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tun wollt, ist ein schlechter Grund. Für diessmal sei's genug, aber seid doch lustig, in's Teufels Namen, s'ist Messzeit, jubel und Freude an allen Ecken, und der wohlweise Rat so sanft wie ein Lamm, er weiss schon warum. Alle fahrende Frauen und Töchter sind losgelassen, und dürfen schwärmen auch ausserhalb dem Rosentale1. Die Schenken sind offen die ganze Nacht hindurch, und kein sauertöpfischer Wirt darf mich auf die lange Glocke verweisen, wenn ich nach neun Uhr mein herzhaftes: Eingeschenkt, über den Tisch donnre. Ich mag jetzt meine längste Stossklinge an die Hüfte stecken, und damit den Waden der jungen Fante beschwerlich fallen, während ich sonst mein kürzestes Schwertlein anhängen muss, das nicht besser aussieht, als das Wetzeisen am Gürtel eines Schlächters. Ja, mir ist's sogar nicht verwehrt, Sonntags meinen Bart scheeren zu lassen, so mir's gefällt. Es lebe die Messfreiheit! Sagt, kann man wohl glücklicher sein? Jagt darum die Grillen zum Teufel. Sprecht, wohin wollen wir? Soll ich Euch etwa zu dem Wundarzt führen, der an der Ecke der Klauskirche seine Latwergen und Pillen verkauft? Vielleicht hat er ein Mittel gegen Euren Blödsinn, oder sein Schalksnarr zwingt Euch zum lachen, was das Herz froh macht, und hungrig den Magen; oder wollen, wir den Vogel Strauss sehen, von welchem Alt und Jung erzählt, oder das ungeheure Elephantentier, in dessen Wanst, wie das Volk behauptet, der Teufel selbst stecken soll?" – "Besieh Du allein diese Seltenheiten," erwiderte Dagobert kopfschüttelnd: "lasst mich jedoch hier unter der Menge von Menschen, die mir grösstenteils fremd sind, und folglich auch meine Bürde nicht kennen." – "Glaubt Ihr denn, ich würde Euch allein lassen, guter Freund?" fragte Gerhard lachend: "Behüte Gott; ich bin wie zu Eurem Wächter bestellt. Ihr wärt im stand, in Euerm Trübsinn geradezu in den Strom zu gehen, oder Euch zum Mindesten von dem einfälltigsten Spitzbuben Eure Börse vom Gürtel stehlen zu lassen; – denn der Diebe gibt es hier zu Frankfurt ein ansehnlich Gelichter. Wenn der Markt eingeläutert ist, mögen Schelme und Strolchen zur Stadt kommen, bis wieder ausgeläutet wird. Wohl dann den Liebesrittern, wenn sie viele solche Junkherrn antreffen, die, wie Ihr, eihergehen, die hände auf dem rücken, die Augen in der Luft, und nicht bemerkend, was um sie her sich begibt. Schaut! während ich so rede, hat sich ein abscheuliches Gesicht an Eure Seite gedrückt. Zieh' aus, Schelm!" – Dagobert blickte neben sich, und ersah einen Menschen, welcher der drohenden Geberde Gerhards entlief, und im Entspringen gegen den Edelknecht höhnisch die Zunge herausstreckte. – "Pfui!" rief Dagobert: "welch ein abscheulich Gesicht, entstellt noch obendrein durch das Pflaster, das die Höhle des verlornen Auges bedeckt. Wahrlich! wären dem Burschen nicht schwarze Borsten gewachsen, ich würde ihn für des elenden Judenknechts Ebenbild halten, den ich einmal von den Schranken schlug. – Wer weiss," – setzte er nach langem Schweigen hinzu: "wer weiss auf welchem Anger der Schädel des Bösewichts bleicht, ... aber sein schrecklich Angedenken verbindet sich so innig mit einem unaussprechlich wehmütigen, – mit Ester's Gedächtniss, dass ich schier Tränen in meinem Augenwinkel fühle." – "O weh!" klagte Gerhard ärgerlich: "da sind wir wieder auf der alten Fährte. Die Pest über alle Liebesnarren. Das Gesicht des hässlichen Gauners erinnert sie an ihres Liebchens Antlitz. Kaum wage ich's, Euch auf jene Bande von holden Dirnen aufmerksam zu machen, die kosend und lachend an des Goldschmieds Laden stehen. Der glatzköpfige Bube hatte gewiss lange keinen so freundlichen und willkommenen Besuch. Seht wie er in seinen kleinen Schreinen kramt und wühlt, als ob seine gichtbrüchigen Finger erst vor sechzehn Jahren gewachsen wären; wie er den Mund süsslächelnd zusammenkneift, dass die blühenden Dirnen das mangelhafte Gebiss nicht bemerken sollen. Euch, liebes Herrlein, ist freilich seit geraumer Frist der Anblick schöner Weiber ein Gräuel geworden. Erlaubt aber immerhin, dass ich mich ein Weilchen daran ergötze. Das runde kleine Mägdlein in der Ecke, – dasselbe, das so verlegen in dem Kästlein sucht, und an ihres Gürtels Hacken ebenfalls etwas zu suchen scheint, – ich weiss nicht was? – Das Mägdlein sticht mir ganz besonders in die Augen, und wen mich diese nicht hinters Licht führen, so ist die Maid eine Bekannte, sowohl von Euch, als auch von mir." – "Wer? wer?" fragte Dagobert hastig, warf einen blick nach der Bude, und ein hoher Grad von Überraschung malte sich in seinen Zügen: "Ist das nicht," .. setzte er staunend hinzu – "ist das nicht das fräulein ... Regina ... von Dürning?" – "Freilich!" erwiderte der Freund: "das liebliche fräulein von Dürning, wie es leibt und lebt. Wer ist denn aber der junge Mann, er vor mir steht? S e y d Ihrs denn noch, Freund Dagobert? euer Gesicht glitzert ja wie das Abendrot?" – "Tut es das?" fragte Dagobert hinwieder mit einer gewissen Ängstlichkeit: "O so komm', alter Kumpan, komm', lass uns von dannen eilen." – "