auf den gepolsterten Schemel: "Euch war es lange nicht nicht mehr unbekannt, dass ich den Junker liebgewonnen hatte seit verwichnem Osterfeste, und noch viel mehr zur Zeit, da er in unsern Forst kam mit der armen Dirne, die er leider damals liebte, wie sie's nicht verdiente, weil sie eine Jüdin war, und weil sie ihm nicht treu blieb. Seiter habt Ihr mir verboten, ihm merken zu lassen, dass ich ihm hold sei, und nachdem wir in seinem haus seiner Eltern Hochzeittag begangen, habt Ihr mir untersagt, an ihn zu denken, weil er damals frei heraus gesagt, er werde, obgleich vom Kircheneide frei, nimmer heiraten in seinem Leben. Aber, gute Mutter; das untersagt sich leichter, als sich's tun lässt, dem Verbote zu gehorchen. Wider Willen sogar musste ich stets an ihn denken, und ich hatte ihn jetzt weit lieber denn zuvor, und grämte mich schier, als unsere Nachbarin vom Wildenstein Hochzeit machte, und ich sah, wie die beiden Brautleute sich herzten, und ich mir immer sagen musste, Dagobert und ich würden nimmer ein glückliches Paar werden dürfen. Da begab es sich einstmal – es mögen drei Sonntage seitdem vergangen sein, – dass Ihr nach Friedberg gefahren wart, und ich das Haus hütete. Ich hatte Langeweile in den Stuben, und keine Kurzweil in unserm kleinen Garten, weil die Blumen schon meistens abgeblüht haben, und auch die Bäume fruchtleer stehen, des Frostes wegen, der die Blüten verdarb. Gar zu gern hätte ich mich unter die Hofleute gemischt, die unter der grossschattigen Linde des Burgplatzes sassen, und mit Plaudern und Scherz und Gesang sich den Feiertag vertrieben; aber Ihr habt mir oft gesagt, dass sich das für mich nicht mehr zieme, und so unterliess ich's denn, mich bezwingend, vom Fenster aus, ihrem fröhlichen Weben und Leben zuzuschauen mit sehnsüchtiger Freude. Da gewahrte ich, dass die Wurzel aller Freude jener Leute ein Mann war, von hässlichem Aussehen zwar, der jedoch der possenhaften Geberden viel trieb, zu einer ganz verstimmten Laute Lieder sang nach lustigen Weisen und mit lächerlichem Nasentone, und sich überhaupt vorgenommen hatte, für ein Paar Pfenninge und einen Trunk die Burgleute zu unterhalten. Den meisten Spass aber machte er den Zuhörern, da er ihnen aus der Hand wahrsagte, nach der Reihe, einem nach dem andern, und so oft er dem Neugierigen gesagt, was sich ferner mit ihm begeben werde, so erschallte laut und anhaltend das Gelächter der Übrigen. Ich weiss nicht, wie es kam, dass ich mit einemmale auf der Schwelle des Hauses stand, und Eure Gürtelmagd vorüberging, mit den Worten: 'Der kann mehr als Brod essen, gutes fräulein'. Er hat uns alles gesagt, was wir schon erlebt haben, und, da er es so gut getroffen, so muss auch wahr sein, was er von der Zukunft uns gelehrt."
Um so neugieriger sah ich nach dem fremden mann, und plötzlich stand er vor mir, dass ich schier erschrocken wäre vor seinem hässlichen gesicht, und dem Pflaster auf seinem Auge. – "Fürchtet Euch nicht, lieb fräulein!" sprach er mit unangenehmen lachen: "Der Mensch kann nichts für sein Gesicht. Gott gibt die Schönheit und die Hässlichkeit; die Klugheit jedoch nicht minder. Erlaubt, dass ich Euch wahr sage aus der Zukunft." –
Unwillkürlich halb, und halb mit Wissbegier reichte ich ihm die Linke, in deren Fläche er lange Zeit schaute und blinzelte, heimliche Worte murmelnd. Endlich begann er mir zu erzählen aus meiner Jugend, und sagte mir unverholen, ich sei in meinem Herzen einem jungen Mann gar hold und zugetan. Wie ich da erschrack! Gut war es nur, dass er nicht des Jünglings Namen genannt; ich wäre sonst vergangen vor Schaam. Hierauf versicherte er mir, ich würde nächstens eine Hausfrau werden, und derjenige ganz gewiss mein Liebster und mein Ehegatte sein, der mir einen Goldring schenken würde mit 'nem blauen Stein und zwei verschlungnen Händen unter einem Kranze. – Nun wollte ich nichts weiter hören, reichte ihm eine reichliche Gabe, und dachte mir die Prophezeihung aus den Sinnen zu schlagen. Des Fremdlings Geschicklichkeit bewährte sich indessen schon in der folgenden Nacht. Dem Freisassen Kunz vom Wildensteine, der mit unsern Leuten trank und scherzte, hatte er vorausgesagt, er solle sein locker Leben einstellen, denn es stehe ihm ein gewaltsam Ende bevor, und der Freisass hatte ihn verhöhnt, verspottet und für verrückt gehalten. Aber in derselben Nacht wurde er auf seinem hof jämmerlich um's Leben gebracht, und seine Ställe und Kästen geplündert, man weiss zur stunde noch nicht, von wem. Von da an musste ich täglich, stündlich sogar der Voraussagung gedenken, und – stellt Euch vor, – gestern schenkte mir Dagobert einen Ring, gerade so, wie ihn der Wahrsager beschrieben, ... denselben, den er heute von mir verlangt, und feierlich, zum Zeichen unsrer Verlobung, an den Finger mir gesteckt. – "Denselben Ring, den Du mir verheimlicht;" versetzte die Mutter mit sanftem Vorwurf: "es ist wahrlich Zeit, dass Du aus meiner Obhut trittst, sonst erlebte ich noch das Bittre, das ganze Vertrauen meines Kindes zu verlieren." – "Nicht böse, mein Mütterlein!" flehte die bewegte Regina, und ihrem schmeichelnden Tone konnte die Frau von Dürning nicht