleppte, auf leisen Socken schleichend, einige Kannen herbei, empfahl seinen Gästen Behutsamket und heimliches Gespräch, und ging,