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des Geschicks, und wurde Joël's Weib. Seit drei Monden vermählt, ..." setzte Fiorilla schonend hinzu, "hat sie den redlichen Mann, wie sie versichert, lieben gelernt, und um so sichrer den Unverstand der ersten Liebe eingesehen, die niemals belohnt worden wäre. Sie wird Mutter werden ....."

"Genug!" versetzte Dagobert mit bewegter stimme: "genug; obgleich diese letzten Worte mich nicht mehr erschüttern. Das Erste war allein vermögend, mich noch einmal zum kind zu machen, das, ohnmächtig und lächerlich zugleich, seine schwache Wut gegen den grollenden Gewitterhimmel auslassen möchte. Ester abgewichen von der Bahn der Treue, von dem Gelübde, das ihr das eigne Herz aufgedrungen haben musste, tat es auch kein fremder Mund? Das heisst Alles in sich fassen, das ein Männerherz zermalmen oder heilen kann. Und an diesem unerwarteten Schreckniss soll mein Herz nicht zerschellen. Genesen soll es, wie der Kranke, dessen Wunde ein glühend Eisen ausbrennt, mit schmerzlich wohltätiger Gewalt; ... wie der Vergiftete, dem der besonnene Arzt ein schrecklicheres Gift aufzwingt, damit es mit dem verderblichen Vorgänger in den Kampf gehe und ihn überwinde. Alle Segenswünsche der Erde über Dein Haupt, Fiorilla. Das Messer Deiner Rede hat tief in meine Seele geschnitten, dass sie gesunde. Über Dein Haupt der Segensruf der Glücklichen, die ich jetzt machen werde und machen darf." – "Wie verstehe ich Euch?" fragte Fiorilla neugierig und besorgt nach der Hand des Entweichenden greifend. – "Es ist das Leichtste und das Angenehmste von der Welt;" erwiderte Dagobert mit bitterm Lächeln: "ich will das vierte Gebot erfüllen und tun, wie mein Vater will, und meine zweite Mutter begehrt. Die Frau des Juden Joël ziehe immerhin gegen Lüttich, wie der oheim nach Baldergrün. Mit der Erstern sei der Gott der Barmherzigkeit und der Vergebung Engel, für den Zweiten mag meine fromme Schwester beten. Ich aber für mein teil, will hingehen und, ein gehorsamer Sohn, die Ältern fragen: Wo ist die, die ich freien soll? Zeigt und nennt sie mir, dass ich tue nach euerm Willen." – "Ihr wolltet wirklich ...?" fragte Fiorilla halb fröhlich überrascht, halb ängstlich: "Ohne zu wählen, ... ohne zu überlegen..,?" – Dagobert zückte spöttisch die Achseln. "Hatte ich nicht schon gewählt, und stehe jetzt doch allein?" fragte er: "Lasst mich gewähren. Die Zeit eilt. Die Stunden sind gezählt, wie meines Vaters graue Haare. Ehe er von hinnen geht, soll er Freude an seinem Sohne erleben, und wenn mir auch das Herz darüber bräche. lebe' wohl, Fiorilla, und habe Dank."

Fussnoten

1 Der Ort, in welchem der Rat diese Personen gebannt hatte. –

Zwölftes Kapitel.

.... ein nomadisch Volk,

Diebisch, listig und verwegen,

Heidenbrut aus Afrika,

Vogelfrei und dennoch furchtbar.

Romanisches Lied.

Die edle Frau von Dürning stand ihrer Tochter gegenüber, und beide schienen ihr Wesen gegen einander ausgtauscht zu haben. Regina, die sonst gewohnt war, mit niedergeschlagenen Augen der Mutter Worte anzuhören, wie ein demütig Kind, stand nun aufgerichtet vor ihr; im offnen geraden Blicke freudige Unbefangenheit, Lichter einer seligen Lust, die auch ihre Züge mit rosigem Schimmer verklärten. Frau von Dürning hingegen hatte die Augen zu Boden gerichtet, sah sinnend vor sich hin, und um ihren Mund spielte das leichte Lächeln, das sich einfindet, wenn uns eingetroffen ist, was wir für unmöglich hielten, und was wir überrascht in eine nicht unangenehme Wirklichkeit treten sehen. So wie in Reginens gesicht etwas Siegerisches lag, so prägte sich in der Mutter Zügen ein gewisses Nachgeben aus, das nicht Zwang und Gewalt, sondern mütterliche Liebe allein herbeigeführt zu haben schien, und in dem dazu gehörigen rend, fragte sie die Tochter: "Bist Du nun zufrieden, mein Kind?" – "Zufrieden und glücklich, mein Mütterlein!" erwiderte Regina, und der Mutter Sanftmut zog das Mädchen unwiderstehlich an deren Brust. "Fast kommt mir's vor, wie ein Traumbild," hob wieder die Edelfrau an, schüttelte lächelnd den Kopf, und trat an das offne Fenster. "Dort gehen aber noch beide," fuhr sie fort: "der alte Herr in seinem stattlichsten Feierkleide, und sein Sohn in dem schlichten kurzen Rocke, der ihm so gut steht, wie ich nicht mehr länger läugnen mag." – Regina blintzelte verschämt über die Schulter der Mutter, und lispelte: "lebe' wohl, und kehre recht bald wiedeer, Du guter, guter Mensch." – "Er wird wohl nur zu bald wiederkehren;" meinte die Mutter schalkhaft: "ist's doch, als ob der junge Mann in den Krieg müsste, so eilt er sich mit Freierei und Einsegnung. Ei, wer hätte gestern dieses schon gedacht?" – "Lieb Mütterlein," versetzte Regina: "seit gestern wusste ich's ganz gewiss, dass Dagobert, mein Herr wird, und kein Andrer." – "Sieh doch!" schaltete die Edelfrau ein: "So lass doch hören, Du verständig und vorwitzig Kind."

"Ich will Euch dessen haarklein berichten," antwortete die Tochter freundlich, und setzte sich zu der Mutter Füssen